Friday, March 10, 2017

Erstes Interview 2017...

...mit bestem Dank an Gabriella Parodi!!

Wieso schreibst du einen Blog?

Ich habe schon seit Ewigkeiten Tagebuch geschrieben (seit über 25 Jahren!) und deswegen ist es für mich eigentlich Gewohnheit über das, was so passiert, schriftlich zu berichten, auch wenn ein Tagebuch natürlich etwas Privates ist und ein Blog eine öffentliche Angelegenheit.


Wieso schreibst du einen Auswandererblog (im Vergleich zu anderen Blogthemen)?

Auf die Idee, einen Alltagsblog oder Hobbyblog zu schreiben, bin ich noch nicht gekommen, denn ich habe eigentlich kein Hobby, was sich auf diese Art und Weise festhalten lässt. Auf anderen Plattformen schreibe ich Updates zu anderen Themen, zB mein Sprachenlernen und welche Fortschritte ich dort gemacht habe, aber so wie ich es angehe, würde sich das nicht für einen Blog eignen und ich hätte auch zeitlich Mühe damit. Den Auswandererblog habe ich eigentlich gestartet, um Freunde, Kollegen und Bekannte auf dem Laufenden zu halten. Mit der Zeit haben sich dann andere regelmäßige Leser angeschlossen.


Wieso schreibst du deinen Blog auf Deutsch?

Ich habe vor Jahren auch einen Blog auf Englisch angefangen, aber am Ende gab es eigentlich nur deutsche Leser und die hatten oftmals Mühe mit einer englischen Fassung, also habe ich das sein lassen. Gerade sprachliche Begebenheiten, von denen ich immer mal wieder berichte, lassen sich auf Englisch nicht genau so rüberbringen.


Bist du mit einem bestimmten Ziel nach Italien gegangen?

Schwer zu sagen...eigentlich nicht. Ich bin zu meinem Partner gezogen, auf unbestimmte Zeit sozusagen. Aber ich hatte kein Ziel in dem Sinne, so etwas wie "ein Hotel übernehmen" oder "diesen oder jenen Auftrag auszuführen". Ich bin auch keinem bestimmten Jobangebot oder Rechercheauftrag gefolgt.


Wonach gehst du, wenn du einen neuen Blogeintrag schreibst?

Es ist ein Mix aus persönlichen Erlebnissen und kulturellen Erfahrungen. Je nachdem, was gerade so passiert ist. Manche Themen beschäftigen mich und dann mache ich mir einen Hinweis dazu, dass ich diese in einem Blogeintrag verarbeiten will. Manche Themen bleiben einige Wochen liegen, ehe es zu einem Beitrag kommt, andere fallen ganz weg. Manche fasse ich zu einem größeren Thema zusammen, andere werden Mehrteiler. Das ist wirklich sehr unterschiedlich. Hin und wieder berichte ich von meinem Alltag, aber da ich den eher unspektakulär finde, verzichte ich meistens darauf, es sei denn es gibt besonders viele Fragen zu diesem Thema. Viel Feedback bekomme ich zu Themen, die mein Leben als Deutsche in Italien betreffen. Das scheint viele Leser zu beschäftigen, die vielleicht selbst daran denken auszuwandern. Also Beiträge zu bürokratischen und kulturellen Themen, zur Sprache und Spracherwerb, meiner Integration und allgemeinen Geschehnissen im Land und in der Region.


Woran liegt es deiner Meinung nach, dass deine Auswanderung in der Quintessenz positiv/negativ ist?

Ich würde sagen, es ist in meinem Fall eindeutig positiv. Woran es liegt, weiß ich nicht mit absoluter Sicherheit. Ich sage eigentlich immer, dass es mir hilft, dass ich nie italophil gewesen bin. Ich war nie ein Italien-Fan. Ich glaube Fans egal wovon laufen Gefahr sehr schnell enttäuscht zu werden, denn fast nichts entspricht dem Bild, das sich ein Fan gemacht hat. Sei es ein Land, eine Person oder irgendetwas anderes. Italienfans glauben oft, dass ich hier im ewigen Urlaub sei. Und dass es mir ums Flirten oder ums Essen gegangen sei. Das ist recht oberflächlich gedacht und solche Beweggründe enden schnell im Alltagsschock, wenn man mit einer rosa-roten Brille ausgewandert ist.
Ich bin im Gegenteil vom Schlimmsten ausgegangen, da ich gerade meinen Job hingeworfen hatte und keine Ahnung hatte, wie es weitergehen sollte. Das war knallharte Realität und das in einer Zeit, in der man schon wusste, dass es wirtschaftlich in Italien nicht gerade rosig aussieht. Meine schlimmsten Befürchtungen haben sich aber nie bestätigt. Ich habe hart gearbeitet, mir Wissen angeeignet, mir einen Freundes- und Kundenkreis aufgebaut, die Sprache gelernt und Häuser renoviert, erst in der Toskana und dann in Genua. Es hat lange gedauert, bis ich erste Erfolge sah. ich glaube, wenn ich mit falschen Erwartungen nach Italien gegangen wäre, dann hätte ich nach wenigen Wochen hingeworfen. Realismus halte ich also für einen sehr wichtigen Faktor, wenn eine Auswanderung gut verlaufen soll. Und auch echten Willen sich zu integrieren. ich ärgere mich zB immer, wenn ich Auswanderer sehe, die meinen, sie müssten die Sprache des Landes nicht lernen. Oder die sich über alles beklagen. Man muss vorher genau überlegen, wieso man auswandern möchte und was genau man im anderen Land sucht. Und dann muss man die Ärmel hochkrempeln.


Hast du mehr Kontakt zu Deutschen oder zu Einheimischen?

Eindeutig zu Einheimischen. Ich hatte das Glück, dass mein Partner bereits einen Freundeskreis hatte, dem ich mich anschließen konnte. Und besonders seitdem wir in Genua wohnen, habe ich auch meine eigenen Zirkel auftun können und habe eigene Freunde und aber auch beruflich sehr viele Kontakte gefunden. Kontakt zu Deutschen suche ich nicht gezielt; ich musste sogar erst einmal nachdenken, ob ich überhaupt zu Deutschen Kontakt habe. Ich denke, seitdem ich mich sprachlich ausreichend ausdrücken kann, habe ich nicht mehr das Bedürfnis verspürt Landsleute um jeden Preis um mich zu haben.


Was waren deine größten Erfolge in Italien bisher?

Mhm, ein Highlight war bislang auf jeden Fall mein erster didaktischer Vortrag auf Italienisch vor Publikum. Und dass ich schon mal für einen Muttersprachler gehalten worden bin. Und dass ich mich zu Hause fühle und meistens spontan gar nicht sagen könnte, in welchem Land ich gerade bin. Vom Gefühl her bin ich einfach nur "zu Hause".


Vielen Dank für das Interview!

Danke an euch!



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