Wednesday, April 15, 2015

...und Höhen...

Ich sagte ja, es gab auch Höhepunkte in dieser stürmischen Zeit und diese Höhepunkte haben alle stressigen und frustrierenden Phasen sogar mehr als ausgeglichen. Zunächst einmal gab es ein wirklich, wirklich schönes Konzert in Cremona. Ich war noch nie in Cremona gewesen und habe auch diesmal nicht wirklich etwas von der Stadt gesehen, aber als inzwischen routinierter Nachtfahrer und Autobahnkenner war es für mich ein Leichtes erst durch den Feierarbendverkehr Genuas zu steuern, auf nach Cremona und nachts um 4 wieder den ganzen Weg zurück. War ich stolz! Man gewöhnt sich dran, auch wenn ich sagen muss, dass die gefühlten fünftausend Kilometer Strecke geradeaus zwischen Brescia und Mailand der Konzentration nicht wirklich geholfen haben. Dann doch lieber die entsetzlich vielen Kurven kurz vor Genua, wo man vor lauter Abbremsen und Beschleunigen gar nichts anderes mehr tun kann. Immerhin läuft man da nicht Gefahr einzuschlafen.
Der Club war diesmal ein detailreicher, schummriger Ort im Halloweenstil, der mir auf den ersten Blick wie eine Taverne vorkam. Dafür war der Backstage so ungemütlich, dass sich alle freiwillig im großen Saal aufhielten. Noch nie waren so viele Bekannte und Freunde auf einen Haufen zusammen gekommen. Kaum dass ich mein Abendessen aufhatte, stürzte ich mich mit Wonne in Dutzende von Gesprächen, sogar eine deutsche Freundin war überraschend gekommen und das hieß dann auch zur Abwechslung mal ganz entspannt in der Muttersprache plaudern. Fotos hier und da, ein paar Flyer habe ich auch verteilt, die Stimmung war super, das Bier sehr gut, das Abendessen durchschnittlich (aber kostenlos, also beklagt man sich nicht) und ich war froh doch noch mitgekommen zu sein. Durch ein organisatorisches Missverständnis wäre ich nämlich beinahe zu Hause geblieben und das sogar freiwillig. Nach diesem dennoch wunderschönen Abend jedoch fand die Konzertreihe von Februar und März nach sieben erfolgreichen Auftritten einen durch und durch gelungenen Abschluss,
Es war sogar noch halbwegs früh, dass das letzte Konzert vorbei war, man sich von allen verabschiedet und alles Equipment in den Autos verstaut hatte. Wäre dann nicht noch die Abrechnung so komplex gewesen, hätten wir uns bald auf den Weg machen können. Aber es dauerte noch zwei geschlagene Stunden, ehe es soweit war. Und das war noch nicht alles. Wir verloren an jenem Wochenende auch noch eine Stunde zwischen 2 und 3 Uhr. Und dann haben wir uns auch noch in den Kreisverkehren von Cremona verfranst und das trotz GPS! Kaum auf der Autobahn gab es deswegen erst einmal etwas Deftiges zu futtern, einen Kaffee, Nutella-Sticks und das inzwischen schon berühmt-berüchtigte RedBull für die Heimfahrt. Die Fahrt war unproblematisch bis Genua, bis auf einmal mitten auf der Fahrbahn ein totes Reh lag. Hab ich mich erschreckt! Es war so unwirklich, dass ich es erst mal gar nicht glauben konnte. Und dann kam doch noch die Müdigkeit hinzu und ich war mir irgendwann gar nicht mehr sicher, ob ich mir das Reh nicht vielleicht doch nur eingebildet hatte. Es war etwa 7, als wir endlich daheim waren. Meine Schwiegermutter war schon wach und hatte nichts Besseres zu tun als bereits lautstark in der Küche zu arbeiten. Irgendwann war sie sogar am Hämmern, aber dennoch schafften wir es bald in den lang ersehnten Schlaf der Gerechten.
Die Nacht war und blieb kurz, was eigentlich unvernünftig war. Meine bessere Hälfte hatte bereits den Freitag gearbeitet, war dann nahtlos nach Rom zum Konzert, war nachts zurückgefahren (nach Rom sind es immerhin 500km!) und morgens ohne Pause und ohne Schlaf gleich wieder zum Arbeiten gefahren. Und dann von dort nahtlos nach Cremona und wie gesagt noch in der gleichen Nacht zurück. Aber diese eh schon kurze Nacht von Samstag auf Sonntag war dann nach nur drei Stunden Schlaf wieder vorbei, denn wir wollten in die Toskana und konnten es kaum erwarten.
Nach Unmengen von Kaffee setzten wir uns immerhin halbwegs fit aufs Motorrad und düsten zum ersten Mal gemeinsam auf der Maschine in heimische Gefilde. Seitdem weiß ich auch, dass es auf der Autobahn wirklich, wirklich und ich meine WIRKLICH windig wird und dass es kein direkter Genuss ist mit hoher Geschwindigkeit zu fahren. Schon gar nicht, wenn man hinten sitzt und keine Box im Rücken spürt. Deswegen fuhren wir früher ab und kurven den Rest der Strecke auf der Aurelia entlang. Gleich ein völlig anderer Fahrspaß! Ich hatte keine Ahnung, dass die Freundin zu der wir fuhren tatsächlich selbst auf der Aurelia wohnt, und dann auch noch so einen riesen Garten ins schönster Lage hatte! Wow! Hier sollte man wohnen! Hier ließ es sich wunderbar aushalten. Wir grillten über Stunden alles was das Herz begehrt und ich schloss Freundschaft mit einem kleinen Pekinesen namens Romeo, der mir nicht mehr von der Seite wich und am liebsten den ganzen Tag auf meinem Schoß gesessen hätte. Wir genossen das gute Essen, die perfekten Frühlingstemperaturen, toskanischen Wein und dann noch eine Auswahl an mir völlig unbekannten Likören, die es in sich hatten! Aaaaah, was hatte ich den Frühling vermisst! Äußerst gut gelaunt fuhren wir schließlich bei schon sehr tiefstehender Sonne wieder gen Westen. Auf der Aurelia. Bis uns der Feierabendverkehr zu bunt wurde und wir den Rest der Fahrt dann doch wieder auf der Autobahn absolvierten. Hier wurd es kalt. Aber das war egal, denn der Tag war schön gewesen...schön, schön, schön, schön, schööön...



No comments:

Post a Comment