Monday, March 9, 2015

Keine Mimosen für mich...

Wann habe ich zum ersten Mal vom 8. März als Frauentag gehört? Im Jahr 2008. Ich hatte gerade mit Mühe meinen eigenen Myspace-Account erstellt und die ersten internationalen Freunde zusammen, da posten mir auf einmal Anfang März mehrere Menschen Bilder einer gelben Blume auf meine Seite und gratulieren dazu. Ich gebe zu, ich kannte zu dem Zeitpunkt weder den Frauentag noch die Mimose und verstand überhaupt nicht, was es damit auf sich hatte.
Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran, auch wenn ich dem Tag seitdem nie groß Beachtung geschenkt habe. Als ich mal am 8. März mit meiner besseren Hälfte im Restaurant essen war, da erblickte ich fast ausschließlich kleine bis größere Frauengruppen an den Tischen, bis ich aufgeklärt wurde, dass zumindest in Norditalien typischerweise die Frauen in Gruppen mit Freundinnen oder Kolleginnen oder Schwestern etwas unternehmen und dass Männer dabei eigentlich immer unerwünscht seien. Nicht selten, hörte ich darüber hinaus, landeten diese Gruppen dann später in Stripclubs oder auf privaten Feiern mit ähnlichen Angeboten. Unterm Strich offenbar ein Tag, an dem frau mal so richtig die Sau raus ließ. Gut, das war noch nie meins, ich bin nicht so der Frauengruppenmensch, sowas könnte mich nie faszinieren. Überhaupt sehe ich die Frauen in Norditalien derartig dominant, ich habe nicht den Eindruck als müsste so ein Tag überhaupt erst geschaffen werden, damit frau mal Grenzen überschreiten kann.
Und genau da liegt auch das Problem des Ganzen: ich habe mir dann überhaupt erstmal durchgelesen, was es mit dem Frauentag so auf sich hat. Wir reden von einem Zustand von vor über einhundert Jahren, als es um Gleichberechtigung und Wahlrecht ging, um schlechte Arbeitsbedingungen und überhaupt eine völlig andere Gesellschaft als die, die heute in Europa anzutreffen ist. Was hatten die echten Probleme der Frauen von damals mit heutigen Stripclubbesuchen und Saufgelagen zu tun? Rein gar nichts. Und interessanterweise sah ich dieses Jahr zum ersten Mal bewusste Gegenmaßnahmen sowohl von Männern als auch Frauen, die Bilder posteten mit Sprüchen auf Italienisch wie "Denke daran, dass der 8. März ein Gedenktag für eine Schande ist, nicht das Festival der Schlampe!" oder "Ehre und Respekt für die getöteten Textilarbeiterinnen - Verachtung für Tausende von Tussis, die den Tag auf ehrlose Art und Weise feiern", immer passend mit Fotos von der Jahrhundertwende und solchen von Heute unterlegt.
Prompt hat sich eine Freundin beschwert, dass sie heute doch tatsächlich keinen Mimosenstrauß bekommen hätte. Und was das für Geizhälse wären, die Männer. Immerhin wäre Frauentag. Ich musste mich dazu positionieren. Zu keinem Zeitpunkt habe ich gegen Diskriminierung aufgrund meines Geschlechts kämpfen müssen. Ich habe eine gleichwertige Ausbildung bekommen, das gleiche Gehalt, im Gegenteil, in meinen Berufen waren Frauen immer bevorzugt eingestellt, wo auch immer ich war, niemals war mein Geschlecht ein Nachteil, ein Stoppschild oder ein sonstiges Thema mit negativem Vorzeichen. Darüber hinaus habe ich nie etwas als "Frau" geleistet. Ich habe nicht geheiratet, ich habe keine Kinder bekommen, ich habe keine Kinder aufgezogen, ich habe nicht irgendwem zuliebe zurückgesteckt. Ganz salopp gesagt verdiene ich keinerlei Auszeichnung - als "Frau". Als Mensch vielleicht, aber nicht als Frau. Niemand muss mich verehren, weil ich nun mal weiblich bin. Ich habe für nichts gekämpft, bin immer privilegiert gewesen und musste nicht mehr leisten, nur weil ich eine Frau war. Und das gilt auch für meine eingeschnappte Freundin, die sogar noch privilegierter als ich aufgewachsen ist. "Leiste doch erstmal etwas als FRAU, ehe du ein Lob dafür erwartest. Irgendetwas, was ein Mann nicht leisten kann". Und in der Zwischenzeit benimm dich so, dass man dir Respekt zollt, einfach so, ohne besonderen Anlass, einfach als Mensch. Behandle die Männer gut, behandle auch deine Geschlechtsgenossinnen gut und bringe keine Schande über einen Tag, der den Frauen gewidmet ist, die wirklich herausragend haben kämpfen müssen. Und wenn du wirklich heute den Tag der Frauen begehen willst, dann engagiere dich doch vielleicht einfach mal für die Frauen, die heute noch dort stehen, wo wir vor hundert Jahren gestanden haben. Aber erwarte keine Auszeichnung, keine Beweihräucherung oder besonderen Service, nur weil auch DU eine Frau bist. Denn es ist ein Tag für die Gleichberechtigung, ein Tag um auf Missstände aufmerksam zu machen, und kein Tag, um dem eigenen Egoismus und der eigenen Eitelkeit zu frönen...



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