Thursday, January 22, 2015

Es schneit, aber sonst fast alles normal...

Ja, tatsächlich, es hat geschneit! Ich wollte meinen Augen nicht trauen, ich wollte auch meinen anderen Sinnesorganen nicht trauen, aber ich musste es wohl oder übel akzeptieren. Letzte Woche hätte ich ja fast schon den Frühling eingeläutet und während in Deutschland alle froren, prahlte ich hier mit strahlend blauem Himmel und Sonnenstunden im Pullover draußen im Garten. Damit ist es nichts mehr. Rechtzeitig zum Wochenbeginn auf einmal klirrende Kälte! Eisige Kälte! Schneidende Kälte! Und gestern dann das volle Programm: Regen, dazu Sturm und dann noch über Stunden hinweg ein rumpelndes Gewitter. Es wurde so kalt, dass sehr bald der Regen zu Schnee wurd und ich mit offenem Mund am Fenster stand. Neeeeiiiiiin, kein Schneeeeee! Das passt hier nicht, das legt alles lahm und außerdem war doch schon fast Frühling! Der Hund wollte dennoch raus. Und weil der Schnee so schön im Fell hängen bleibt, zog ich ihm kurzerhand nicht das Cape, sondern den Bademantel an. Und ich selbst hatte fünf Schichten Kleidung übereinander an, Shirt, Pullover, Daunenmantel, Poncho und noch eine Schicht aus einem überdimensionalen Schal. Und fror noch immer! Regenschirm in der einen Hand, Leine in der anderen, die eiskalten Flocken kamen von allen Seiten auch unter den Schirm geflogen und der Wind war scharf wie nie! Zum ersten Mal jemals hörte ich ein knisterndes Geräusch von Schneeflocken, die auf dem Gras und auf den Blättern landeten, so gefroren war alles. Ludwig war außer sich vor Begeisterung, Schnee hatte er noch nie gesehen und er schleppte mich im Zickzackkurs von A nach B. Nach nur fünf Minuten fühlte ich meine Hände nicht mehr, der Schirm war zu schwer zu halten in dem Sturm und ich hatte das Gefühl eine grauenvolle Kondition zu haben, als ich mühsam hinter meinem Hund herruderte. War wahrscheinlich ein Bild für die Götter! Ludwig meinte dann auch noch, es sei eine gute Idee sich im nassen Matsch zu wälzen und nur mit größter Mühe bekam ich ihn aus einer Kuhle heraus, in der sich Blätter mit Schnee und Erde vermischt hatten. Blöder Schirm! Kurzerhand klappte ich ihn zusammen und klemmte ihn unter den Arm, die Haare waren eh schon nass und in der ganzen Bewegung war mir einer meiner Schals langsam das Gesicht hoch gewandert und ich konnte kaum noch was sehen. Nun denn, es war ja kein Catwalk hier. Das war ein Marsch unter erschwerten Bedingungen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, mit allen Händen voll und Schnee, der in den Kragen fiel. Brrrr! Hoffentlich sah mich keiner, wie ich da am kämpfen war. In der Tat war niemand draußen, warum auch. Jeder ließ die Hunde schnell ihr Geschäft erledigen und dann nichts wie heim in die warmen vier Wände. Als Ludwig sich auch endlich entschieden hatte, auf der Straße ein großes Statement zu hinterlassen, kramte ich mit größter Mühe in meiner Manteltasche nach einer Haufentüte und hob das Präsent vom Boden auf. Oooooh, es war warm!!! Ich war inzwischen so tief gesunken, dass ich die Tüte mit dem Haufen noch fast bis zur Haustür mit zurück nahm, denn sie wärmte die Eiszapfen, die mal meine Finger gewesen waren. Ja, man glaubt es manchmal nicht, worüber man sich alles so freut, wenn die Zeiten extrem sind.
Heute steht endlich die Sonne wieder am Himmel und man fühlt sich wieder als Mensch, wenn man draußen ist. Ich war ganz gesittet im Integrationskurs und freute mich wie blöde, als ich dort zum ersten Mal auf eine Deutsche traf. Ja, hier im Dorf, hier draußen, auf einmal eine wie ich: etwa in meinem Alter, blond, mit italienischem Verlobten, den Schwiegereltern im Haus und dem üblichen Schimmel hier und da und einem großen Hund, weshalb sie niemals im Zentrum hätten wohnen wollen. Als ich freudestrahlend meiner besseren Hälfte von diesem Neuzugang berichtet habe, der mit mir so viel gemein hatte, meinte er "Ach Bubi, du hast vor einem Spiegel gesessen!!" Neeeeiiiin, habe ich nicht! :D



1 comment:

  1. Hier in New York, das Wetter ist das gleiche. Der Schnee ist so viel, und dann verschwindet sie und die Sonne kommt heraus. Das Sonne fühlt sich so gut an einem warmen Tag. Ich wollte schon immer nach Deutschland zu besuchen.

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