Saturday, November 29, 2014

November Fragen III

- "Ich les mehrfach das Genua ein Feuchtigkeitsproblem hat. Was muß man sich darunter vorstellen?"

In der Tat scheint das gesamte Terrain, auf dem Genua erbaut ist, ein unglaublich feuchtes zu sein. Ich kann mir das gar nicht erklären; die Toskana ist nur etwa 100km entfernt und auf demselben Küstenstreifen, aber Feuchtigkeit gehörte Gott sei Dank dort nicht zu den Problemen. Dass einige Wände schnell feucht wurden, haben wir noch im Sommer gemerkt, aber ein paar Arbeiten am Haus, gut durchgeheizt und ich glaubte, das Problem gehörte der Vergangenheit an. Leider nein! Wäsche wurd kaum trocken und hin und wieder bildete sich Schimmel, gerade im Bad. Ich hatte bereits das Haus verdammt, ehe ich sah, dass gerade zum Herbst hin die Supermärkte und Baumärkte unglaubliche Mengen an Entfeuchtern, Antischimmelsprays und Antischimmelfarbe anboten. So große Mengen, dass es kein Zufall sein konnte.
Je mehr Menschen ich hier kennen lernte, um so öfter erwähnte ich unser Feuchtigkeitsproblem, immer mit etwas Scham im Ton, aber ausnahmslos jeder sagte mir: "Ja, das ist Genua! Wir haben das gleiche Problem!" Das Ende der Geschichte war nun, dass absolut jeder hier mit der Feuchtigkeit und ihren Folgen zu kämpfen hat. Selbst Häuser, die neu sind und Häuser, an denen bewusst viel renoviert worden ist. Die letzte Bestätigung war, als ich mich zu dem Thema bei meiner Freundin Irene ausgeweint habe. Ihre Reaktion: "Was soll ich sagen, letztes Jahr ist meine Matratze verschimmelt! Ich musste das ganze Bett austauschen und unsere Lösung bislang ist, dass wir jetzt eine Heizdecke im Bett haben. Das killt die Feuchtigkeit ein wenig!" Hoppla, in Ordnung! Wenn nicht einmal jemand Reiches wie Zuccheros Tochter in einer feuchtigkeitsfreien Umgebung lebt, dann kann ich wirklich nicht mehr unser Haus beschuldigen. "Ts, jeden Frühling arbeite ich wie eine Blöde daran, die Wände mit Antischimmelfarbe zu bearbeiten! Meine Klamotten im Schrank sind allesamt klamm und regelmäßig hab ich den Schimmel auf Lederjacken und Gürteln sitzen!" Okay, okay, ich hatte es verstanden!
Aber - und die Frage stellte ich gleich hinterher - wie kann es sein, dass hier immer noch Leute wohnen? Und auch Leute, die meinetwegen Häuser von 1 oder 2 Millionen Euro bewohnen? Warum zieht man nicht weg, wenn man hier fast im Sumpf wohnt? Anfang der Woche war ich im hiesigen Rotary Club. Vielleicht hätte ich die Leute da grad mal befragen sollen, denn das nötige Kleingeld werden die gehabt haben.
Was tut man also? Ich hatte noch gehofft, dass die Heizung etwas ausrichten könnte. Tat sie auch, aber nur am Anfang. Inzwischen ist es so, dass die Feuchtigkeit nur aufgeheizt wird und man kommt sich wie in der Sauna vor. Dann lasse ich laufend den Entfeuchter laufen, aber der kann auch nur ein Zimmer auf einmal bearbeiten und bei dem Dauerregen der letzten Tage hilft auch der beste Entfeuchter nichts. Meine neueste Lösung: Kerzen! Das gute, alte Feuer! Ganze 10 Kerzen brennen nun im Schlafzimmer und ich muss sagen, dass ich zum ersten Mal das Gefühl habe, als sei das Bettzeug weniger klamm. Wie gut, dass ich mit einem riesen Vorrat Kerzen hergezogen bin - der wird jetzt nach und nach abgebrannt.



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