Thursday, October 8, 2015

Ins kalte Wasser geworfen...

Und zum zweiten Mal in diesem Jahr hatte sich meine bessere Hälfte aus dem Staub gemacht und mehrere Tage aus beruflichen Gründen in Übersee befunden. Das hieß für mich mal wieder viel Zeit allein, viel Zeit zu arbeiten, aber auch alles Anstehende allein meistern zu müssen. Und das ging sofort los.Was für Andere Peanuts sind, waren für mich gleich mehrere kleinere und größere Herausforderungen: zunächst einmal musste ich ihn nachts um 4 zum Flughafen bringen. Unbekannte Strecke, Autobahn dabei, kein GPS im Handy, würde der Telepass funktionieren? Ich schaffte es! Deutsch wie ich bin, hatte ich mir die komplette Strecke in all ihren Einzelheiten vorher auf google maps angeschaut und die zentralen Abfahrten oder kritische Stellen von streetview abfotografiert und alles ausgedruckt. Einige, die das sahen, haben hysterisch gelacht, aber hey - besser zu gut vorbereitet als gar nicht vorbereitet, nicht wahr? Am Ende hatte ich noch das TomTom des Motorrads bekommen, allerdings war ich froh darauf nicht angewiesen zu sein, denn mehrfach kam mittendrin "ricalcolo - ricalcolo - ricalcolo" und das immer im dicksten Verkehrschaos. Dank meiner eigenen Vorbereitung "kannte" ich schließlich tatsächlich die Strecke und merkte in der Tat jetzt bei meinem zweiten Trip, dass sie mir bereits vertraut war! Was für ein persönlicher Fortschritt! Also, ich fuhr zum Flughafen und der Telepass spielte gut mit und ich fuhr allein mit Hund wieder nach Hause, machte um 5 dann meine erste Hundetour und war dann so motiviert, dass ich gleich wach blieb und mich an die Arbeit setzte. Nur kurze Zeit später fand ich eine Zecke im Fell meines haarigen Kindes. Na toll, soviel zum Zeckenhalsband! Wollte ich nicht zum Tierarzt gehen, musste ich das Ding selbst entfernen, also mutig rangegangen, denn bislang hatte ich es vorgezogen, dass sich Leute darum kümmerten, die Erfahrung mit Zeckenentfernung hatten. In nur zehn Sekunden hatte ich den Fall tatsächlich zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst, denn die Zecke war noch intakt, Kopf war noch dran und konnte entsorgt werden. Puh!
Ich wusste, das würde noch nicht alles sein. Nur einen Tag später kam die Nachricht, dass am nächsten Morgen das neue Modem seinen Dienst starten müsste. Oh Gott! Niiiemals würde ich es hinbekommen die Modems auszutauschen, geschweige denn wirklich zum Laufen zu bekommen. Ich würde ohne Internet und ohne Telefon sein und hier elendig zugrunde gehen! Vorsichtshalber druckte ich mir alle Arbeitsmaterialien für die kommenden Tage aus und kündigte schon mal überall an, dass ich vermutlich nicht mehr erreichbar sein würde. Der nächste Tag kam, Internet war weg, das Telefon tot. Okay...ich tat so, als wüsste ich was ich tue, nahm das neue Modem aus seiner Box und fing an zu stöpseln. Keiner war mehr überrascht als ich, dass nach nur zehn Minuten alles wieder am Laufen war. Das war ja einfach! Prompt schickte ich meiner besseren Hälfte eine Nachricht auf Facebook, die ihn nachts um 4 aus dem Schlaf holte: "Rate mal, wer hier gerade mit dem neuen Modem im Internet ist.." - Der war vielleicht froh! Ganz narrisch war er vor Freude! Er hatte geglaubt es sei irgendetwas Dramatisches passiert, wenn nachts um 4 eine Nachricht kommt und bat mich solche Banalitäten beim nächsten Mal erst am Morgen zu senden. Tssss, Banalität, ich fühlte mich wie ein erfahrener Techniker, immerhin hatte ich das Internet wieder zum Laufen gebracht!
Nun, nicht ganz - tags darauf war die Verbindung wieder weg. Besorgt rannte ich zum Laptop um zu schauen, weshalb nichts mehr funktionierte. Eine freundliche Willkommensseite meldete mir, dass ich nun mit Fastweb unterwegs sei und mich registrieren sollte. Schwitz! Der Stresspegel stieg sofort an, denn hier wurden einige Begriffe verwendet, die ich noch nie gesehen hatte. Und da das Internet nicht ging, musste ich in meinem alten Wörterbuch nachschlagen, wo die Begriffe natürlich nicht drin standen. Krampfhaft durchwühlte ich alle möglichen Briefe der letzten Zeit, um herauszufinden, was genau ich angeben musste. Als ich die möglicherweise passenden Daten schließlich zur Hand hatte, drückte ich auf "Registrieren" und wartete einige endlose Minuten ab, wie es nun weitergehen würde. Yessss, die Verbindung stand wieder. Hurra! Die nächste Herausforderung war gemeistert. In den kommenden Stunden stellte ich mich noch den unbekannten Aufgaben das Motorrad aufzuladen und ein völlig neues Seminar zu unterrichten, den Hund zu kurieren, der sich den Magen verdorben hatte und die Gartenmöbel zum ersten Mal auseinander zu bauen, zu putzen und für den Winter wegzupacken. Dann war aber auch erstmal gut! Ich wünschte mir für die restliche Zeit dann wieder Business as usual und fand, dass ich mich für diese Tage erst mal genug Herausforderungen gestellt hatte. Denn entscheidend ist ja nicht, WELCHE Herausforderungen es sind - denn was für den einen banal ist, ist für den nächsten eine riesen Sache - sondern DASS man sich der Hürde stellt und sie überwindet. Und da ich am Ende des Alleinseins auch noch einen guten Deal abschließen konnte, teilte ich meinem Hund Ludwig mit, dass wir jetzt feiern würden. Wir fuhren zum Supermarkt und dann gab es für ihn ein riesiges Steak und für mich eine Flasche Champagner! Das hatten wir uns verdient... :)



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