Friday, May 29, 2015

Essen, Essen, Essen...

Oh Herd, ich bin zurück! Ja, in der Tat, ich koche gerne. Das Dumme ist nur, dass es einem zeitlich nicht immer gelegen kommt. Und dann kann man ganze Stunden am Herd verlieren, nur um Mahlzeiten zuzubereiten, die innerhalb weniger Minuten verdrückt sind. Das kann ärgerlich sein. Aber ich sehe Kochen auch als Kunst an. Aus einer Vielzahl an möglichen Zutaten etwas Leckeres, Gesundes, Vollmundiges, Leichtes, Duftendes oder einen Augenschmaus herzustellen, das kann nur eine Kunst sein. Und es ist eines meiner vielen Projekte: mir den Ruf zu erarbeiten von einer, die kochen kann. Gut kochen.
Früher habe ich nie gekocht und auch behauptet es wäre kein Feld, das mich sonderlich interessieren würde. Außerdem war ich immer von einer Vielzahl an Menschen umgeben, die sich fürs Kochen zuständig gefühlt haben, und so kam ich auch kaum in die Verlegenheit etwas Essbares präsentieren zu müssen. 
Ich habe aber schon lange mich für Zutaten interessiert, für Vorratshaltung und für Rezeptbücher. Ergibt ja dann eigentlich keinen Sinn, wenn man nicht kocht. Ich habe schon seit einigen Jahren ungefähr zwanzig Rezeptbücher, von denen ich vielleicht 1% der Inhalte jemals wirklich zubereitet habe, auch wenn sie seit einigen Monaten dekorativ in der Küche drapiert waren. Als meine Schwiegermutter alles Kochen an sich gerissen hatte und eh der Meinung war, dass ich nicht kochen könnte, ohne jemals auch nur ein Gericht von mir gesehen oder probiert zu haben, habe ich mich allein schon aus Zeitgründen und weil die Küche ein konstantes Chaos war, die elf Monate des Zusammenlebens vom Kochen ferngehalten. Und jetzt war endlich wieder meine Zeit als Köchin gekommen. Und nicht nur das. Ich nahm mir auch fest vor mein Repertoire kontinuierlich zu erweitern und mir nicht nur neue Techniken anzueignen, sondern auch regelmäßig die Rezepte aus den vielen Büchern zu testen - pro Monat mindestens eines. In der Toskana hatte ich mich auf Pasta, Salate und Suppen versteift, das wurde langsam langweilig, auch wenn ich mich freue eine recht große Erfahrung mit frischen Pastasaucen zu haben, auf die ich immer wieder zurückgreifen kann, falls mal die rechte Inspiration für etwas anderes fehlt. 
Neulich habe ich zum ersten Mal richtige Hamburger gemacht. Eigentlich essen wir fast kein Fleisch, und das war mir nicht einmal aufgefallen, ehe meine bessere Hälfte meinte, dass wir zur Abwechslung doch auch mal wieder ein Steak oder so etwas essen sollten um ausgewogen zu bleiben. Ich fand ein schönes Rezept für Hamburger und machte mich sogleich an die Arbeit, was zugegebenermaßen sowohl einfach ging als auch sehr appetitlich roch und aussah. Und schon war ein neues Gericht ins Repertoire aufgenommen. Um daraus eine Überraschung zu machen, versteckte ich die fertigen Burger unter einem Geschirrhandtuch in der Küche und deckte den Tisch mit Suppentassen und Löffeln und das bei 26 Grad und Sonnenschein. Ich ging sogar noch einen Schritt weiter und stellte einen Kochtopf mit kaltem Wasser und harten Bohnen auf den Tisch und verkaufte das ganze als Bohnensuppe, kaum dass meine bessere Hälfte einen skeptischen Blick in den Topf geworfen hatte. Ich hörte von der Küche aus, wie er sich eine Kelle voll in den Teller gab und hatte Mühe nicht laut heraus zu lachen. In das darauf folgende Schweigen hinein fragte ich möglichst neutral, ob es ihm nicht schmecken würde und dann kam ich mit den Burgern um die Ecke. Ja, die Überraschung war gelungen, die Erleichterung war groß und die Begeisterung für das echte Essen dann umso größer. 
Um nicht jeden Tag aufs Neue zu kochen, liegt mein neuester Fokus auf dem Vorbereiten von Gerichten, die gleich für mehrere Mahlzeiten reichen, aufgewärmt werden können oder gleich kalt gegessen werden. Ich verwende im Übrigen aus Prinzip keine Mikrowelle, das Essen muss also im Backofen oder auf dem Herd warm gemacht werden können. Mein ganzer Stolz war meine erste selbstgemachte Bolognese-Sauce, die wirklich auf Anhieb gut gelang und auch den zimperlichen italienischen Gaumen mit seinen seltsamen geschmacklichen Vorlieben beeindruckte. Darüber hinaus hielt sie über ganze vier Mahlzeiten, ein neuer Rekord! Gestern hatte ich eigentlich viel liegen gebliebene Arbeiten erledigen wollen, aber mein Einkauf inspirierte mich dermaßen, dass ich anfing zu kochen, kaum dass ich zurück war. Es wurde ein Kochmarathon, wie ich ihn noch nicht erlebt habe: erst eine unglaublich große Portion Riso Freddo, die man sehr gut im Kühlschrank aufbewahren kann, dann gleich zehn mit Schafskäse und anderen Zutaten gefüllte Spitzpaprika, die man nur noch in den Ofen zum Überbacken schieben muss, und an dem Punkt hätte ich längst aufhören können, aber ich brutzelte noch Polpette di Ceci - Bratlinge aus Kichererbsen und Frühlingszwiebeln, die sich sowohl warm als auch kalt essen lassen und deren Rezept ich aus der Kochsendung "Molto Bene" habe, und dann noch etwas Englisches - Coronation Chicken, was man als Salat oder auch Brotaufstrich essen kann. Als hätte ich sonst nichts zu tun, probierte ich noch ein Rezept für Orangeneis, angerichtet in einer ausgehöhlten Orangenschale, und am Abend glaubte meine bessere Hälfte schon, das hätte ich gekauft haben müssen, oder zumindest das Eis fertig von der Gefriertheke. Aber nein, das war alles selbst gemacht. Ich muss ausgesehen haben wie ein Freak, jedenfalls war dann seine nächste Vermutung ich hätte ihn betrogen oder etwas Ähnliches. Aber nein, ich habe lediglich essenstechnisch vorgesorgt und werde mir in den nächsten Tagen viel Zeit und Nerven damit sparen, indem alles schon griffbereit im Kühlschrank steht. In dem Sinne: buon appetito...






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