Sunday, September 6, 2015

Ein komplett verrückter Tag...

Nicht nur deswegen, aber auch aufgrund der Tatsache, dass ich gerade ein Astrologie-Seminar besuche, wusste ich, dass es der Vollmond zum Monatsende in sich haben würde. Eine starke Traumtätigkeit wurde vorausgesagt, aber auch diverse Faktoren würden eine Rolle spielen, die uns im Alltag jener Tage beeinflussen würden. Wer nicht an solche Dinge glaubt, hat mir in diesen Tagen immerhin auch ohne jede Suggestion mehrfach gesagt, dass die Zeit gerade völlig verrückt sei.
Ein Freund von mir wurde unmittelbar in der Vollmondnacht von der vermeintlichen Liebe seines Lebens verlassen! Kurz nach Mitternacht! Andere waren einfach nur unruhig. Und ich war abends so hundemüde, dass ich mir immerhin einen guten Traum erhoffte. Weit gefehlt. An keinen einzigen konnte ich mich erinnern, dafür aber war ich kurz vor 5 Uhr nachts hellwach. Gut, dachte ich, so konnte ich wenigstens Ludwig zum langen Gassitrip herausbringen und dabei den Vollmond mit eigenen Augen sehen.
Zum ersten Mal hatte ich den Eindruck auf der frühmorgendlichen Tour wirklich sicher zu sein. Regelrecht verträumt kam mir alles vor. Bis auf einmal aus dem Dunkel etwas Schwarzes hervorschoss. Nein, kein Wildschwein. Ein Hund. Er rannte über die Straße auf uns zu und hinter ihm noch einer in schwarz-weiß. Mir blieb das Herz stehen! Flucht war nicht drin und noch immer wunderte ich mich, dass ausgerechnet jetzt in der Vollmondnacht uns jemand begegnen musste. Ein hagerer, junger Mann folgte den Hunden, etwas seltsam fand ich ihn und morgens kurz nach fünf will ich überhaupt niemandem begegnen, aber schon gar nicht seltsamen Leuten mit freilaufenden Hunden.
Unser Glück: es waren Hündinnen. Also gab es wenigstens keine Beißerei. Dennoch war ich außer mir. Der Vorfall hatte die ganze Tour ruiniert. Mit einiger Überwindung brachte ich Ludwig noch weiter die Straße runter, bis hinter einem Zaun ein weiterer Hund bellte. Nein, es genügte, wir würden umdrehen und wie gewohnt durch die Privatwege zwischen den Häusern zurückgehen. In einer dunklen Seitengasse, die wir seit Wochen immer entlang gehen, rasselte auf einmal etwas Metallisches hinter der Hecke rechts von uns und weiteres Kläffen erklang. Nie war hier ein Hund gewesen, wieso war ausgerechnet heute einer hier?! Meine Nerven lagen blank und auf einmal kam mir die ganze vertraute Umgebung unglaublich unheimlich und unsicher vor. Blöder Vollmond, ich hätte wirklich im Bett bleiben sollen.
Die nächsten Stunden verbrachte ich damit den verlassenen Freund in den USA moralisch irgendwie so weit hinzubiegen, dass er noch einen Sinn im Leben fand und ich ließ währenddessen weiße Bohnen im Kochtopf so derbe anbrennen, dass ich den Topf samt schwarzem Inhalt grad in die Tonne geben konnte. Argh! Ein Erfolgserlebnis musste her! Dringend! Und so fuhr ich kurzerhand ins Shoppingparadies schlechthin! Den Baumarkt! Ja! Ich kaufte einen Papierkorb fürs neu eingerichtete Studio, Fahrradketten und einen Satz Schraubenzieher - was man halt so braucht! Und - ein Rankgitter fürs Terreno, um das ich schon seit Wochen herumgeschlichen war. Ich wollte sogar meine bessere Hälfte anrufen und sagen, dass ich das Teil nicht bekommen hätte und ganz heimlich, still und leise alles vor Ort als Überraschung aufbauen. Was für ein Optimismus! Stattdessen rief ich ihn noch auf dem Parkplatz an und sagte fast heulend, dass ich das blöde Teil nicht in den Kombi bekäme - zu groß! Ich sollte es umtauschen, meinte er, aber da war mein Kampfgeist erwacht. Jetzt, wo ich nach vielen Monaten das Wunschobjekt endlich in Händen hielt, würde ich den Teufel tun und es wieder zurückbringen! Ich hatte nicht viele Wahlmöglichkeiten in jener Situation. Und alle waren richtig beschissen!
Aber ich wäre kein Widder, wenn mich nicht die Wut und der Trotz gepackt hätten und ich mich zum einzig Sinnvollen entschloss, was mir in der Situation in den Sinn kam: ich ließ das Auto stehen wo es war und trug das Scheißding nach Hause! Zu Fuß! Nur den Berg rauf! Bei 31 Grad! Und Sonne! Wer schon mal bei mir zu Hause war, weiß, dass das nicht gelogen ist. Einmal habe ich fast den gleichen Weg zu Fuß zurück gelegt. Das war aber ohne Gepäck und im Herbst gewesen und es hatte mich genau 30 Minuten gekostet. Mit einem überdimensionalen Rankgitter bepackt waren es erschwerte Bedingungen, keine Frage. Um es kurz zu machen: 45 Minuten lang quälte ich mich den Berg hinauf, so oft wie da habe ich noch nie mittendrin aufgeben wollen. Von einer Verschnaufspause im Schatten zur nächsten wollte ich mir dennoch nicht die Blöße geben und schlapp machen. Wenn ein Auto vorbeifuhr, tat ich so, als sei es ein Leichtes. Und wenn ich verschnaufte, dann schaute ich so konzentriert die Straße hinauf, dass man denken sollte, ich wartete auf jemanden. Klar...welcher normale Mensch trug im Hochsommer schon ein Rankgitter durch den halben Ort...den Berg rauf...bei über 30 Grad!
Als ich schließlich zu Hause ankam, hatte ich glaube ich das pinkeste Gesicht, dass ich jemals gesehen hatte. Ich dachte schon, ich hätte mich derbe verbrannt, aber es war nur Blut. Mir war regelrecht übel und dehydriert war ich auch. Aber - ich hatte es geschafft! Dem Vollmond zum Trotz! Und es war nötig gewesen, denn hätten wir einen Transporter mieten sollen, nur um ein Rankgitter nach Hause zu bekommen? Was wir damit gemacht haben, das steht in einem weiteren Beitrag ;) ...



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