Friday, April 10, 2015

Von Tiefen...

Uff, waren das ein paar anstrengende Wochen! Highlights und Krisen im ständigen Wechsel. Die Nerven bei den Schwiegereltern lagen wieder blank. Man lag sich dermaßen in den Haaren, dass mein Schwiegervater von jetzt auf gleich einfach in die Toskana zu seinen Brüdern verschwand. Er wollte in "questo casino" nicht die Ostertage verbringen. Hoppla! Und er bleib auch gleich eine ganze Woche weg. Zunächst einmal dachte ich noch, jetzt würde es im Haus etwas ruhiger werden. So ein Fehler! Natürlich war einer weniger hier, aber das eigentliche Drama kommt ja immer nur in Form meiner Schwiegermutter. Und auch wenn ich mich freute, dass endlich das große Geschrei zwischen den beiden vorbei war, ich hatte jetzt die geballte Ladung Schwiegermutter zu ertragen. Ausgiebig hat sie sich bei mir über ihren Mann beschwert, dass sie ihn nie hätte heiraten sollen und schon ihr Vater wäre damals dagegen gewesen (im Übrigen hieß die Geschichte früher immer, nur auf das Drängen ihres Vaters hin hätten sie überhaupt geheiratet...) und er sei ein bugiardo, ein Lügner und überhaupt das Schlimmste, was ihr je passiert wäre.
Eigentlich hatte ich ja arbeiten wollen. Und müssen. Aber mit der Schwiegermutter, die im Gegensatz zum Schwiegervater den ganzen lieben Tag laut redet und alles kommentiert oder Selbstgespräche führt, konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Mit Liebe zum Detail wurden mir zum x-ten Mal Geschichten aus der Vergangenheit berichtet, die jedes Mal wieder anders ausgehen und selbst als ich mir demonstrativ ein Headset aufsetzte, hielt sie das nicht davon ab auf mich einzureden. Das ginge ja im Grunde noch eine Weile, aber über die Hälfte des Geredes sind Beschwerden über alles und jeden, ihre Geschwister, ihren Mann, ihren Sohn, ihre Tochter, ihre Gesundheit, das Leben im Allgemeinen und ihr Schicksal im Besonderen, das Haus, den Hund, die Preise, die Nachbarn, die Hitze oder die Kälte, dann ist sie besessen von der Idee, dass Mäuse im Haus sind und wir allesamt wären Schweine, die weder aufräumen noch putzen und jeden Tag nur noch mehr Chaos verursachen. Ich hatte arge Mühe an mich zu halten und versuchte mich mit aller Macht darauf zu konzentrieren, dass Karma hier schon alles in die richtigen Bahnen leiten würde. Und dann Schimpf- und Fluchsalven zu jedem Zeitpunkt, am liebsten wenn sie sich die Treppe ins Schlafzimmer hochquält um dann mit aller Wucht die Tür ins Schloss zu knallen. "Non c'è la faccio più, non ce la faccio più!" Ich frage mich allen Ernstes, ob sie sich gar nicht bewusst ist, wie unendlich abschreckend und unattraktiv dieses Verhalten ist, das ewige sich Beklagen, das Motzen, Brüllen, Schimpfen, Beleidigen und ganz frech Lügen zu erfinden. Kurz und gut, ich wünschte mir meinen Schwiegervater zurück. Ich brauchte einen Ausgleich hier für das konstante Geschwätz und vor allen Dingen war mir aufgefallen, dass sie sich öfter im Schlafzimmer aufhält, wenn ihr Mann im Wohnzimmer ist. Er musste um jeden Preis bald zurückkommen oder ich würde noch zur rasenden Wildsau werden!
Dann ertappte ich sie noch dabei wie sie sich in unserem Zimmer zu schaffen machte, ohne Skrupel und ohne Reue und später erzählte sie mir noch frei von der Leber weg sie hätte die beiden Nutella-Riegel gegessen, die sie in meiner Tasche gefunden hätte. Geht's noch?! Später, als wir neue Riegel kauften, da meinte meine bessere Hälfte noch wir sollten ihr besser einen anbieten, sonst wäre sie beleidigt. Und da spielte sie doch tatsächlich die Unschuldige, was das denn für Riegel seien, ach, Schokolade, nee, die würde sie nicht kennen und aber auch nicht essen können, denn davon würden ihre Diabetes-Probleme kommen. Hoppla? Bugiarda!! "Bald sind sie weg, bald sind sie weg, bald sind sie weg..." es waren immer mehr und mehr Wiederholungen nötig, um den Puls wieder auf Normalfrequenz zu bekommen.
Hatte ich schon berichtet, dass demonstrativ mit dem Packen begonnen worden und dabei etliche Dinge aus meinem Haushalt mit in den Kisten gelandet war? Seitdem durchwühle ich jede Kiste und jeden Sack, der umzugsbereit in den Ecken gelagert wird. Es fehlt im Übrigen auch was von meinen Klamotten! Sogar Unterwäsche! Und nicht gerade wenig...
Fast hätte ich mich sogar irritieren lassen von den Streitereien zwischen den Schwiegereltern. "Ich reiche die Scheidung ein", schrie meine Schwiegermutter "Du musst mich morgen zur Bank fahren, ich räume das Konto leer!" und "Pass auf, dass er uns nicht sieht, ich nehme schon mal die Autoschlüssel...lauf leise!" Was zum Teufel?! "Mit DEM werde ich nicht in ein neues Zuhause ziehen, mit DEM nicht! Eher nehme ich mir ein Zimmer bei den Schwestern im Kloster! Oder irgendein Verwandter wird mich schon aufnehmen!" Ich sah ehrlich schon den ganzen Umzug in Gefahr, aber nein, wie immer nur leere Worte. Sie räumte zwar das Konto leer, reichte aber weder die Scheidung ein noch bemühte sie sich um eine andere Behausung. Der Auszug war also nicht in Gefahr und ich fand nur einmal wieder Bestätigung darin, dass ICH SO eine Ehe niemals führen könnte. Geht nicht...Und noch während ich versuche im Frieden zu schreiben, höre ich ein hysterisches Kreischen: "UN TOPO, UN TOPOOOOOOO!" Nein, auch diesmal war es keine Maus - nur ein Fellbüschel meines Hundes, das der Wind ins Haus getrieben hat. Kinder, meine Nerven...



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