Sunday, December 20, 2015

Um genau zu sein...

...muss ich wohl noch etwas ausholen. Ich war schier überwältigt vom regen Interesse an der ins Unreine gedachte und geschriebene "Quintessenz des Jahres"-Beitrags. So richtig war der Jahresabschluss ja noch gar nicht gemacht worden und ich wollte ja eigentlich nur meine momentanen Gefühle knapp zusammenfassen. Aber 12 Kommentare und 5 Mails nur zu diesem einen Beitrag kann ich unmöglich ignorieren. Zunächst einmal natürlich vielen lieben Dank für all diese Rückmeldungen!! Ich freue mich sehr, dass einige tatsächlich meine Projekte und mein Vorankommen verfolgen und sich inspiriert fühlen. Mehrfach haben mich Leser gefragt, ob ich Tipps für eine Jahresliste geben könnte. Ich tu das grundsätzlich gerne, allerdings wäre das vielleicht mehr ein Inhalt, der in meinen Coaching-Blog passt. Der ist noch nicht online, ich weiß, aber ich hoffe, dass ich ihn bald überzeugend genug finde um ihn online zu stellen. Wer im Detail eine Frage hat, kann mich natürlich aber gerne anschreiben, dann kann ich individuell etwas zum Thema sagen.
Nun aber zu den vielen Fragen, die sich angesammelt haben: Prozentzahlen hin oder her, für mich ist 2015 ein überaus erfolgreiches Jahr gewesen. Etwa 60% meiner Ziele habe ich umsetzen können. Einige wichtige Projekte habe ich leider nicht umgesetzt, das finde ich auch schade, aber es ist nicht so, dass ich wertvolle Zeit ungenutzt gelassen hätte. Ich hatte mir einfach zu viel vorgenommen. Darunter waren auch viele theoretische Projekte, z.B. will ich eventuell irgendwann einen Schein als Stadtführer machen. Das war aber kein ernstes Ziel für 2015 und ist deswegen auch nicht einmal richtig angedacht worden. Zählen tut es dennoch in der Liste. Und ich hatte mir das Ziel überlegt wieder in die Toskana zu ziehen. Das ist für den Moment jedoch illusorisch und aktuell nicht einmal wirklich erwünscht. Theoretisch ja, aber dazu müssten einige Dinge vorher erreicht sein, die noch nicht einmal am Horizont aufgetaucht sind. Ich hätte auch gerne wieder Liköre selbst hergestellt, jedoch fehlen dazu noch die nötigen Pflanzen mit der nötigen Ernte. Ein schönes Ziel, aber kein wichtiges. Und so sehen diverse Punkte der Liste aus. Sie wären theoretisch wünschenswert gewesen, aber faktisch nicht umsetzbar, nicht wichtig oder nicht MEHR wichtig.
Dann haben wir natürlich auch noch eine Reihe an Projekten, die mir am Herzen gelegen hätten, aber die aus den verschiedensten Gründen nicht abgeschlossen werden konnten. Beispielsweise habe ich mich dieses Jahr so sehr auf Italienisch und Englisch gestürzt, dass ich für meine anderen Sprachlernprojekte - Französisch und Niederländisch - keine Zeit gefunden habe. Das ist sehr schade, aber ich gebe zu, dass es wichtiger war, was ich für Englisch und Italienisch getan habe, deswegen mache ich mir keinen wirklichen Vorwurf. Dennoch sind auf dem Papier nur 50% der Sprachziele erreicht. Hätte ich es ahnen können? Ich glaube nicht, denn im Jahr zuvor hatte ich all meine Sprachziele locker erreicht. Was ich nicht ahnen konnte - was ich mir nicht einmal hätte träumen können - war, dass die Schwiegereltern wirklich ausgezogen sind. Das war ein großes Jahresziel gewesen, aber es folgte auch eine umfangreiche Renovierung, die nicht stattgefunden hätte mit den Schwiegereltern im Haus. Und es dauerte am Ende länger als ich gedacht hätte, denn viele Ideen entstehen erst während der Arbeit. Nicht zu vergessen, dass man viele Renovierungspunkte überhaupt erst sieht, sobald man mal den Lack abgekratzt hat...
Ich nehme es mir allerdings übel, dass ich an meinen Schreibprojekten kaum vorangekommen bin. Wie viel habe ich da überhaupt erreicht - 15-20%? Tatsache auch, dass es sich hierbei um meine größten Angstprojekte handelte. Hand aufs Herz, hier hatte ich die größten Bedenken und habe mich gerne immer wieder entmutigen lassen. So sehr, dass ich erst einmal "alles andere" erledigen wollte und am Ende ist das Jahr rum und man hat seine Ziele nicht erreicht. Menschlich verständlich, aber unprofessionell. Das ärgert mich natürlich. Aber habe ich daraus gelernt? Vielleicht zu einem gewissen Grad. Zum Einen bin ich langsamer als ich gedacht habe. Ich hatte einige energiereiche Phasen, in denen ich viel Arbeit wegschaffen konnte und dann aber auch wieder elende Durststrecken, in denen ich wie durch Gelee gewatet bin. Deswegen sollte ich meine nächste Jahresliste mit Prioritäten versehen. Einige Projekte müssen einfach durch, komme was wolle. Und einige sollten zu "möglich aber nicht essentiell" degradiert werden. Ich muss die Dinge anders gewichten um am Ende auf ein subjektives Gefühl von 100% Erreichtem kommen zu können. Das gilt es 2016 umzusetzen. Ich habe allerdings aufgrund dieser Hürden auch sehr viel mentale Aufräumarbeiten vornehmen können. Noch nie hatte ich mich jemals so viel mit spirituellen Themen beschäftigt wie in diesem Jahr. Ich hatte davon schlicht und ergreifend vorher noch nie etwas gehört. Und ich habe ganze Wochen diesen unbekannten Themen gewidmet und dabei meinen persönlichen Horizont so sehr erweitert, dass ich mich wirklich unglaublich weiterentwickeln konnte. Als Mensch gesehen. Ich habe zahlreiche Seminare besucht, an Onlinekonferenzen teilgenommen, habe meditiert, mich hypnotisieren lassen und gelernt, gelernt, gelernt. Lernen kann man von außen nicht sehen, man kann niemandem beweisen, dass man sich so weiterentwickelt hat, es sei denn ich kann mein Wissen hier und da zum Besten geben. Grundsätzlich ernte ich allerdings viel Unverständnis dafür, dass ich lerne. "Du solltest doch ANDEREN etwas beibringen und nicht dir selbst, du bist doch kein Schüler mehr!" Sehe ich ganz anders; wir sind natürlich ewige Schüler und wer glaubt er hätte nichts mehr zu lernen, der liegt falsch, ganz egal wie viel er schon weiß. Ich habe aber auch gelernt, dass man nicht versuchen soll, andere zu überzeugen. Wer die Dinge anders sehen will, der bleibt dabei, egal wie gut oder schlecht die eigenen Argumente sind. Deswegen dränge ich meine Meinung niemandem mehr auf. Genauso wie ich niemanden gegen seinen Willen unterrichte. Dieser Lernzuwachs hat wohl den größten Unterschied in diesem Jahr gemacht. Er lässt alle anderen sichtbaren Erfolge auf Erbsengröße zusammenschrumpfen, denn nichts ist so mächtig wie eine Weiterentwicklung auf geistiger Ebene, auch wenn sie nicht von außen sichtbar ist.
Viele haben mich auch zum Thema Integration befragt. In der Hauptsache war der Unterschied zu den Vorjahren, dass ich raus gegangen bin und anfing mit den Leuten direkt zu interagieren. Ich bin in einen Integrationskurs gegangen, durch den ich unglaublich viele Menschen kennengelernt habe. Er hat mich in das kulturelle Leben vor Ort eingebunden und in dessen Folge habe ich meinen ersten Vortrag auf Italienisch gehalten und an einer kulturellen Ausstellung mitgewirkt. Jedes Mal lernte ich weitere Menschen kennen, die zu Freunden, Bekannten, Schülern, Kollegen oder Klienten wurden. Das war meine Integration. Ich fühlte mich mehr als Teil der Umgebung und mehr zu Hause. Das ist sehr wichtig für jeden im Ausland, der vor dieser Barriere steht nicht dazu zu gehören.
Mi fermo qui, auch wenn ich nicht auf alle Nachfragen eingehen konnte. Ich verspreche demnächst noch auf die fehlenden Punkte einzugehen...




3 comments:

  1. Wie immer sympathisch ehrlich! Danke für die Erklärungen und schöne Feiertage!
    D.Mann

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  2. Glückwunsch! Wie ich schon sagte: sei stolz auf das erreichte!
    LG Carolin =)

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  3. Danke!! Hat mir jetzt schon geholfen, aber ich hätte noch ein paar weitere Fragen und schreib dich dann noch einmal an. Immer noch zur Integration, die macht mir einfach Sorgen!
    VG Ruth
    P.S. Schöne Feiertage dir und deinen Lieben

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