Friday, April 17, 2015

...und noch mehr Höhen!

Noch während ich mitten im Schwärmen war was jenes zauberhafte Wochenende anging, kündigte sich schon die nächste bombastische Unternehmung an: Lagerfeuer in den Bergen bei Carrara. Ein ganzes Jahr hatte ich warten müssen, ehe es wieder soweit war, denn ich kannte den Ort und war schon damals nicht mehr aus dem Schwärmen herausgekommen. Diesmal allerdings würde die Gruppe größer sein, nicht nur was die Teilnehmer anging, sondern leider auch bezüglich des Termins: Ostermontag, hier Pasquetta genannt. Alle Welt ist an Pasquetta unterwegs, entweder in die Berge oder an die Strände oder auch nur in die Restaurants. Wir würden vermutlich nur mit Hauen und Stechen unser Lagerfeuer verteidigen können und damit unseren Platz an der Sonne. Warum nur hatte man ausgerechnet Pasquetta als Ausflugstermin gewählt, warum nicht jedes andere folgende Wochenende?? Nun denn, abgemacht war abgemacht. Wir waren mindestens drei Paare und zwei Hunde, das war das nächste Problem. Ludwig mag keine anderen Männchen und ich sah auch hier die Schwierigkeit, dass man ihn womöglich nie von der Leine lassen konnte. Gedanklich stellte ich mich also darauf ein, dass es A unglaublich voll werden würde und B mein Hund noch innerhalb der ersten Minute ein Blutbad anstellen würde, woraufhin wir dann packen und gehen müssten.
Nichtsdestotrotz bereitete ich alles ganz klassisch Deutsch vor. Also ganz penibel! Ich hatte frische Brötchen eingefroren und wieder aufgetaut, packte eine Picknickdecke, Alu- und Klarsichtfolie, Pfannenwender, Flaschenöffner, Zange, Strohhalme, Holzspieße, Schere, Desinfektionsmittel, Pflaster, feuchte Tücher, ein Geschirrtuch, Küchenrolle, einen Draußennapf für Wasser, füllte Crocchette in eine Tüte zusammen mit Kaustangen, kochte für den Hund vor, ich kochte Eier und Kaffee, letzteren füllte ich mit Milch zusammen in eine Flasche. Ich wusch Gemüse und packte es zusammen mit eingelegten Zwiebeln und Sauerkonserven ein. Ich spülte Picknickgeschirr und steckte Wasser-, Kaffee-, und Weinflaschen in eine Flaschentasche. Ich wickelte Kartoffeln in Alufolie, packte Gewürze und Kräuter und eine Kanne zum Aufwärmen von Getränken. Und meine bessere Hälfte? Kaufte Fleisch. Und war ziemlich entsetzt als er die drei fertigen Taschen sah. "DAS muss alles mit?!" Aber hallo! Ich ahnte man würde meine Vorbereitung noch zu schätzen wissen und zwar ganz bald. Ich war schon stolz auf die ganze vorgeleistete Arbeit, gebe ich zu, aber nur so macht es auch wirklich Spaß. Um genau zu sein, weiß ich auch jetzt schon, was ich beim nächsten Mal noch besser machen kann. Zum Beispiel sollte ich einen Grillrost einpacken. Der hatte von einem der anderen Paare mitgebracht werden sollen, war aber vergessen worden. Tsssss, ich konnte mich weit aus dem Fenster lehnen, ICH hatte ja noch viel mehr als geplant dabei. Leider allerdings keinen Grillrost. Aber first things first. Ludwig beschnupperte den Rivalen noch unten in der Stadt und gab einen warnenden Knurrer von sich um klar zu machen, dass er der Boss war. Bedenken hatte ich auch wegen der zahlreichen Autos, die sich um uns scharrten. Alles Menschen in Outdoor-Outfits; die wollten doch nicht etwa alle auch da hoch?! Noch waren wir früh und während wir uns Stück für Stück die Serpentinen ganz nach oben quälten, war immerhin kein Auto zu sehen, bis wir endlich angekommen waren. Hier standen immerhin drei Wagen - vielleicht waren es Wanderer? Mit allen Taschen in den Händen und über den Schultern ging es nun zu Fuß die letzten steilen Meter hinauf. Und zeitgleich mit dem Muskelschmerz kam das Entsetzen: Zelte! Nicht nur, dass hier Menschen waren, sie hatten auch noch ZELTE aufgebaut! Man kann es auch übertreiben im Kampf um den besten Platz fürs Lagerfeuer...! Etwas abseits von dieser großen Gruppe ließen wir uns nieder, begannen auszupacken und uns um das Feuer zu kümmern. Nicht nur, dass der Ort dort oben zwischen Himmel und Erde wundervoll ist, er bietet auch noch Feuermaterial, wie man es besser nicht finden könnte. Und während einer wieder hinunter in die Stadt musste um den vergessenen Grillrost zu holen, bereitete ich schon mal mein Mitgebrachtes vor und spießte abwechselnd Fleisch, Paprika, Zucchini und eingelegte Zwiebeln auf die Holzstäbchen. Dazu gab es das erste Glas Wein...mhmmmm! Kaum hatten wir den Grillrost, freute sich die anwesende Gruppe sogleich über meine Alufolie und die Grillzange, an die auch niemand gedacht hatte. Endlich kam alles rauf aufs Feuer. Und ab dann wurde gegessen. Ich gebe zu, ich hatte entschieden zu viel Essen dabei, aber das war immer noch besser als das Gegenteil. Nach den ersten Runden des Mampfens fand sich auch endlich die Sonne aus Dauergast ein und brachte die Hitze mit sich. So entschieden wir uns die Umgebung wieder einmal zu erkunden. In der Tat kamen immer wieder neue Menschengruppen mit Picknickequipment hier oben an und schauten entsetzt auf die bereits anwesenden Personen. Ich gebe zu, auch wenn es für meinen Geschmack zu voll war - jede neue Gruppe zog sich weiter in den Wald zurück und ließ damit allen Anwesenden etwas Privatsphäre. Es ging auch alles friedlich zu, selbst als die Gruppe mit den Zelten irgendwann meinte die Bongos herausholen zu müssen. Kaum wandte man sich dem Ausblick zu und kletterte nur wenige Meter weit den Hang hinunter, war man von absoluter Stille umgeben. Und von Gras und Marmor und Heide wohin man nur sah. In zwei Richtungen sah man das Meer, in zwei anderen Richtungen schneebedeckte Berge. Woooow! Eine Weile kletterten Ludwig, meine bessere Hälfte und ich herum, bis uns die Müdigkeit übermannte. Die nächste Stunde lagen wir dann im Schatten unter einer Pinie und taten einfach überhaupt nichts bis wir ein Gemurmel hörten: "Kaffee wäre jetzt toll!" Haaaaa, den hatte ich dabei und meine bessere Hälfte ließ sich nicht nehmen mitzuteilen: "Ihr wisst woher meine Frau kommt? Aus dem Land der Organisation!" Damit holte er die Flasche mit dem Kaffee aus der Tasche und schenkte den verdutzten Gesichtern ein. "Mhmmm, ist der gut, hast du da Alkohol mit reingetan?!" Nein, das war ganz billiger Kaffee aus dem Supermarkt, ohne großes Gedöns am Abend zuvor gekocht und mit einem Schuss Milch abgefüllt. "Nee, im Ernst, ist ja wirklich nichts sonst mit drin?!" Vielleicht schmeckt da oben zwischen Himmel und Erde einfach alles besser, wer weiß...
Gegen 17 Uhr packten wir langsam zusammen. Wir hatten alle ordentlich Sonne abbekommen und die Mägen voll bis zum geht nicht mehr. Dafür waren die Taschen jetzt leichter. Mit Friede und Freude im Herzen machten wir uns auf den Heimweg, zumindest bis wir meine Schwiegermutter aufgabelten. Sie war mit uns gekommen um Freunde zu besuchen und den ganzen Tag auf diese einreden zu können. Jetzt waren wir wieder das Publikum und wurden hart in die Realität zurückgerufen. Ja, auch der schönste Tag ging mal zu Ende. Und wäre das nicht schon genug, landeten wir auch noch in einem Stau, der sich gewaschen hatte. Natürlich - JEDER war heute unterwegs gewesen. Und damit fuhr am Abend auch JEDER wieder nach Hause zurück. Soweit das Radio reichte - und das war ganz Norditalien - reihte sich ein Stau an den nächsten. Mindestens vier Unfälle waren allein auf unserer Strecke, die anderen Autobahnen waren aber gleichermaßen überfüllt. Es gab sogar Tote! Und am Ende des Tages brauchten wir für knapp 120km annähernd vier Stunden! Aber der Trip hatte sich gelohnt...nichtsdestotrotz...



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