Monday, April 13, 2015

...und Krisen...

Und damit noch nicht genug. An das Schwiegerelternproblem haben wir uns nach nunmehr zehn Monaten unter einem Dach irgendwie gewöhnt. Aber innerhalb einer Woche kam dann noch mehr zusammen. So viel, dass man es gar nicht glauben mag: die Toilettenbrille zerbrach, das Bidet verstopfte und wohl Waschmaschine als auch Toilettenkasten verloren auf einmal Wasser! Der Geschirrspüler sprang nicht mehr an, weil das Kabel in sich verbrannt war! Ich wusste nicht mal, dass so etwas passieren kann! Dazu noch eine Stubenfliegenplage, die aus irgendeinem Rohr gekommen sein muss. Und beruflich hakte ich dann auch noch an allen Ecken, kam nicht vorwärts, alles machte zu viel Mühe und dann brach in einem meiner Teams auch noch Streit aus, der im Ausschluss eines Mitglieds endete.
Ich war so gestresst, dass ich zum ersten Mal nach diversen Jahren wieder auf die Pollen draußen reagierte und aus dem Niesen nicht mehr herauskam. Und damit nicht genug, zu allem Überfluss thronte dann auch noch ein überdimensionaler Herpes auf meiner Oberlippe. So, Ende, aus, das war zuviel des Guten! Eine Pause musste her. Ich sagte erstmal alle restlichen Termine ab und zog mich in mein Schneckenhaus zurück. Und während ich noch versuchte mich irgendwie zu sortieren, wurde auch noch der Hund krank. Pünktlich an Karfreitag. Er hing von jetzt auf gleich matt herum, wollte sich nicht groß bewegen und als ich im Schlafzimmer am Werkeln war, sprang er mit einem Mal aufs Bett und fing an zu würgen. Ehe ich etwas tun konnte, hatte er eine ganze Portion Reis mit Fleisch mitten auf mein Kopfkissen erbrochen. Und dann noch mal zwei Schübe von schaumiger Flüssigkeit auf die Matratze. Du meine Güte! Und dann wollte er unbedingt nach draußen, wo es dann mit Durchfall weiterging. Ich wusste gar nicht mehr, wo mir der Kopf stand! Einen völlig welken Hund brachte ich zurück ins Haus, wo er mit riesen großen Müdigkeitsfalten im Gesicht erstmal auf seinem Bett einschlief. Ich machte mich mühsam daran das casino in allen Ecken zu entfernen und versuchte nebenbei den Tierarzt zu erreichen. Er war aber nicht in der Stadt und riet zur Tierklinik, falls es nicht besser werden würde. An Arbeiten war also nicht mehr zu denken. Die nächsten fünf Stunden beobachtete ich Ludwig beim Schlafen, er schien mir auch heiß zu sein und vielleicht Fieber zu haben. Nach draußen gingen wir nicht mehr und wir spielten auch nichts, wir warteten einfach ab. Am frühen Abend fing ich an mir wirklich Sorgen zu machen bei all der Müdigkeit. Immerhin, als ich Ludwig später wenigstens zum Trinken animieren wollte, sprang er überraschenderweise auf, folgte mir in die Küche und aß mit viel Appetit gleich noch seinen Napf leer.
Tags darauf schien er wieder der Alte zu sein und alles war gut. Doch dann kam Ostersonntag und die nächste Katastrophe nahte. Wir waren nur ganz kurz zum Supermarkt gefahren, um auf die Schnelle noch Zutaten fürs Osterpicknick zu kaufen. Und kaum waren wir zurück, sah Ludwig wieder schlimm aus: er hing mit krummen Rücken in der Ecke, erneut mit großen Falten im Gesicht, die Ohren hingen schlaff herunter und die Augen sahen auch sehr seltsam aus. Bei näherem Hinsehen war ein Ohr stark entzündet und geschwollen. Dazu kam dann noch, dass es jetzt auch einen frischen Streit zwischen meiner besseren Hälfte und seiner Mutter gab und das Osteressen vergessen auf dem Herd stand. Völlig unmotiviert stopften wir uns etwas davon in den Hals, aber der Appetit war längst vergangen. Eine Feier sah anders aus. Stattdessen packten wir den Hund ein und fuhren mit ihm in die Tierklinik. Eine Stunde und zweihundert Euro später waren wir wieder auf dem Heimweg. Ludwig hatte zwei Spritzen und Ohrentropfen bekommen, eine CD mit den Röntgenaufnahmen und viele Hinweise und langsam ging es wieder aufwärts. Zwei Tage später konnte ich mit ihm auch endlich unseren Haustierarzt aufsuchen, der dann noch eine Zecke entfernte und die ganze verworrene Geschichte erst einmal aufschrieb und für uns dokumentierte.
Blieb noch der Streit im Haus. Nach zwei Tagen ohne Wortwechsel, in denen sich jeder in seine Zimmer verkrochen hatte, siegte bei mir der Ehrgeiz endlich wieder etwas Sinnvolles zu tun, egal ob Schwiegermutter mich stören würde oder nicht und so kehrte ich schließlich mit neuem Antrieb wieder zurück an die Arbeit. Aus allem kann man etwas lernen, auch wenn man gerne darauf verzichten würde. Und ich hatte mal wieder meine Lektion mitgenommen...



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