Tuesday, September 22, 2015

Siamo in festa...

...theoretisch zumindest! Drei Tage lang waren hier ausschließlich dem Ort gewidmet unter dem Motto "cittadinanza attiva" und die Organisationen hatten sich einiges ausgedacht dazu. Im Ortskern auf der piazza vor der Kirche waren eine Reihe an Ständen aufgebaut, den Einstieg fand die ganze Feierei durch einen gemeinsamen Marsch durch den Wald...am Abend...im Dunklen...festes Schuhwerk und Taschenlampen sollten mitgebracht werden. Was eigentlich sehr lustig sein kann, fand ich aufgrund der aktuellen Wildschweinaktivität doch irgendwie arg gefährlich. Im Dunklen durch den Wald? Ziel des Marsches war eine Hütte irgendwo im Grünen, wo ein Verein das Abendessen organisiert hatte und dann ging es gemeinsam wieder zurück. Hätte ich nicht die riesen Bedenken gehabt, wäre ich glatt mit gelaufen. Die Wanderung gab den Startschuss zur Initiative "mehr Bewegung" und von jetzt an würden zweimal pro Woche organisierte Touren durch den Wald stattfinden, um den Ort zu mehr Bewegung zu bewegen. Eine löbliche Idee. Aber nicht im Dunklen. Nee, danke.
Der zweite Tag war voll mit Präsentationen, Tänzen und Vorstellung der verschiedenen Aktivtäten der Vereine. Und am dritten Tag sollten alle Blut spenden. Außerdem bereiteten sich alle auf den großen Höhepunkt der Feierei am letzten Tag vor: der erste Palio des Ortes! Ein Palio ist traditionell ein Wettkampf zwischen den verschiedenen Vierteln einer Stadt und irgendwer war wohl auf die Idee gekommen, dass unserem Ort hier genau das fehlte. Ich hab von den Vorbereitungen nicht viel mitbekommen, sah nur auf einmal, wie unsere Nachbarn emsig rote Bänder und Schleifen an den Zaun klebten. Was sollte das denn?! Ich war sofort intolerant und fand das total bescheuert. Dann sah ich das nächste Haus mit roten Schleifen. Okay, was war hier los?! Wieso all das? Hatte das was mit dem Fest zu tun? Die Straße weiter runter hingen lilane Bänder. Es gab auch Luftballons und abstrakten Klimperschmuck aus Plastikbechern und -tellern. Nee, wie doof! Das war doch nicht hübsch! Bei so etwas würde ich nie im Leben mitmachen!
Es wurde immer mehr, bald hingen auch Schilder an den Wänden, verschiedene Begriffe wiederholten sich. In Ordnung, sie hatten mich soweit, ich schlug all die Wörter nach und fand: "Mäusebussard" - "Dachs" - "Stadtviertel"...höh? Offenbar wussten alle Bescheid außer mir und so langsam kam ich ab davon alles doof zu finden, sondern versuchte stattdessen so zu tun, als wüsste ich natürlich was hier vor sich ging, egal wie albern es war.
Die Auflösung kam am Abend des zweiten Tages, als wir beim Gassigang an einer Bushaltestelle ein Infoplakat hängen sahen. Aha! Man hatte den ganzen Ort - der jetzt nicht allzu groß ist - in Bezirke eingeteilt. Jeder Bezirk hatte eine Farbe und nicht nur das. Jeder Bezirk hatte auch ein Tier zugeteilt bekommen. Wir waren rot und hatten den Dachs! Ab der Kurve waren sie lila und hatten den Mäusebussard. Acht Farben und acht Tiere gab es und ich gestehe, ich habe daraufhin das Auto genommen und bin den Ort abgefahren. Die Hellblauen am Hügel gegenüber waren wohl völlig durchgedreht. Sie hatten die Schnecke und nicht nur jeden Zentimeter der Straße mit hellblauem Equipment behängt und beklebt, es hingen auch riesige hellblaue Laken aus den Fenstern mit Schneckenzeichnungen von den Balkonen. Tsss, Schnecken! Da waren wir mit dem Dachs doch viel cooler! Die Schnecken konnten glatt zu Hause bleiben, sie würden keine Chance haben! Ich sah noch den dunkelblauen Ortsteil, den grünen und den gelben, den orangenen und den pinken Bezirk. Und kaum bog ich um die Kurve und sah unseren roten beginnen, da jubelte ich glatt mit, als ich das erste Schild "Forza Tasso!" an einem Baum hängen sah...
Okay, sie hatten mich soweit, ich war dabei, ich wollte unbedingt mitmachen und gewinnen und kramte wie verrückt nach rotem Material, das ich an den Zaun hängen konnte! Forza Tassooooo! Wir würden die anderen plattmachen!
Ja und wer hat am Ende gewonnen?? Niemand! Das Palio fiel aus am letzten Tag, denn wir hatten Unwetterwarnstufe 2 mit stundenlangem Gewitter und Platzregen, die Anwohner sollten nach Möglichkeit die Autos stehen lassen und in den Häusern bleiben und aller Straßenschmuck flog meterweit davon oder floss die Straße hinunter. Tja. Ein trauriges Bild bot sich am nächsten Tag mit all dem abgerissenen und durchweichten Zeug an Zäunen und Balkonen und kurz darauf kam die Mitteilung, dass man es ein einem Jahr erneut versuchen würde mit dem ersten Palio des Ortes...



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