Friday, August 19, 2016

No English please...

Ich hätte nicht gedacht, dass es mal so weit kommen könnte, aber: mich nervt die Menge an Englisch, die in diesem Haushalt gesprochen wird. Es klingt beinahe paranoid, denn wir haben von Anfang an immer Englisch gesprochen und es ist von jeher die Sprache gewesen, in der wir alles ausdrücken konnten. Aber es geht mir inzwischen auf den Geist. Zum Einen merke ich, wie mein Englisch laufend schlechter wird, obwohl ich es jeden Tag im Alltag verwende. Ich sage mal, es wird schlechter, WEIL ich es jeden Tag im Alltag verwende. Und es wird deswegen schlechter, weil keine Muttersprachler involviert sind. Es ist lediglich unsere Kommunikationssprache. Und das ist der zweite Punkt. Niemanden stört es, wenn wir etwas falsch aussprechen oder falsche Sätze zusammen biegen. Man wird nachlässiger und fauler. Und man hört ums Verrecken so viel Falsches, dass man inzwischen nicht mehr sagen kann, was wirklich korrekt ist und was nicht. Als Englischlehrer sollte es ein Leichtes sein zu korrigieren? Nicht, wenn ich einen Fehler zum tausendsten Mal gehört habe und eine falsche Aussprache zum tausendsten Mal in den Ohren habe. Man wird konditioniert, selbst wenn man es in der Vergangenheit mal besser wusste. Meine eigene Aussprache hat gelitten. Ich gebe mir keine große Mühe mehr. Neulich habe ich mich so erschreckt, als ich meinen Akzent hörte, selbst als eine muttersprachliche Kollegin mir noch weismachen wollte, dass man es nicht hört. Ich habe es selbst gehört und das war für mich der Moment zu sagen: No English, please! Bitte sprecht Italienisch mit mir! Ich kann es inzwischen, auch wenn ich mich nicht so umfassend ausdrücken kann wie auf Englisch. Englisch muss einfach meine Berufssprache bleiben, nicht aber Kommunikation im Alltag. Ist ja schön und gut, wenn es darum geht alles ausdrücken zu können, aber ich kann nicht riskieren, mein Level, das ich aus Berufsgründen brauche, zu verlieren und mich damit irgendwann als Englischlehrer selbst in Frage stellen muss. Erschwerend hinzu kommt der Aspekt, dass mich die Umgebung ohnehin in die Kategorie "Deutschlehrer" einsortiert hat. Zu 90% fragt man mich deswegen nach Deutschuntericht. Ob ich auch Englisch kann? Egal, ich bin ja keine Muttersprachlerin. Langsam merke ich, wie ich diese Wertung selbst übernehme und das ist eben der Punkt an dem es kritisch wird. Jetzt heißt es Englisch aus dem persönlichen Alltag zu verbannen und nebenbei wieder rigoros zu lernen. Auf Profiniveau, denn es muss mit meinem Deutschlevel konkurrieren, wenn ich mich weiterhin als Englischlehrerin vermarkten will.
Im Übrigen ist der Aspekt "Muttersprachler" nach wie vor nur bedingt eine Qualifikation in meinen Augen. Nicht nur bin ich dagegen, dass man jedem Muttersprachler automatisch eine Lehrbefähigung zuschreibt (wozu studiert man es sonst viele Jahre lang...), es ist auch nicht so, dass jeder Muttersprachler korrekt spricht. Und was das Wesentliche ist - darüber habe ich schon einmal in einem anderen Beitrag etwas geschrieben - auch jeder Muttersprachler wird von seiner Umgebung konditioniert. Es geht nicht anders. Eine Sprache ist nicht auf zellulärer Ebene in uns verankert. Wir können alles verlernen. Wir können sogar das Gespür für unsere Muttersprache verlieren. Auch ein Muttersprachler, der einen bestimmten Fehler tausend Mal gehört hat, beginnt zu zweifeln, wenn er ihn zum 1.001. Mal hört. Kann man das so sagen? Oder wie heißt das richtig? Wenn ich höre wie meine englischsprachige Kollegin nach 40 Jahren in Italien Wörter mit einem Konsonanten am Ende nicht mehr hart aussprechen kann oder einige Redewendungen 1:1 ins Englische übersetzt und dann MICH fragt, ob es das auf Englisch überhaupt gibt, dann fühle ich mich in all diesen Erkenntnissen nur bestätigt. Wenn wir nicht konstant an unserem Sprachlevel arbeiten - und das gilt auch für die Muttersprache - ist es mit der Fehlerlosigkeit bald dahin!
Deswegen no English, please! Parlatemi in italiano oder eben auf Deutsch...



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