Tuesday, May 9, 2017

Klar bekommst du deinen Ausweis, sagte das Universum... II

...Nun fehlte mir nur noch ein aktueller Nachweis über meinen Wohnsitz. Besuche in der Comune sind irgendwie immer ein Alptraum, weil ich mir nie sicher sein kann, dass ich am Ende auch das erreiche, was ich zu erledigen gekommen bin. Und zum ersten Mal musste ich dies alleine erledigen. Ich beschrieb mein Begehr der Frau am Eingang, die den Bürgern half die richtige Nummer zum richtigen Büro zu ziehen. Man schickte mich zur Abteilung für Immigration, die in den zwei Jahren seit meiner Meldung hier nun in ein anderes Stockwerk gezogen war. Fast eine Stunde lief ich wartend den Gang auf und ab, bis eine Russin mit rotem Kopf das Büro verließ und ich endlich eintreten konnte. Und nach nur einer Minute war ich schon wieder draußen. Mit einer Zeichnung und den besten Wünschen einer ehrlich betrübten Seele, dem es sehr leid tat, dass man mich ins falsche Büro geschickt hatte, denn mit Immigration hatte mein Anliegen gar nichts mehr zu tun. "Sie sind hier wie alle anderen auch gemeldet, deswegen gelten keine anderen Bedingungen und Sie müssen in die große Halle und ein Ticket für P ziehen. Zweimal rechts und dann geradeaus! Drücke die Daumen, dass es schnell geht!"

Später sah ich den Mann noch einmal, als ich in der neuen Schlange anstand. Er rief mir ein deutsches "Auf Wiedersehen!" entgegen und verschwand hinter einer Tür. Wenigstens musste ich diesmal nicht lange warten. Eine Frau, die unglaublich gelangweilt und missbilligend über eine Lesebrille schaute und ein Kaubonbon nach dem anderen kaute, war überraschenderweise sprachlich sehr freundlich, was man ihrem Ton und ihrem Blick nur nicht entnehmen konnte. In Zeitlupe klebte sie eine Marke nach der anderen auf meinen Nachweis, den sie ohne großes Warten gedruckt und unterschrieben hatte, schob mir den Wisch zu und hatte mit einem "Buona giornata Signora!" schon mit mir abgeschlossen, während ich mich noch bemühte den Dokumentenkram ungeknickt in meine Tasche zu bekommen, deswegen erst lange nach ihr "Buongiorno!" sagte und endlich aufstand.

Ich hatte meine Dokumente! Ich konnte endlich nach Mailand!

Nun, aufgrund der langen Fahrt und überhaupt, entschied ich zunächst meine bessere Hälfte mitzunehmen. Mit dem Motorrad würden wir um ein Vielfaches schneller sein und unmittelbar danach wieder nach Hause fahren können. Und deswegen kam nur ein Montag in Frage. Mühsam klickte ich mich durch die Terminauswahl des Konsulats. Immer wenn ich einen Tag angeklickt hatte, um die freien Termine zu sehen, musste ich erneut ein Captcha eingeben, was auch mit viel Mühe kaum zu entziffern war. Dementsprechend nervenaufreibend war der ganze Spaß, aber am Ende hatte ich einen Termin mit nur zwei Wochen Wartezeit. Jetzt konnte ich endlich auch den Antrag ausfüllen, mit Datum versehen und unterschreiben. Ich glaube, ich habe mich selten so oft verschrieben wie bei diesem Antrag. Selbst meine Unterschrift hatte irgendwann versehentlich eine Silbe mehr und dann durfte ich den Antrag immer und immer wieder neu ausdrucken und ausfüllen. Ich weiß selbst nicht wieso der Wurm drin war, aber der Antrag, den ich schlussendlich abgeben konnte, war Antrag Nummer zwölf (12!) und das ist keine Übertreibung. Es gab nämlich abgesehen vom konstanten Verschreiben noch andere Probleme...

Beispielsweise war es dann so, dass in der Nacht vor dem Termin das Motorrad kaputt ging. Einfach so. Das wäre nicht so dramatisch gewesen, hätte nicht das Auto ebenfalls in der Werkstatt gestanden. Und kein Zug wäre rechtzeitig in Mailand gewesen, selbst wenn ich noch ein Ticket bekommen hätte. Es ging nicht anders, ich musste den Termin stornieren! Immerhin hatte man mir per Mail einen Link zur Stornierung mitgeschickt, falls ich meinen Termin nicht hätte wahrnehmen können. Allerdings ließ sich der Link nicht mehr klicken, weil ich einen Termin desselben Tages nicht mehr stornieren konnte. Wunderbar! Also antwortete ich wenigstens auf die Mail mit dem Link, erklärte was passiert war und dass ich deswegen nicht würde kommen können, aber kaum hatte ich das Werk abgeschickt, kam es auch schon wieder postwendend zurück, denn es hatte sich um eine no-reply-Mail gehandelt. Nun denn, also gab es keine Möglichkeit zu stornieren. Ich war gezwungen einen neuen Termin zu suchen und kämpfte mich erneut durch diverse Captcha-Hürden, ehe ich für weitere zwei Wochen später einen neuen Termin ergattert hatte.

Das hieß, dass ich auch den Antrag neu ausfüllen musste, neuer Ausdruck, neues Datum, neue Verschreiber und als ich endlich alles zusammen hatte, hieß es: warten.



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