Monday, January 25, 2016

Ma che casino...

Was für ein Jahr bislang! Ein seltsames, soviel ist sicher! Aus irgendwelchen Gründen komme ich nicht in Fahrt. Und der Januar ist fast schon vorbei! Zunächst einmal war ich von einem Tag auf den nächsten deprimiert. Richtig deprimiert. Richtig tief unten. So eine Depression habe ich schon seit Jahren nicht mehr gehabt. Hinzu kam, dass es gut eine Woche lang überhaupt nicht mehr hell wurde. Der Himmel war dunkelgrau morgens beim Aufstehen und blieb dunkelgrau, bis es dann am späten Nachmittag auch offiziell dunkel werden durfte. Keine Farbe, keine Sonne und kein Mensch in Sicht und das sieben lange Tage lang! Und kaum bin ich aus dem Gröbsten raus - moralisch gesehen - da bekomme ich nach über zwei Jahren zum ersten Mal wieder eine Erkältung. Das kannte ich überhaupt nicht mehr; war immer topfit gewesen. Gleich zehn Tage lang haben mich die Symptome ausgeknockt und ich war zur Passivität verdammt. Auf der einen Seite kam mir das ganz gelegen, denn ich war ja ohnehin unmotiviert. Keinerlei Aktivitäten hatten auch nur irgendeinen Reiz für mich, kein Projekt hat mich inspiriert. Ich habe meinen Unterricht abgesagt und habe TV geschaut - außer wenn ich gerade eine Runde mit dem Hund gedreht habe. Che barba! Che noia! Che palle!
Minimale Sparflamme was den Haushalt angeht. Fortschritte? Null! Ideen? Keine! Mit Elan ins neue Jahr? Von wegen! Am Ende der zweiten Woche war nicht nur der Frust gestiegen, ich hatte auch noch ganze drei Kilo zugenommen und nichts sah danach aus, als würde es bald besser werden.
Lösungen waren keine in Sicht, dafür häuften sich die Probleme. Zunächst einmal hatte mein Laptop den Geist aufgegeben. Ein neuer musste her, da ließ sich nichts dran drehen. Dann haben wir mit viel Mühe meine alten Dateien halbwegs retten können. Es dauerte aber Stunden und war mit viel Streit verbunden. In dieser Phase zerstörte ich auch versehentlich das Smartphone meiner besseren Hälfte! Aaaaaargh! Ein neues musste her, egal wie, also eine weitere größere Ausgabe! Und damit nicht genug, auch die Motorradreifen mussten dringend ausgetauscht werden, kaum dass die Straßen rutschig wurden. Ja, perfekt, alles wunderbar! Dann entstand von jetzt auf gleich ein Erziehungsproblem mit dem Hund. Nach fast 4 Jahren! Das hat mich glatt wieder völlig aus der Bahn geworfen. So etwas fehlte gerade noch nach schlechtem Wetter, Depression, Erkältung und Ausgaben über Ausgaben. Die politische Lage der Welt macht auch nicht gerade Hoffnung und sorgt nicht dafür, dass man optimistisch bleibt oder irgendeinen Sinn im alltäglichen Tun sieht. Und wäre ich die Einzige, ginge das ja noch. Aber nein, ich bin von deprimierten Menschen nur so umgeben.
Ein Freund hatte mich in den letzten Stunden immerhin soweit moralisch aufgebaut, dass ich endlich mal wieder etwas anpacken wollte...zumindest in Ansätzen...eventuell...einen Moment lang. Ich würde nach fast zwei Wochen dann doch mal den Ort verlassen und mit dem Auto Richtung Meer fahren um mit meiner besseren Hälfte eine Pizza zu essen. Immerhin ist das Wetter seit einigen Tagen wieder schön. Ich würde topmotiviert da raus gehen als hätte ich die letzten Wochen nichts anderes getan. Und mit Schwung und Motivation den Tag - Pustekuchen! Was konnte jetzt noch passieren? Richtig, Hundesohn Ludwig brach in seiner Begeisterung über den Ausflug den Haustürschlüssel ab. Der im Schloss steckte...und jetzt sowohl im Schloss steckt als auch in meiner Handtasche liegt. Am liebsten hätte ich geheult. Aber was tun? Ludwig abmurksen? Die Idee kam mir. Aus Wut etwas gegen die Wand schmettern? Zum Beispiel ein Smartphone? Nee, zu teuer. Bessere Hälfte anrufen, sagen was passiert ist und dann beleidigt zu Hause bleiben? Nein, dann säße ich ja immer noch im Haus fest. Ich packte also das unerzogene Hundevieh ein, warf wehrlos auf dem Parkplatz stehenden Leuten einen grimmigen Blick zu und fuhr dann randvoll angefressen in die Stadt. Unterwegs simste ich an jeder Ampel noch demselben Freund, der mich zuvor aufgebaut hatte. Siehst du, siehst du, kaum will ich was anpacken, gibt es die nächste Katastrophe! Ende, aus, alles scheiße! Hinter mir hupte es, weil ich nicht gleich bei grün losgefahren war und als der Kerl vorbeifuhr, schrie ich ihm noch eine derbe Beleidigung ins offene Fenster. Ludwig knurrte derweil auf der anderen Seite einen Rüden an, der harmlos auf dem Bürgersteig Gassi geführt wurde. Tsss, was für ein aggressives Gespann wir waren, ich konnte es selbst nicht glauben. "Lass die Wut einfach los und stop overthinking!" schrieb der Freund zurück. Okay, okay, ich wusste es ja eigentlich besser. Und mit viel Konzentration auf die guten Dinge konnte ich mich an den eigenen Haaren aus dem Mist befreien. Hey, eigentlich gab es allen Grund gut gelaunt zu sein. Hatte ich den schönen Nachmittag mit Punsch vergessen, bei dem wir außerdem unbekannte Teile der Stadt erkundet haben? Oder den Kauf des tollen neuen Oberbetts? Oder den Großeinkauf im Tierparadies, bei dem Ludwig neben anderen Dingen einen neuen Wintermantel bekommen hat? Oder dass wir endlich die Scheidungsunterlagen bekommen haben? Oder die vielen neuen Triebe auf dem Terreno? Oder die ganze Reihe an Küchenutensilien, die ich mir geleistet habe? Nach der Pizza sprang ich deswegen auf dem Rückweg noch in den Supermarkt und kaufte alles ein, was ich glaubte zu brauchen um ein neues und selbst entwickeltes Rezept zu probieren: Lebkuchenkonfekt. So völlig im Backeifer und den Geruch von Rum in der Nase, war auch endlich wieder die Begeisterung zurückgekehrt...




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