Saturday, January 10, 2015

Auf dem Amt...

Immer wieder tauchen Fragen auf bezüglich meiner Erfahrungen mit der italienischen Bürokratie. Hier und da hab ich immer wieder was dazu geschrieben, aber ich möchte hervorheben, dass ich besonders in Genua erstaunlich positiv überrascht bin, was Ämter angeht. Bislang bin ich ausnahmslos auf freundliche, gut gelaunte, informierte, bemühte und jetzt kommt's - kompetente! - Menschen gestoßen. Menschen, die in ihren Büros waren, wenn sie es sein sollten, die die Wartenden nicht ewig warten ließen, die versuchten Lösungen für und Antworten auf alle möglichen und unmöglichen Fragen zu finden. Das fing schon damit an, dass die Comune hier sehr gut organisiert ist. Man betritt ein riesen Gebäude und unten stehen gleich Mitarbeiter bereit, die fragen, welches Anliegen man hat, dann ziehen sie einem eine Wartenummer aus dem Kasten, farblich sortiert nach Betreff und sagen, in welchem Flur man das entsprechende Büro findet. Dort wartet dann eine Schlange, die entweder lang ist und sich schnell verkürzt oder aber manchmal auch nur eine Handvoll Personen. Über einen Monitor wird die nächste Nummer aufgerufen und der entsprechende Schalter dazu aufgezeigt. Ich rechnete ja wie immer mit dem Schlimmsten, aber niemand war überraschter als ich, als ich richtig denkende Menschen auf der anderen Seite der Schreibtische antraf. Menschen, die einem entgegen kamen, die einige Formulare eben schnell selbst ausfüllten oder eben schnell selbst nach den Stempeln suchten oder die das eigene Formular auch mal eben beiseite legten, um sich selbst um die rasche Bearbeitung zu kümmern. Und als ich bei meiner Aufenthaltsgenehmigung zweimal nicht daheim angetroffen wurde, da bekam ich einen Termin, bei dem der ganze Vorgang innerhalb einer Minute bearbeitet und bestätigt wurde. Und zwar mit den folgenden Worten: "Dann sparen Sie sich noch einen weiteren Gang hier!" Wahnsinn! Das war richtiger Kundenservice, keine Paragrafenreiterei. Und als ich mir dann einen Ausweis hab ausstellen lassen, da gab es erneut so eine Situation. Ich glaubte ja, man würde erst mal den Antrag stellen und dann müsste man zig mal wieder aufkreuzen, weil irgendwas nicht geht und nach vielen Monaten dann erhielte man womöglich endlich das erwünschte Dokument. Nein, das gewünschte Objekt wurde gleich gesucht und dann sehr freundlich mit mir zusammen ausgefüllt. "Haarfarbe? Blond!" sagte die Bearbeiterin zu sich selbst. "Augenfarbe? Blau?" - "Nein, grün." - "Ah schade, ich hätte so gerne mal Augenfarbe blau ausgefüllt." lachte sie. "Und wie groß sind Sie?" - "1,72" - "Ooooh, das ist sehr groß!" kam da regelrecht andächtig von der anderen Seite der Scheibe. "Naja...", meinte ich, aber als die Dame von ihrem Schalter aufstand, um meinen Pass zu kopieren, da wackelte sie gut auf Ellenbogenhöhe an mir vorbei. In Ordnung, in Ordnung, dann ließ ich "sehr groß" mal gelten. Nach nur zehn Minuten hielt ich einen italienischen Ausweis in Händen, mit Foto, Stempeln und allem Drum und Dran. Meine bessere Hälfte hatte derweil ein Problem mit seinen Scheidungspapieren an einem anderen Schalter und kam frustriert zu mir, als ich gerade meine Sachen einpackte. Draußen fluchte er lautstark über die üble Bürokratie und just in dem Moment kam eine Mitarbeiterin raus, die ich an einem Nachbarschalter gesehen hatte, um eine Zigarette zu rauchen. Sie hörte uns zu und meinte "Ihr habt vollkommen recht, es ist echt zum kotzen!" Wir waren erstaunt. "Nein, im Ernst, es ist ein Krampf hier zu arbeiten. Alle paar Wochen ändern sich Gesetze und Bestimmungen und dann kommt unsereins morgens zur Arbeit und muss dann mal sehen, wie er klar kommt. Heute Morgen zum Beispiel, schon wieder eine Veränderung! Da blickt kein Mensch mehr durch. Und überhaupt - nichts ist durchdacht und man sollte meinen, dass im 21. Jahrhundert auch alles online erledigt werden kann. Theoretisch kann man das auch, aber es funktioniert trotzdem nicht. Ich sag ja, ich bin völlig auf eurer Seite!" Hoppla, das war ja was. Fast wollte ich betonen, dass ich jetzt eigentlich nur sehr gute Erfahrungen gemacht hatte, aber ich musste genau hinsehen: es war so gut gelaufen, weil jegliche Mitarbeiter so ungemein kooperativ gewesen waren. Und nicht, weil etwa die Bürokratie nicht dagewesen wäre. Dennoch, solche Personen in den Ämtern, die selbstständig denken können und wollen, die machen hier wirklich den Unterschied...



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