Wednesday, September 7, 2016

Ein Griff ins Klo...

Wie es immer so ist: in letzter Minute kommen die Katastrophen zusammen, völlig ungeahnt und sinnfrei. Da stand Übernachtungsbesuch ins Haus und mit ihm verbunden auch größere und kleinere Putz- und Aufräumaktionen. Alles war vorbereitet, alles eingekauft, sogar einige Sachen waren angeschafft worden, der Besuch konnte kommen. Ausgerechnet ein Toiletten-Stein hätte uns fast den Garaus gemacht und um ein Haar alles verhindert! Aus Faulheit hatte ich den neuen WC-Stein noch lange nach dem Putzen des Bades auf dem Boden liegen und "kam irgendwie nicht dazu" ihn durch ein simples Klick am seinen Einsatzort zu befestigen. Dort lag er also schön seit einiger Zeit als meine bessere Hälfte fragte, ob der denn nicht benutzt werden sollte. Klar, meinte ich, das mach ich noch. Schon hatte er den Stein mit seiner Plastikaufhängung in der Hand und fing an damit herumzuwurschteln. Das ist aber nicht so einfach, denn es gibt nur zwei Arten wie man ihn an der rutschigen Schale befestigen kann und ich sah es schon kommen, dass der Stein bei einem missglückten Versuch von uns gehen würde. Ich tat wie ich immer tue (das hörte ich danach - "Immer musst du dazwischenfunken...") und wollte den Stein in meinen Besitz bringen, um es gleich "richtig" zu machen. Bei dem daraus entstehenden Handgemenge kam wie es kommen musste. Das gute Stück entrutschte uns beiden und verschwand in den dunklen Tiefen des Toilettenabflusses. Weg war er! Ich wollte ja völlig furchtlos mit der Hand danach suchen - hier ging es schließlich um was! Aber meine bessere Hälfte fand die Idee zu eklig und sagte er würde etwas anderes versuchen. Im Rahmen des sich anschließenden Streits wessen Schuld es denn nun war, dass der Stein im Rohr gelandet war, verließ ich ohnehin den Ort des Dramas und wir sprachen kein Wort mehr darüber.
Der Abend und der folgende Morgen brachten unzählige Spülgänge mit sich und ich dachte mir auch nicht viel dabei, denn mit Sicherheit war der Stein inzwischen entfernt worden und das Problem immerhin gelöst. Bis zur erbosten Feststellung aus dem Bad: "Das Klo ist verstopft!!" Es stellte sich nun auch heraus, dass absolut niemand einen Versuch unternommen hatte den Toilettenstein überhaupt zu entfernen. Als hätte sich das Problem von selbst erledigt! Während ich anfangs mit meinem beherzten Eingreifen - im wahrsten Sinne des Wortes - noch alles hätte lösen können, war das Problem nun weitaus übler als je zuvor. Wer weiß, wo er festsaß! Ich sah uns schon die Wand aufstemmen und die ganze Kanalisation lang verfolgen und unzählige Kosten und Widerstände und den Besuch würden wir ausladen müssen, obwohl er bereits vor Genuas Toren stand. Jetzt griff ich tatsächlich in die Fluten, um zumindest zu erkunden, ob man den Stein denn noch irgendwie fühlen konnte. Nichts! Das Rohr ging gleich nach oben und was auch immer seinen Weg hier gemacht hatte, war nun inzwischen ganz woanders und verstopfte da den Betrieb. "Ich werde das Klo abmontieren!", übernahm meine bessere Hälfte die Lage. Na, Prost Mahlzeit, es würde die reinste Katastrophe geben und den Besuch könnte man tatsächlich vergessen. Abmontieren mag ja noch einfach gehen, aber das ganze wieder sicher anzubringen? Ich war dafür das einen Profi machen zu lassen und konsultierte schon Freunde, ob jemand jemanden kennt, der....gelbe Seiten, pfffff, nee die gibt es, aber so läuft das hier ja nicht. Man fragt herum, bis man einen empfohlen bekommt. "Vergiss es, unter 500€ macht das niemand, ich mach das selbst!" 500€, so ein Witz - es gibt so viele arbeitslose Handwerker überall, da genügt es auf Facebook jemanden zu suchen und in wenigen Minuten hätten sich eine Handvoll gemeldet, die gleich angerückt wären. 500€ tsssss, wir sind doch nicht in Deutschland!
Nun, in der Tat wurde die Schüssel während meiner strategisch sinnvollen Abwesenheit abmontiert, der Toilettenstein samt seiner Plastikhalterung tatsächlich gefunden, entfernt und das Ganze mit viel Gefluche und Gestöhne wieder abgebracht. Und hielt! Unglaublich! Von der Sauerei mal abgesehen, hatten wir tatsächlich die Situation gelöst und der Besuch konnte noch kommen!
An die Situation dachte ich vorgestern, als völlig aus dem Nichts heraus die Nachricht auf Facebook verbreitet wurde, es gäbe Arbeiten an der Wasserversorgung des Ortes und am Dienstag zwischen 8 und 16 Uhr würde es auf folgenden Straßen kein Wasser geben...wir waren dabei und die Aufregung war groß, wieso die Comune das nicht in Form von Stickern in der Straße angekündigt hatte, wie sie das sonst eigentlich tun. "Wann hätten wir davon in Erfahrung gesetzt werden sollen - wenn wir den Hahn aufdrehen und nichts mehr kommt?!" wurde auf Facebook geschimpft. Andere sagten, man sollte jetzt keine Zeit mit so etwas verschwenden, sondern sehen, dass wir uns auf die wasserlosen Stunden vorbereiten. Ich dachte an den Tag vor 2 Jahren, als an einem Morgen wirklich kein Wasser mehr aus dem Hahn gekommen war und wir waren nicht vorbereitet gewesen und hatten weder Wasser abgefüllt noch Wasser in Flaschen aus dem Supermarkt geholt. Nichts dergleichen. Und wie abhängig man vom Wasser ist, erfuhr ich dann durch schmerzliche Selbsterfahrung. Da meine bessere Hälfte versehentlich den Autoschlüssel eingepackt hatte, hatte ich sogar noch ohne fahrbaren Untersatz hier fest gesessen, mich ungewaschen in den nächsten Bus geworfen und das alles um ein 6er Pack Wasser im Supermarkt zu besorgen. In dem Moment hatte ich mir geschworen, dass mir so etwas nicht mehr passieren würde! Nicht nur hatten wir jetzt noch ein neues 6er Pack an Wasserflaschen im Vorratsregal, ich kochte sogar Tee vor, stellte die Waschmaschine an, spülte alles Geschirr, was irgendwie auch nur ansatzweise zu spülen war. füllte alle Näpfe randvoll und kochte Kichererbsen und Bohnen vor, die sonst eh nur noch weitere Tage lang im Kühlschrank vor sich hin geweicht wären. Außerdem füllte ich Glasflaschen voll mit Wasser und stellte gleich mehrere Liter davon ins Bad. Wer weiß, wie lange wir tatsächlich wasserlos bleiben würden. Lieber etwas zu gut vorbereitet als gar nicht! Am Dienstag dann wachte ich extra schon um 6 Uhr auf, stellte die Waschmaschine ein weiteres Mal an und erledigte alles was man so erledigen musste, ehe dann um 8 kein Tropfen mehr aus der Leitung kommen würde. "Schnell, schnell, duschen!" riss ich auch meine bessere Hälfte um Viertel vor 8 aus den Federn. Noch um 5 vor 8 kochte ich eine Kanne Kaffee und rieb mir die Hände! Jetzt konnte der Notstand kommen, egal! Es wurde 8 - und nichts passierte! In regelmäßigen Abständen kontrollierte ich die Hähne, aus denen das klare Wasser wie immer sprudelte. Auch um 9 noch nichts anderes. "Wasser läuft!", meldeten verschiedene Bewohner jetzt auf Facebook "Wann wird es abgestellt?!" - "Nur weil sie Arbeiten vornehmen, heißt es ja nicht, dass es zwingend überall abgestellt werden wird!", mischten sich andere ein. "Seid doch froh, wenn es fließt!"
Das Wasser floss den ganzen Tag! Ein Griff ins Klo, aber diesmal im übertragenen Sinne. Hatte die Comune ein falsches Datum herausgegeben? Würde uns das wasserlose Schicksal am Mittwoch ereilen? Ich hab die vollen Flaschen im Bad bis auf Weiteres neben der Toilette stehen...man weiß ja nie...



3 comments:

  1. Oh neeeeein, gut das ihr das Teil noch rausbekommen habt :O

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  2. Hallo,
    ich bin auf Ihre Seite gestoßen, da wir in unserem Haus in Monteggiori (Camaiore) gerade ebenfalls ein Problem mit der Toilette haben. Hinter dem Haus, unter der Terasse, befindet sich eine Kaverne, in die alle Hinterlassenschaften abfließen. Von dort sollen sie (planmäßig) in die Kanalisation gelangen. Scheinbar ist aber irgendwas vestopft (Gott weiß wie lange schon) und als ich Anfang April da war und oben mal rein geschaut habe, stand die Brühe bis Unterkante Oberlippe.
    Meine Frage nun: wissen Sie vielleicht, wer sich in Italien um so was kümmert? Wen man anrufen muss etc etc? Wir sind halt nicht dauerhaft vor Ort...
    Vielen Dank!
    Andreas Roselt

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    1. Hallo, leider bin ich da auch kein Experte, allerdings haben wir gute Erfahrungen mit örtlichen Facebook Gruppen gemacht, bei denen es immer wieder Leute gibt, die sich für alle möglichen handwerklichen Arbeiten anbieten. Es hat sich für uns bewährt in solchen Fällen das Problem zu schildern und dann meldet sich jemand, der weiß was zu tun ist. Wenn man da eine zuverlässige Person gefunden hat, auch ein Tuttofare, dann kann das beiden Seiten sehr gut helfen, denn viele reißen sich um solche Möglichkeiten, gerade bei der hohen Arbeitslosigkeit

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