Thursday, March 23, 2017

Rückzug...

An meinem Geburtstag ist es jetzt richtig aufgefallen: ja, ich habe mich aktuell zurückgezogen. Ich bin z.B. gerade nicht auf Facebook zu finden und das ist für mich schon wirklich ungewöhnlich. Anfang des Jahres schon hatte ich mich aus diversen Gruppen und Teams zurückgezogen und langsam scheint es aufzufallen. Ist etwas vorgefallen? Nicht unbedingt. Es war vielfach eine Bauchentscheidung, um in Ruhe über einige Dinge nachdenken zu können. Facebook war für mich seit 9 Jahren eine ziemliche Konstante und ich gehöre nicht zu denen, die Facebook verfluchen. Im Gegenteil. Ich habe äußerst wertvolle Kontakte durch Facebook gefunden, Facebook ist nur so oberflächlich wie seine Nutzer sind, sage ich immer. Es ist immerhin aus echten Menschen gemacht und echte Menschen bedeuten echte Kooperationen, echte Freunde oder auch echte Schweine. Genau wie im Leben außerhalb. Deswegen gehöre ich eben nicht zu denen, die Facebook verfluchen. Und dennoch habe ich mein Profil aktuell deaktiviert. Nach 9 Jahren. Nicht dauerhaft, nur für den Moment. Und es ist in der Tat interessant. Am ersten Tag habe ich mehrfach völlig automatisch die Seite aufgerufen und wurde dann daran erinnert, dass ich derzeit nicht Teil der Community bin. Ebensowenig wie ich derzeit Teil meiner anderen Teams bin. Ich habe sogar mein eigenes Onlineprojekt Language Success Team verlassen und ähnliche Communities. Vielleicht will ich auch sehen, welche Rolle ich in diesen spiele und ob meine Teilnahme überhaupt erwünscht und gebraucht wird. Und ich will für einige Tage und Wochen niemandem Rede und Antwort stehen. Will keine Fragen beantworten, keine Absagen entgegennehmen und mich nicht rechtfertigen für irgendetwas. Ich bin einfach mal ausgestiegen. Dass auch mein Geburtstag in diese Zeit fiel, ist sicherlich kein Zufall. Ich wollte auch diesen nicht groß aufhängen. Ich wollte ihn auch nicht feiern. Ich wollte fast für mich allein darüber nachdenken, was es bedeutet, inzwischen "so alt" zu sein.

Und bis auf wenige Einkäufe verlasse ich auch gerade das Haus nicht wirklich. Ich bin privat wie nie. Was an Aufträgen reinkommt, erledige ich per Mail und Schüler werden abgewickelt wie immer. Nichts Neues wird angefangen und sonderlich gesprächig bin ich auch nicht. Es gab auch ein anderes Problem, das gerade meine volle Aufmerksamkeit verlangte: von jetzt auf gleich hatte Ludwig vor 3 Tagen einen epileptischen Anfall. Einfach so. Er fiel steif wie ein Brett zur Seite und hatte dann eine gute Minute lang Krämpfe. Die Augen waren nach hinten verdreht, er schäumte aus dem Maul und verlor Pipi auf den Boden. Für mich ein absoluter Schock. Ich konnte mir nicht erklären, was passiert war und rechnete irgendwie damit, dass er hier an Ort und Stelle sterben würde. Ich wählte die Nummer des Tierarztes mehrfach, aber dieser nahm nicht ab, dann wählte ich die Nummer meiner besseren Hälfte, der bei einem Arzttermin saß und ebenfalls nicht abnahm. Dann glaubte ich die Nummer des Tiernotrufs zu wählen, hatte aber irgendwie eine muntere Stimme des Roten Kreuzes dran.

Zitternd fing ich an dem Tierarzt auf WhatsApp zu schildern, was sich hier abspielte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Ludwig wieder zu sich, aber er schien mich nicht zu erkennen. Sein Fell stand senkrecht hoch und er starrte mich mit großen, kreisrunden Augen an. Dann knurrte er und begann an mir hochzuspringen. Für den Moment schloss ich ihn aus dem Haus aus, da ich nicht wusste, was ihm gerade so durch den Kopf ging und erst als er kurz danach laut zu winseln anfing, öffnete ich wieder die Tür und gab ihm schnell Wasser. Der Tierarzt schrieb mir zurück, dass ich jetzt vorbei kommen sollte und  so machte ich mich mit meinem winselnden Hund auf den Weg. Unsere Nerven lagen blank, es wurden Tests gemacht und Blut- und Urinproben entnommen. Dann bekam ich ein Rezept für Pipetten aufgeschrieben, die ich verabreichen sollte, wenn es erneut zu einem Anfall kommen würde. Kaum hatte ich diese tags darauf bei der Apotheke geholt, gab es den nächsten epileptischen Anfall, diesmal unter dem Esstisch. Seltsam, aber beim zweiten Mal schockierten mich die Krämpfe nicht mehr so. Meine bessere Hälfte, die diesmal ebenfalls Zeuge war, war hingegen völlig außer sich. Wir verabreichten in Windeseile die Pipetten und sahen, dass die den Anfall um etwa die Hälfte abkürzten. Diesmal war Ludwig nicht aggressiv im Anschluss, aber er konnte sich nicht auf den Beinen halten. Wie eine BSE-Kuh versuchte er um jeden Preis aufzustehen, fiel aber immer wieder auf den Boden und riss alles mit sich, was ihm irgendwie im Weg war. Irgendwie gelang es ihm dann die Treppe nach oben zu laufen und wir hörten nur wie er offensichtlich gegen alle Türen und Möbel lief, ehe ich ihm nacheilte um ihn wieder nach unten zu bringen. Ich dachte in dem Moment gar nicht daran, dass er die Treppe nicht schaffen würde und merkte es erst, als er mir wie ein nasser Sack in die Kniekehlen rutschte und dann an mir vorbei weiter die Treppe hinunter und in den Schuhschrank hinein. Nach und nach kam er wieder zu sich und erneut liefen wir zum Tierarzt um uns irgendeinen Rat zu holen.

Heute kamen dann die Ergebnisse: alle Organe und Werte schienen in Ordnung zu sein, unbekannt was den Kurzschluss im Gehirn ausgelöst haben könnte. Wir sollten ihn weiter beobachten und falls es nicht regelmäßig sei, würden wir bei den Pipetten für den Notfall bleiben. Wir haben sie seitdem immer bei uns, wenn wir das Haus verlassen und auch drinnen immer griffbereit. Seit 2 Tagen hat sich kein Anfall mehr ergeben, aber beruhigt sind wir noch lange nicht.



2 comments:

  1. Hunde sind die besten Freunde, sie bauen Stress ab, erhöhen das Gefühl der Sicherheit und Selbstwertgefühl. Sie ermutigen uns Teil eines aktiveren Lebens zu sein, sie lassen uns sozial werden und bringen uns zum Lachen. Ich hoffe, deinem Hund geht es jetzt besser.

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    1. Danke sehr, ja aktuell ist alles gut :)

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