Tuesday, February 17, 2015

Von Nachtschichten, Schneestürmen und Backstagepartys III

Endlich ging es wirklich nach Hause. Kaum auf der Autobahn sollte ich das Ruder übernehmen, aber das war gar nicht so einfach, denn es fand sich einfach kein Rasthof. Das wurd schwierig, denn meine bessere Hälfte war alle paar Minuten ehrlich am Kämpfen gegen den Schlaf. Ich schlug schon vor, dass wir in einer der Haltebuchten einfach schnell halten und die Plätze tauschen, aber das wollte mein Fahrer nicht, das sei zu gefährlich. Bei Piacenza hatten wir einen Nebel, der sich gewaschen hatte! Und dazu lag auf dem freien Gelände auch noch Schnee, es war eine absurde Szenerie! Hätten wir nicht die Strecke auf dem Navi gesehen, hätten wir gar nicht ahnen können, wie die Straße vor uns geformt war. Das waren eindeutig Sichtweiten von unter 50 Metern und auf diese Weise fuhren wir sogar glatt an der ersten Raststelle nach langer Zeit vorbei, denn das Schild sprang erst im letzten Moment ins Blickfeld. Wir mussten also weiter! Nach zwanzig Kilometern Gott sei Dank die nächste Raststelle. Wir parkten einsam auf weiter Flur mitten im Schnee und folgten halb blind den Leuchtbuchstaben des Autogrills. Erst mal einen Kaffee und dann auch gleich noch ein RedBull, die Nacht war noch lang. Ich setzte mich endlich ans Steuer und fuhr zurück auf die Autobahn, die nach einigen Kilometern immerhin keinen Nebel mehr hatte. Dafür fing es an zu regnen und zu allem Übel ging auch langsam der Akku im Handy mit dem Navi leer. Das konnte heiter werden! Ich legte einen Zahn zu, um wenigstens noch die Autobahn gewechselt zu haben, ehe ich blind weiterfahren musste. Fast eine Stunde lang ging das noch gut, dann ging der Regen gaaaanz langsam in Schnee über. Mutig weiter, dachte ich mir, ehe der Schnee sichtbar liegen blieb und überdimensionale Flocken von allen Seiten kamen. Immerhin stand auch bald der Autobahnwechsel an und ich weckte lieber mal meine bessere Hälfte neben mir, damit er bestätigen konnte, dass wir noch auf der richtigen Strecke waren. Kaum öffnete er die Augen, kam ein nur halb waches, aber ziemlich entsetztes "Schneee! Schneee! Du musst anhalten!" Ja, ich sah auch, dass das Schnee war und nicht gerade wenig, aber ich konnte unmöglich hier mitten auf der Strecke anhalten, auch wenn weit und breit kein Auto unterwegs war, außer ein paar Räum- und Streufahrzeugen. "Nein, nein, fahr hier einfach rechts ran und anhalten!" Na gut, was vorher noch nicht einmal in einer Haltebucht genehm war, taten wir nun mitten auf freier Strecke auf dem Standstreifen. Und dann war auch das Navi am Ende. Im Schneckentempo ging es weiter, selten hatte ich auf einer Autobahn so viel Schnee liegen sehen. Die linken Spuren waren schnell ganz verschwunden, rechts waren immerhin Reifenspuren zu erkennen, also waren hier auch vor uns Autos gefahren. Irgendwann waren sogar LKWs zu sehen, obwohl im Radio und auf Leuchttafeln nun zu erfahren war, dass LKWs von über 7.5 Tonnen nicht weiter fahren durften. Uns überholte sogar die Polizei, die wir nach einigen Kilometern in einer Straßensperre wieder trafen. Sie winkten alles vor uns von der Fahrbahn und bereitwillig wollten auch wir auf die Seite rollen, aber uns signalisierte man weiter zu fahren. Och nee, die LKWs hatten uns immerhin noch den Weg freigehalten, jetzt waren wir ganz allein auf weiter Flur und durften sehen, wie wir den Weg fanden. Wir fuhren der Einfachheit halber einfach in der Mitte der Autobahn und zwar so langsam, dass wir sicher sein konnten, dass die 6:50 Ankunftszeit der Vergangenheit angehörte. Es wurde 5 und es wurde 6 Uhr und irgendwann übernahm ich wieder das Steuer, denn zumindest war die Strecke nicht glatt geworden. Als Genua in Sicht kam, hörte der Schnee ganz langsam auf, dafür graute schon der Morgen über dem Meer. Was für eine Nacht! Es war 7:15, als ich die letzten Meter zum Haus fuhr und fühlte mich ehrlich gesagt ziemlich verarscht, dass genau in dem Moment auch noch die Straßenlampen - schnips - ausgemacht wurden! Um 7:30 nahm ich meinen Hund auf eine letzte bzw erste Gassitour durch den morgenlichen Ort und war um Punkt 8 dann endlich, endlich, endlich im Bett! Viel später am Tag hörte ich, dass auch die anderen Autos erst gegen Nebel, dann gegen Regen und Schnee kämpfen mussten und der Großteil der Mitfahrenden eh laut am Schnarchen gewesen war. Um 7 Uhr hatten sie in Pisa dann Kaffee getrunken und um 9 mehr oder weniger Florenz erreicht. Den Sonntag konnten wir, glaube ich, alle in die Tonne treten...



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