Friday, October 16, 2015

Back to school...

Passend jetzt zum neuen Schuljahr habe ich mich entschlossen in einen Englischkurs zu gehen. Konversation. Das sorgte für den allgemeinen Aufschrei: "Waaaas? Wiesoooo? Warum duuuu? Wolltest du den Kurs nicht sogar selbst leiten?" Das ist richtig. Aber es gibt gleich eine ganze Reihe von guten Gründen dennoch in den Kurs zu gehen. Zum Einen wird er von einer Muttersprachlerin gehalten. Wann hatte ich das letzte Mal die Gelegenheit von einer Muttersprachlerin zu lernen? Das ist auf jeden Fall über zehn Jahre her und war an der Uni. Ich kann also in gewisser Weise meine eigenen Sprachbatterien aufladen und muss mir nicht laufend Gedanken machen, ob das, was ich höre, tatsächlich richtig ist oder nicht. Und ich sehe einen anderen Sprachlehrer in Aktion - auch das ist profitabel, denn lernen tut man dadurch ebenfalls - im schlimmsten Fall sehe ich dabei wie man es nicht tun sollte. Und last but not least geht es um Kontakte in all ihren Formen: es ist nicht von Nachteil andere Lehrer zu kennen, denn es ergeben sich immer mal wieder Situationen, in denen diese Personen sich an einen erinnern und beispielsweise Kooperationen starten oder Bedarf haben, den man decken kann. Selbst nach meinem italienischen Vortrag über Martin Luther, den ich im Mai im Kulturzentrum gehalten hatte, kamen die Leute auf mich zu und hatten diverse Anliegen. Das ist auch meine Antwort auf die teils sehr skeptische Frage gewesen, weshalb ich mir bloß die Mühe gemacht hätte diesen völlig fachfremden Vortrag vorzubereiten und mich dort hinzustellen. Um Kunden zu finden, muss man bekannt sein, also stellt man sich eben auch hin und hält einen Vortrag über ein Thema, von dem man bis dato keine Ahnung gehabt hat. Und aus dem gleichen Grund macht es Sinn sich Schülern vorzustellen, die aktuell von jemand anderem unterrichtet werden. Natürlich kam es wie es kommen musste und ich wurde schnell in den Unterricht eingebunden, die anderen Schüler fingen an sich von mir helfen zu lassen, fragten nach Vokabeln und Grammatik und die Lehrerin war froh, dass ihr jemand half und auch, dass sie sich endlich in ihrer Muttersprache unterhalten konnte. Denn in der Tat ist das Level des Kurses nicht sonderlich hoch, aber davon war auszugehen gewesen. Dennoch habe ich noch in der ersten Stunde eine neue Vokabel gelernt und war rundherum froh Geld in diesen Kurs investiert zu haben. Man lernt nie aus und sollte vor allen Dingen nicht davon ausgehen, dass man alles schon weiß, nur weil man ein Fach auch selbst unterrichtet.
Ein Punkt ist leider auch wahr: je mehr man unterrichtet, desto schlechter wird man mit der Sprache. Im Allgemeinen wird das Gegenteil vermutet. Aber es ist ein ganz simples Prinzip: Schüler jeglicher Art präsentieren einem Fehler, auf die man selbst nie gekommen wäre. Und wenn man einen Fehler dreißig Mal gehört hat, wer kann dann noch sagen, ob es ein Fehler ist oder nicht? Je öfter man etwas hört, desto eher gewöhnt man sich dran. Das ist das Schlimme. Und was man sicher wusste, wird teils überlagert von einer Vielzahl an Wiederholungen des selben Fehlers, so lange, bis man sich irgendwann selbst dabei ertappt den Fehler verwendet zu haben und sich nicht einmal dessen bewusst wird. Genau aus dem Grund wollte ich unbedingt mit einer Muttersprachlerin reden. Ich wollte endlich mal nicht mit Fehlern zu tun haben. Aber das Erschreckende war: auch eine Muttersprachlerin ist nach dreißig Jahren im Land nicht mehr firm in ihrer eigenen Sprache. Sowohl ihre Aussprache hatte eine leichte italienische Färbung und sie selbst stellte fest, dass sie in der Stunde Ausdrücke verwendet hatte, die sie 1:1 aus dem Italienischen übernommen hatte und die es im Englischen so nicht gibt. Nur um dann noch zu ergänzen, dass unsere Sprachen inzwischen allesamt kontaminiert seien von allen fremdsprachlichen Einflüssen, die tagtäglich wirken. Jeder neue Lerner schleppt neue Fehler in die Sprache, die andere übernehmen, bis sie irgendwann kaum noch als Fehler zu erkennen sind. Das ist wohl einfach so...
Dennoch versuche ich den Kopf nicht in den Sand zu stecken und kämpfe hart dafür mein eigenes Sprachlevel irgendwie zu halten indem mich immer wieder in muttersprachliche Gesellschaft begebe, deren Fehlerwahrscheinlichkeit immer noch weit unter meiner eigenen liegt. Mehr als das geht einfach nicht...



13 comments:

  1. Das sind interessante Einblicke. Die Problematik hatte ich noch nie bedacht, aber es hört sich logisch an. Ich bin aber kein Sparchenlehrer, aber ich spreche selbst auch 3 Sprachen.
    LG aus Eschwege

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  2. Ich unterrichte nur meine Muttersprache. Bislang hat sich noch kein Fehler bei mir festgesetzt, aber ich habe erst vor einem Jahr damit angefangen. Nach 30 Jahren kann das ganz anders aussehen, gerade wenn man das Land verlassen hat.
    Interessanter Artikel, danke!

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  3. Faszinierende Einblicke, danke :)
    Petra

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  4. Ich lese deinen Blog schon eine ganze Weile. Das Phänomen kenne ich auch von mir selbst, ich gebe Spanischunterricht seit mehreren Jahren und seit Kurzem auch Französisch und Portugiesisch. Bin mir sehr sicher, daß mein Spanisch früher besser war und wieso? Weil ich zu oft mit Fehlern zu tun hab, genau wie du sagst. Das mit den Muttersprachlern ist auch mein Lösungsansatz, ich bin nach Madrid gezogen um mein Spanisch aufzupolieren. Und Freunde von mir sagten mir mein Akzent wär jetzt stärker als früher. Und das ist MIR jetzt nicht vorher aufgefallen.

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  5. Interessant, danke Frank! Das mit dem Akzent kenne ich auch. Ich denke auch, dass diese Problematik dazu gehört.

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  6. Oh das war spannend =)
    VG
    Margitta

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  7. Schöner Artikel!

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  8. Einen schönen Blog hast du da! Ich schaue garantiert häufiger vorbei!
    glg aus Neapel!
    Anna

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  9. Ich kenne das Phänomen auch!

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  10. Total schöner Blog! <3
    LG

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  11. Das wußte ich gar nicht. Spannend :)
    Bis bald

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  12. Ich les deinen Blog so gerne. Er läßt mich Träumen
    Liebe Grüsse aus Frankfurt, Sabrina

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