Tuesday, May 26, 2015

Luther und so weiter...

Ja, es ist kaum zu glauben, aber die ersten drei Wochen ohne die Schwiegereltern sind vergangen. Wenn ich unser Leben jetzt so anschaue, kann ich mir auch gar nicht mehr vorstellen, dass sie mal hier gewohnt haben. Nur noch einige ihrer Möbel erinnern daran, aber der ganze Alltag, die ganze Organisation, der Einkauf, einfach alles hat sich verändert. Und ja - ausschließlich zum Positiven. Am Sonntag haben wir sie zum ersten Mal in ihrer neuen Behausung in der Toskana besucht, denn wir hatten noch das ganze Auto voller Kisten, Bilder und Koffer, die sie hier gelassen hatten. Was jetzt noch immer hier ist, wird auch erstmal hier bleiben und erst dann seinen Weg zurück in die Toskana finden, wenn die Schwiegereltern eine Möglichkeit gefunden haben auch noch die restlichen Möbel zu stellen.
Ich habe unser Zuhause nun so gut es ging zu UNSERER Sache gemacht. Natürlich ist noch nicht alles fertig, denn einige Anschaffungen werden auch kostspieliger sein oder müssen von Experten durchgeführt werden, aber was ich machen konnte, habe ich getan und der vorerst letzte Streich wird sein, dass wir das ehemalige Schwiegerelternzimmer in ein Arbeitszimmer verwandeln werden. Ansonsten freue ich mich über die neue Übersichtlichkeit, alles hat einen festen Platz, alles ist sinnvoll strukturiert, ich kann sogar sämtliche Elektrogeräte in der Küche nutzen, ohne sie irgendwie immer von A nach B tragen zu müssen. Was das für eine Freude ist, kann vermutlich nur jemand nachvollziehen, der selbst mal sehr provisorisch gelebt hat. Dutzende Dinge, die ich nie habe verwenden können, sind endlich zu gebrauchen!
Was hat sich noch alles getan? Nun, eine der größten Veränderungen im Alltag wird wohl sein, dass ich inzwischen mehrfach die Woche um 5 Uhr aufstehe. Ganz freiwillig! Ich werfe mir wahllos ein paar Klamotten über und dann jage ich mit Ludwig über die Felder. Ich lasse ihn auf dem Terreno rennen, bis er anfängt mit mir kämpfen zu wollen und dann Löwengeräusche macht, die so richtig schön an den Bergen widerhallen. Dann kommt er wieder an die Leine und wir machen eine ausgedehnte Tour zu Fuß. Und kaum sind wir zurück, entscheide ich mich, ob es wieder ins Bett geht oder stattdessen die Arbeit anfängt. Meistens denke ich nur ans Bett, kaum dass ich draußen bin, aber sobald wir wieder zurück sind, dominiert eigentlich der Tatendrang. Und genug zu tun ist immer.
Da fand ich mich beispielsweise Anfang des Monats in der Situation wieder im hiesigen Kulturverein einen Vortrag über Martin Luther zu halten. Auf Italienisch. Dabei bin ich nicht mal protestantisch. Aber halt deutsch und näher dran kamen sie nicht. Gut, eigentlich hatten sie eine andere Sprecherin aufgetan, aber die war als Anfängerin sprachlich völlig überfordert und dann hatte man mich zum Übersetzen engagiert. Das war total verrückt, denn erstens ist es nicht so, dass mein Italienisch so richtig eloquent ist und dann ist es auch nicht gerade so, dass religiöse Diskurse jetzt mal eben so nebenbei zu übersetzen sind - besonders wenn man vom Thema keine Ahnung hat, wie in meinem Fall. Ich sagte also, dass ich einen Vortrag halten könnte, aber Übersetzen live vor Ort, nee. Ich müsste mich schon richtig darauf vorbereiten. Und damit war meine Teilnahme besiegelt. Ich konnte es dann selbst kaum glauben, als ich schließlich eines schönen Dienstagabends vor gut siebzig Zuhörern ins Mikro sprach, dass ich alle Anwesenden herzlich willkommen heiße zu meinem Vortrag über Martin Luther. "Was zum Teufel machst du hier eigentlich?" schoss mir durch den Kopf, aber am Ende machte das Ganze viel mehr Spaß als erwartet. Es war auch schön so viele intellektuell interessierte Menschen kennen zu lernen und mit ihnen zu diskutieren, selbst wenn mir andere Themen mehr gelegen hätten. Mein nächster Einsatz im Kulturverein ist dann die Länderausstellung im Juni und dann irgendwann auch meine Buchpräsentation, auf die die Organisatoren jetzt schon warten, seitdem ich dummerweise erwähnt habe, dass ich ein bilinguales Kinderbuch schreibe. Nun, die Publicity wird mir natürlich sehr willkommen sein, jede Unterstützung ist immer willkommen. Genauso wie ich mich gefreut habe, dass mir meine Italienischlehrerin gleich mehrere ihrer tollen, blühenden Pflanzen geschenkt hat und die sich prima ergänzen ließen zu meinem Oleander, der Mandeville und der Bougainvillea, die allesamt in den letzten Tagen endlich wieder ausgetrieben sind, nachdem ich schon befürchtet hatte, dass sie den Winter nicht überlebt hätten...



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