Tuesday, January 6, 2015

Ab jetzt alles besser...

Kaum habe ich so viele negative Schlusskommentare über ein Jahr gehört wie über 2014. Und zwar länderübergreifend! Von "war eindeutig nicht mein Jahr" bis hin zu "anno di merda!" Ich persönlich hatte einen sehr positiven Schlussstrich unter das Jahr gezogen, war mit meiner eigenen Leistung durch die Bank zufrieden, auch wenn ich natürlich wie immer hätte noch mehr schaffen können. Und so sind meine Erwartungen für 2015 dementsprechend ehrgeizig. Ich hoffe auf günstige Begebenheiten, weiß aber auch, dass es zum Löwenanteil an mir liegen wird aus Möglichkeiten alles zu schöpfen, was machbar ist, Geduld zu beweisen, Disziplin zu zeigen so oft es geht. Und dann mal sehen.
Am 31. Dezember war ein ziemliches Gewusel überall zu sehen. Die Straßen waren voll von Menschen, die noch eben schnell etwas zu erledigen hatten und das waren größtenteils Einkäufe. Auch ich machte mich mitsamt Schwiegermutter auf den Weg um noch eben schnell den Supermarkt leerzukaufen, immerhin hatten wir einen ganzen Feiertag vor der Tür und drohten bis dahin elendig zu verhungern. Spumante, Wein, ein Braten, Zutaten für einen Neujahrskuchen, dies und das und dann natürlich ganz essentiell: Linsen! Sie stehen auf jeden Fall auf dem Silvestermenü, weil sie finanziellen Reichtum im neuen Jahr bringen sollen. In den letzten Jahren hatte ich tüchtig Linsen zur Jahreswende gegessen, aber es hatte mir nie den Reichtum gebracht, den es eigentlich versprochen hatte. Und so sagte ich ziemlich schnell, als meine Schwiegermutter meinte, wir müssten schnell noch eine Packung Linsen kaufen: "Ma non funziona!" ("Es funktioniert nicht!). Okay, gab sie zu, so richtig durchschlagend sei der Erfolg der Linsen nie gewesen, aber man könnte auch nicht riskieren das Glück herauszufordern, indem man sie dieses Jahr nicht isst. Also musste ich doch zum Regal mit den Hülsenfrüchten. Und siehe da, hier stand beinahe eine Schlage an Kunden! Eine Person kramte mit größter Mühe auf dem Regalbrett mit den Linsen und musste schon ganz nach hinten langen, wo die letzten Packungen lagen, während Erbsen, Bohnen und alles andere in diesen Tagen völlig unbeachtet blieben. Ein Paar stand dahinter und sprang als nächste hoch um sich den Reichtum noch zu sichern und dann war ich dran. Ich musste nicht springen, weil ich wesentlich größer war als die Kunden vor mir, aber ich hatte fast den Eindruck als hätte ich tatsächlich die letzte Packung des Geschäfts bekommen und das konnte hässlich werden, sobald die nächsten hier ihr Glück versuchen würden; immerhin sind die Italiener meiner Erfahrung nach unglaublich abergläubisch. Des Weiteren schienen Unmengen an Datteln und Feigen verkauft zu werden und auch hier langte ich zu, wenn auch rein aus persönlichem Geschmack denn aus Tradition. Meine Schwiegermutter wünschte gerade dem Metzger hinter dem Tresen ein gutes, neues Jahr und dieser meinte nur sarkastisch: "Lassen Sie uns mal hoffen, dass es wenigstens nicht noch schlimmer wird, Signora!" Oje, so ein Pessimismus.
Dabei sind die Genovesi tatsächlich hart im Nehmen. Was mich nämlich bei meiner Rückkehr diesmal absolut sprachlos vor Entsetzen gemacht hat, war der Schimmelbefall im Haus. An Wänden, Decken, Holzmöbeln, ein dichter grauer Schleier oder wahlweise auch dichte Haufen von schwarzen Flecken zierten alles, was auf den ersten Blick sichtbar war. So etwas hatte ich noch nie gesehen, sowas wollte ich auch nie wieder sehen! Ich beschuldigte mal wieder die Schwiegerfamilie, die sich offenbar nicht ausreichend um das Haus gekümmert hatte in meiner Abwesenheit, aber kaum beklagte ich mein Elend laut, kamen von allen Seiten Stimmen von Genovesi, die sagten, das sähe bei ihnen kein Deut besser aus! So etwas konnte doch gar nicht sein, so kann doch kein Mensch leben! Kaum waren wir im Baumarkt, um sämtliche Produkte zur Elimination von Schimmel zu erwerben, standen wir noch im Eingangsbereich vor meterlangen Reihen an Antischimmel-Farbe, Antischimmel-Silikon, Antischimmel-Spray und Dutzenden von Varianten an Luftentfeuchtern, die sicherlich keinerlei Effekt hatten. Völlig erschlagen standen wir kopfschüttelnd vor dem Angebot und mussten schließlich einen Angestellten fragen. "Wie sieht euer Schimmel aus - grün, grau, schwarz? Flecken oder pelzig? Ist die Wand drumherum gelb und nass? Was ist befallen, nur die Wände und Decken oder auch Geschirr und Kleidung?" Das klang nach absoluter Routine! "Grau und schwarz ist unser Schimmel und nein, die Wände sind nicht nass und gelb." - "Ah ja, den gleichen Schimmel habe ich auch daheim! Also wenn ich euch was raten darf, wartet bis zum Frühling, ehe ihr die Wände mit Antischimmel-Farbe streicht. Das lohnt sich jetzt noch nicht. Ich streiche auch nichts bis dahin." Ja, wie und bis dahin sollten wir mit diesen Schimmelwänden leben und auch diesen Gestank der Feuchtigkeit einfach hinnehmen? "Nee, hier, bis dahin nehmt eins der Antischimmel-Sprays, egal welche Marke, ist alles eh auf Chlorbasis!"
Okay, einen Pluspunkt hatte diese Erfahrung: ich wusste, dass es nicht unser eigenes Verschulden war, dass das Haus so aussah, wie es gerade aussah. Den Schimmel hatte jetzt jeder hier, sogar dieser Angestellte des Baumarktes, der mit Sicherheit eine Lösung gekannt hätte, wenn es diese gegeben hätte. Aber das war auch gleich schon die schockierende Erkenntnis des Tages: wie konnte es sein, dass eine ganze Stadt mit Schimmel im Haus lebt, als wäre es nur ein kleiner Schönheitsfehler? Und wie konnte es sein, dass man dafür keine Lösung fand? Und wieso sollte man Antischimmel-Farbe kaufen, wenn man, wie dieser Angestellte andeutete, doch jedes Jahr aufs Neue wieder würde streichen müssen? "Che città di merda" schimpfte meine bessere Hälfte zum x-ten Mal, als wir ziemlich sprachlos wieder nach Hause fuhren. Den Rest des Tages verbrachten wir immerhin damit, alle Wände, Decken und Möbel mit Spray zu bearbeiten, so dass wenigstens das scheußliche Grau und das Schwarz verschwunden waren. Und dann den Luftentfeuchter auf Hochtouren laufen lassen, Stunden über Stunden über Stunden, und die Fenster alle auf und ins Bett nur noch mit Heizdecke gegen die klamme Bettwäsche. Auweia...



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