Tuesday, December 1, 2015

November Fragen II

- "Wie machst du das, wenn du nach Deutschland kommst, musst du dich erst eingewöhnen oder ist das gleich da? Und andersherum wenn du wieder nach Italien gehst, bist du dann gleich zuhaus?"

Gute Frage! Also ich brauche an beiden Orten immer etwa einen ganzen Tag, um mich wieder heimisch zu fühlen. Immer wenn ich ankomme, denke ich, dass ich mich nie eingewöhnen werde, weil beide Orte immer wieder fremd sind, wenn ich erst ankomme. Und dann geht es jedes Mal recht schnell, sobald 24 Stunden vorbei sind. Das ist dann immer der Moment, an dem ich bleiben will. Das ist total seltsam: ich komme an und frage mich, was ich an dem Ort eigentlich zu suchen habe, egal ob das Deutschland oder Italien ist. Und ich würde am liebsten gleich wieder gehen. Und kaum, dass ich mich sozusagen wieder erinnere, wie es an dem Ort immer gewesen ist, will ich bleiben. Und will nicht wieder an den Ort, von dem ich gerade kam.
Inzwischen sage ich mir bei jeder Abreise, dass ich diesen Moment des nicht Wegwollens genau im Gehirn abspeichern muss, denn kaum bin ich einmal weg, erinnere ich mich nicht mehr an diesen Moment, und will stattdessen am anderen Ort bleiben, an dem ich mich dann aufhalte. Und kaum komme ich zurück, kommt mir alles wieder fremd vor.
Anfangs fand ich es sehr schwer damit umzugehen. Inzwischen aber sehe ich es als "blessing" an. Es ist doch gut da sein zu wollen, wo man gerade ist. Und es ist noch besser zu wissen, dass man sich immer wieder eingewöhnt und dann nicht weg will, kaum, dass man 24 Stunden am Ort verbracht hat. Ich kann mich jetzt darauf verlassen, dass es jedes Mal so sein wird. Das nimmt viel Druck weg. Ich bin an zwei Orten zu Hause, das ist toll.
Es ist aber fast erschreckend, dass ich in einem Moment noch nicht abfahren will und mich dann im nächsten Moment nicht mehr an den Aufenthalt erinnern kann. Das ist wirklich so. Wenn ich zB aus Italien nicht weg will, dann erlebe ich intensiv, was ich an dem Abreisetag noch alles gemacht habe, zB durch die Stadt zum Bahnhof gelaufen oder ich war noch an der Promenade und dann später im Zug und da habe ich womöglich mit Leuten geredet und dann war ich in Pisa oder was auch immer ich gemacht habe. Und ich vermisse alles schon, sobald ich unterwegs bin. Und dann wache ich am nächsten Tag in Deutschland auf und das Erlebte in Italien verblasst zunehmend. Es ist nicht mehr greifbar. Total verrückt! In dem Moment habe ich mich dann in Deutschland eingewöhnt.
Dasselbe passiert dann auf dem Rückweg. Die Unternehmungen mit meinen Eltern sind plastisch, solange ich auf der Reise bin. Sobald ich in Italien aufwache, hat mich der Alltag wieder und ich vergesse, wie es in Deutschland gewesen ist.
Vielleicht kann ich das den Entfremdungseffekt eines Auswanderers nennen. Zumindest aber ist es meine eigene etwas verstörende Erfahrung, die aber am Ende des Tages sehr viel Gutes mit sich bringt. In der Tat würde es mich interessieren, wie es anderen Auswanderern da geht. Ob noch jemand den Wechsel zwischen zwei Wohnorten so erlebt wie ich oder ob andere ganz klar in Deutschland nur zu Besuch sind.
Grundsätzlich brauche ich alltägliche Handlungen an jedem Ort, um mit der Umgebung wieder in Kontakt zu treten. Ich packe meinen Koffer aus, schaue in die Schränke, koche etwas, spüle Geschirr, fasse soviel an wie möglich, stelle den Fernseher an, wundere mich über die Sprache, kaufe am besten noch im Supermarkt ein und schließe meinen Laptop gleich an ans Stromnetz an. Und dann lasse ich die ersten befremdlichen Stunden einfach ins Land ziehen ;)



No comments:

Post a Comment