Thursday, March 9, 2017

Südtirol?!

Ach ja, da hofft man Jahr für Jahr endlich auf C1 beim Sprechen zu kommen und hat Momente, in denen man sich in keinster Form sprachlich eingeschränkt fühlt und dann wieder Situationen, in denen man keinen vernünftigen Satz zusammenbekommt, Ausdrücke falsch kombiniert und das Gefühl hat, man hätte gar nicht ausreichend Vokabeln parat um über ein bestimmtes Thema zu reden. Und dann gibt es Vorkommnisse wie jenes, als ich mit einer neuen Klientin in einem Cafè saß, um die Einzelheiten unserer Zusammenarbeit zu besprechen. Nach dem Gespräch fragte sie mich, wann ich denn nach Deutschland gekommen sei. Ich hab gestutzt und mich gewundert, dann gesagt, dass ich dort geboren sei. Aha. Sie fragte weiter, also wann denn meine Eltern nach Deutschland gegangen wären. Verstand ich nicht. Ja, also woher sie denn genau kämen. Na gut, mein Vater aus Hessen und meine Mutter aus Westfalen. Ach, nicht Südtirol?! Südtirol?? Wieso Südtirol?! Nein, niemand aus meiner Familie kommt aus Südtirol. Ach, dann hast du gar keine italienischen Wurzeln?! Ehm, nein...wie kam sie darauf, dass ich italienische Wurzeln haben könnte?! Nun, angeblich hätte sie während unseres Gesprächs angenommen ich sei Südtirolerin. Mein Italienisch sei perfekt und sie hätte einen südtiroler Akzent herausgehört. Das war ja ein Ding! Ich wusste nicht, was mich mehr beschäftigen sollte - der Umstand, dass sie mein Italienisch für perfekt hielt, oder der Umstand, dass ich einen südtiroler Akzent hatte?

Ich entschied mich, mich mehr über das Prädikat "Muttersprachler" zu freuen, als über den Akzent zu ärgern und zeigte meine ehrliche Überraschung. Nachdem das aufgeklärt war, fragte ich, ob ich wenn's hart auf hart käme, tatsächlich behaupten könnte aus Südtirol zu sein? Ja, auf jeden Fall meinte sie. In der Tat behalte ich das im Hinterkopf, falls es mal wichtig sein sollte, keine Ausländerin zu sein. Heeey, ich bin auch Italienerin...aus Südtirol! Wenn die Umstände es verlangten, hab ich auch schon mal behauptet Österreicherin zu sein. Gerade in Phasen, in denen man hier in der Umgebung nicht sonderlich gut auf Deutschland zu sprechen war. Infrage gestellt hat es eh niemand und am Ende hören Laien auch keinen Unterschied beim Akzent.

Zumal ich selbst eh der Meinung bin, dass ich alpenländisch klinge, wenn ich italienisch spreche. Wieso das so ist, ist mir schleierhaft, denn ich komme ja nicht mal aus der Alpenregion. Eine Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft in Rom glaubte schon mal einen ligurischen Tonfall bei mir wahrgenommen zu haben. Aber das war meiner Meinung nach völlig weit hergeholt, denn auch wenn ich grob den Tonfall mit seinem Singsang wiedererkenne, habe ich keine Ambitionen ihn zu imitieren und wüsste gar nicht wie man ihn produziert. Natürlich ist mir auch bewusst, dass alle hier nach bestimmten Regionen klingen. Ich schneide das Thema auch immer wieder mit Kunden an, die ihre Regionen verlassen haben. Ich frage sie, ob sie noch nach ihrer Heimat klingen oder ob sie den Tonfall ihrer neuen Region übernommen haben, Das waren dann Mailänder, die nach Genua gezogen waren, oder Pisaner, die nach Verona gezogen waren oder Pugliesen, die nach Mailand gezogen waren und Genuesen, die nach Kalabrien gezogen waren. Sie alle hatten viel zum Thema beizutragen und auch wenn ich selbst kein Experte von italienischen Färbungen bin, hab ich dennoch bei dem einen oder anderen gehört, dass er nicht aus der Region sein konnte, in der er jetzt wohnte. Ohne es an Details festmachen zu können.

Inzwischen hat mich zumindest der Ehrgeiz gepackt. Wie oft schaffe ich es erneut für eine Südtirolerin gehalten zu werden? Wird noch jemand mein Italienisch für perfekt halten (was es eindeutig nicht ist)? Oder hält mich der nächste unwissende Kontakt gleich wieder für eine Deutsche? Dramatischer war es, als ich mal für eine Touristin gehalten und für mein gutes Italienisch gelobt wurde, was so herüberkam, als hätte ich mit Ach und Krach einen "Italienisch für den Urlaub"-Kurs absolviert. Und dabei hatte ich lediglich die Uhrzeit genannt und dafür dann ein "Com'è brava!" kassiert.  Argh...



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