Tuesday, September 8, 2015

Wenn nur das wilde Tier nicht käm...

...kennt ihr das Lied aus dem Kindergarten? "Wir wollen mal spazieren gehn, in unsrem schönen Garten, wenn nur das wilde Tier nicht käm, wir wolln nicht länger warten..." Tja, also wir haben das wilde Tier längst im Garten, ein Wildschweintier, um genau zu sein. Und das ist mehr als gruselig, denn nachts ist das Terreno dunkel, seeeehr dunkel. Und kaum einsehbar.
Neulich fehlte an einem unserer kleineren Feigenbäume ein großer Ast, einer von drei, die der Baum überhaupt hat. Er hing schlapp herunter und war fast komplett durchgetrennt. Andere kleinere Äste lagen abgebrochen daneben. Ich tippte ja auf einen Racheakt von irgendwelchen Nachbarn - auch das noch am besagten bekloppten Vollmondtag! Und das Rankgitter, das ich durch die halbe Stadt den Berg hinauf zu uns getragen hatte, das sollte den einen offenen Eingang zum Terreno ein für alle Mal absperren. Also war ich doppelt erfreut darüber, dass ich mich überwunden hatte, denn keinen Tag länger sollte jedermann frei hier auf unserem Terreno herumlaufen können und wahllos Pflanzen beschädigen.
Doch als wir noch gemeinschaftlich dabei waren das Gitter zu setzen, winkte uns ein Nachbar zu. "Sie waren wieder da und haben gewütet!" - "Wer war es? Kennt man sie?" - "Die Wildschweine! Bei mir haben sie auch zig Äste von den Bäumen gerissen!" In der Tat. Offenbar richteten sich die Viecher an den Bäumen auf um an jegliches Obst heranzukommen. Also doch kein Racheakt, bloß Mutter Natur? Nun, jetzt hatten wir den Eingang zugemacht, vielleicht gerade noch rechtzeitig, ehe sämtliche Pflanzen den Schweinen zum Opfer fallen konnten.
Zwei Nächte lang lief alles gut. Niemand hatte sich am Gitter zu schaffen gemacht, kein Baum war weiter beschädigt und keine Wühlspuren waren zu sehen. Wir wähnten uns schon in Sicherheit. Am dritten Morgen jedoch fehlte der zweite von den ursprünglichen drei dicken Ästen des Feigenbaumes. Er lag abgenagt auf dem Boden, neben diversen kleineren Ästchen, die an verschiedenen Stellen abgerissen worden waren. Das gab's doch nicht! Das Gitter war unbeschädigt, das Schloss intakt, von der Straße also war niemand hier hereingekommen. Dann sahen wir das große Loch im Zaun zum Nachbarn! Ha! Also kamen sie nicht über die Straße! Sie kamen von hinten durch die Gärten! Und was müssen das für monströse Viecher sein, die sich erst einmal durch einen Metallzaun rammen und dann ohne jegliches Werkzeug schwere, dicke Äste von Bäumen brechen können?!
Seitdem ist mir auf dem Terreno gelinde gesagt etwas mulmig, sobald die Nacht hereinbricht. Solange das mit dem Zaun nicht geregelt ist, werden wir vermutlich ständig Besuch haben und es ist sicherlich auch nicht ratsam sich mit einem 150kg-Brocken anzulegen, besonders wenn er Hunger hat und sich frei bedienen will. Die Idee auf dem Terreno mal zu zelten hat sich damit auch erst mal erledigt. Tja, wenn nur das wilde Tier nicht käm...




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