Thursday, February 19, 2015

Genoveser Allerlei...

Das hat man von den ganzen Unternehmungen außer Haus: man kommt kaum noch mit der Arbeit hinterher! Gestern hatte ich mir extra den Wecker auf 6:30 gestellt, um mein Pensum etwas zu erhöhen, denn der Februar ist kurz! Und was tue ich - schlafe friedlich bis 8:30 weiter. Argh! In Ordnung, ich glaube ja an Schicksal, also gab es dafür vermutlich ein tieferen Grund als einfach nur einen gesegneten Schlaf. Zunächst einmal sagte ich beim Integrationskurs ab, auch wenn es mir leid tat und ich eigentlich auch mit den Organisatoren über einen Englischkurs hatte sprechen wollen. Ging halt nicht. Dafür habe ich mal richtig rangeklotzt und sowohl Haushalt als auch Arbeit mit einer langen to-do-Liste versehen und diese kontinuierlich abgearbeitet.
Immerhin habe ich einen persönlichen Sieg zu verbuchen: ich habe genau 10kg abgenommen seit Burnoutzeiten. Weitere fünf sollen es noch werden, aber zehn sind schon mal eine stramme Leistung, wenn ich bedenke, dass ich sie gut drei Jahre lang mit mir herum getragen hatte. Und seit kurzem habe ich eine neue Kooperation und Zusammenarbeit mit der niederländischen Seite learndutch.org. Ich freue mich total auf das Videoprojekt und bin gespannt, was sich noch ergeben wird.
Würde man nicht immer von neuen Problemen abgelenkt, könnte ich eh noch mehr leisten. Gestern zB. hatten wir auf einmal mitten am Vormittag kein Wasser. Das brachte meinen ganzen Zeitplan durcheinander. Ich konnte mich nicht fertigmachen und konnte auch - was noch schlimmer war - nicht einmal was trinken oder Kaffee kochen. Der Hund hatte nichts zu trinken und Essen machen war auch nicht drin. Wir fragten schnell in der Nachbarschaft herum, und Gott sei Dank hatte niemand Wasser. Es war also ein allgemeines Problem und würde vermutlich dann so schnell wie möglich gelöst werden. Ich kam nicht drum herum, ehe ich arbeiten konnte, musste ich in den Supermarkt und Wasser kaufen. Ich würde mich beeilen und dann endlich - aber wo waren die Autoschlüssel?! Die hatte meine bessere Hälfte versehentlich mitgenommen! Toll, also musste ich den Bus nehmen, auch das noch! Umgeben von unzähligen kleinen Menschen hörte ich jede Menge Gespräche mit - niemand hatte hier Wasser und alle waren sie mehr oder weniger auf dem Weg in den Supermarkt, um für schnelle Abhilfe zu sorgen! Ich dachte allen voran an meinen Hund und ahnte, ich würde schnell sein müssen um noch einige Flaschen abzubekommen, wenn hier jeder shoppte! Gut, dass ich so viel größer war! Mit ein paar Schritten war ich beim Aussteigen an den anderen vorbei gelaufen und hetzte gleich zum Wasserregal, um ein großes Sixpack zu schnappen. Alles war schon ordentlich leergekauft und ich klopfte mir gedanklich auf die Schulter dafür, dass ich gleich losgefahren war. Nichts wie zurück und dann endlich an die Arbeit!
Kaum angekommen, klingelte es auf einmal. Ein Mann stand vor der Tür und ich überließ es meinem Schwiegervater, ihn wegzuschicken. Aber nein, ich hörte, wie der Mann ins Haus gelassen wurde und dann auf dem Sofa im Wohnzimmer Platz nahm. "Wo kommen Sie her? Ah, aus der Toskana?", fragte er. Wer war der Typ? Machte er eine Umfrage? "Und fühlen Sie sich hier wohl in Genua?" - "Insomma", log mein Schwiegervater. Dann war es also zumindest kein Makler. Aber was wollte der Kerl? Das Gespräch ging über zum Thema Beten und Himmel. Oyyy, ein Zeuge Jehovas! Sollte ich meinem Schwiegervater helfen, den Mann wieder aus dem Haus zu bekommen? Ludwig krümmte zumindest keinen Finger! Beim Postboten rastet er immer aus, aber diesen seltsamen Mann ließ er ins Haus kommen, ohne auch nur einmal zu bellen oder aufzustehen. Taugte auch nicht als Wachhund, mein Sohn! Dabei hatte sich der Mann schon erschreckt, als er Ludwig erblickt hatte und auf seinen Schrei hin rechnete ich mit einem wilden Gebell. Nein, mein Sohn schaute nur kurz hin und legte sich dann in die Sonne! Später erfuhr ich, dass es doch kein Zeuge Jehovas gewesen war, sondern der örtliche Pfarrer. Was hatte er gewollt?! Er hat das Haus gesegnet! Hoppla, sowas gab es? Ja, angeblich in ganz Italien, behauptete meine Freundin Maria. Noch nie hatte ich sowas mitbekommen, dabei hab ich auch zwei Jahre in der Toskana auf dem Buckel.
All die Segnerei half jedenfalls nichts gegen die Mäuse! Im Dezember hatten wir hier schon eine wirklich sehr süße Maus gesehen, Tage später gefangen und seeehr weeeit weg ausgesetzt. Vor kurzem wussten wir, jetzt waren inzwischen zwei da! Eine graue und eine fast schwarze Maus. Die dunkle sah ich in der Spüle sitzen, mitten in der Nacht und ich hielt sie für ein schwarzes Ei, so winzig war sie. Und auch sehr schnell! Noch ehe ich "TOPO!" schreien konnte, war sie verschwunden. Dafür sah ich zwei Nächte hintereinander die graue Maus vor meinen Augen das Bad durchqueren und zwar von hinter der Waschmaschine rüber zur Tür und dann unter der Tür durchgequetscht. Och Mensch! Als Tiere sehr süß, aber diese Mäuse können nicht im Haus bleiben, das geht einfach nicht! Ich denke nur nicht, dass sie sich überzeugen lassen werden freiwillig zu gehen. Hier ist es schön warm und es gibt überall Unmengen von Essen, hier würde ich als Maus auch bleiben und den Winter durchfeiern.
Apropos feiern: das Feiern haben wir auch noch nicht aufgegeben, am Montag waren wir lecker essen, nur meine bessere Hälfte und ich. Wir hatten nämlich 6jähriges Jubiläum! Es war gar nicht so einfach, ein geöffnetes Restaurant an einem Montag zu finden und so landeten wir mitten in Genua in einer typischen neapolitanischen Pizzeria. Der Unterschied zwischen drinnen - Pizzeria - und draußen - Genua - war ähnlich groß wie er bei drinnen Pizzeria und draußen Deutschland gewesen wäre, optisch, sprachlich, vom Temperament her, alles eben. Und Typen saßen da drinnen, malerisch! War sicher alles Familie...Zumindest gaben sie uns erstmal jedem ein Glas Champagner aufs Haus und dann aßen wir wirklich gute Pizza, so groß, dass ich sie fast nicht gepackt hätte. Dazu dann noch ein halber Liter Rotwein für jeden, es war eine tolle Party, aber leider konnte ich den Nachtisch nicht mehr angehen, auch wenn es höchst ansprechende neapolitanische Desserts gab, deren Namen ich kaum aussprechen konnte. Nicht mal für einen Kaffee war noch Platz im Magen, dabei wäre das eine Möglichkeit gewesen mal ungestört einen caffè zu trinken. Wieso? Bei uns daheim hat meine Schwiegermutter jetzt angefangen unseren angeblich so ausschweifenden Kaffeekonsum zu kommentieren. Erstens - wieso jetzt nach so vielen Monaten? Zweitens - wie kann sie wissen, wie viel Kaffee wir trinken? Drittens - was fällt ihr eigentlich ein?! So oder so ging sie mir auch gestern Morgen wahnsinnig auf die Nerven, als ich mir um 8 Uhr morgens ungestört und in Ruhe einen Kaffee hatte machen wollen. Während ich das Pulver in den Filter abmaß, erzählte sie mir dann mit blumiger Sprache, dass sie früher auch Kaffee ohne Ende konsumiert hätte und es hätte ihr auch nie etwas ausgemacht, bis sie sich eines Tages unglaublich schlecht gefühlt hätte und daraufhin für vierzig Tage und vierzig Nächte nicht geschlafen hätte! Die Geschichte klang eher nach Bibelepisode oder Heldenepos als nach tatsächlich erlebt und dementsprechend habe ich sie auch nicht kommentiert, sondern einfach weiter meinen Kaffee gebraut. Ich hörte dann noch unbeteiligt, dass sie dann ins Krankenhaus gekommen wäre und man hätte festgestellt, sie wäre von Kopf bis Fuß voller Koffein und dann hätte sie ein Mittel bekommen, das man eigentlich Pferden verabreicht und...das war ja schlimmer als Münchhausen! Meine bessere Hälfte meinte am Abend, als ich ihm davon berichtete, dass das damals gewesen sein muss, als gleichzeitig auch die Alieninvasion in der Toskana stattgefunden hatte und über Jahre hinweg nur noch Kinder mit zehn Augen und zehn Armen geboren worden waren.
Sagte ich schon mal, dass ich plane ein Buch über die Zeit mit den Schwiegereltern zu schreiben? An Material mangelt es jedenfalls nicht...



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