Friday, November 21, 2014

Disziplin und Ordnung...

Ja, zwei Begriffe, die man noch nie, aber noch wirklich nie mit mir in Verbindung gebracht hat. Dabei denkt man doch sogleich an die preußischen Tugenden, die mir rein genetisch doch irgendwie liegen müssten. Nun ja, ich bin irgendwie dabei sie gerade zu entwickeln und verstehe auch nicht, was mit mir los ist. Ich bin ein Chaot und Dünnbrettbohrer, disziplinlos und nur mit wenig Kampfgeist versehen und sobald es anstrengend wird, gebe ich ein Unternehmen gerne auf und dreh mich lieber noch einmal im Bett auf die andere Seite. Bislang! Denn jetzt ist alles anders. Sogar die ekelhaftesten Routinen, wie das Putzen oder eingebranntes Fett aus Pfannen zu kratzen, führe ich ohne Nörgeln oder große Ausflüchte aus. Und sogar so völlig unsinnige Aufgaben, wie Betten zu machen, die nach wenigen Stunden schon wieder benutzt werden, stehen seit einigen Wochen ganz oben auf meiner Liste. Ist mir langweilig?! Mitnichten. Aber irgendwie habe ich mir endlich verklickern können, dass man ohne Disziplin keinen wirklichen Meter voran kommt. Und ich habe viele, viele Negativbeispiele vor Augen von Menschen, die um keine Ausrede verlegen sind, warum sie nach einer Dekade immer noch nicht den Englischkurs belegt haben, den sie theoretisch schon so lange belegen wollen und Menschen, die eigentlich immer mal selbst kochen wollten, aber dann doch lieber schnell zum Drive-in fahren, oder Menschen, die sich beschweren, weil sie nach soundsovielen Jahren der Arbeit immer noch keinen Cent angespart haben oder noch nicht entdeckt worden sind oder dies noch nicht können oder das noch nicht können. Die im Chaos leben, sich selbst nicht kennen oder auch nach zwanzig Jahren mit ein und demselben Problem immer noch keine Weiterentwicklung durchgemacht haben. Und immer sind die anderen schuld. Das mag ja auch sein, die anderen sind sicherlich schuld an diversen schlechten Dingen, die uns ständig widerfahren, aber viele erfahren gar nicht erst, wie viel man tatsächlich verändern kann, wenn man sich an die eigene Nase fasst und sich mal selbst weiterentwickelt. Ohne Wenn und ohne Aber. Und das Wenn und das Aber waren bei mir in der Tat Disziplin und Ordnung. Und wenn ich nicht so enden wollte, wie die anderen Lamentierer, dann mussten Disziplin und Ordnung gleich her. Jetzt sofort, nicht erst morgen! Damit hatte ich mir ordentlich was eingebrockt, denn jetzt komme ich aus der Nummer nicht mehr heraus. Aber es fühlt sich gut an! Und man ist überrascht, was man alles leisten kann, wenn man sich nur zwingt. Das fängt damit an, dass ich Nachteule und Langschläfer um 7 Uhr einen Wecker habe und wehe, ich stehe dann nicht auf! Denn dann kann ich sehr ungemütlich mit mir werden und mir womöglich noch Extraaufgaben zur Strafe aufbrummen! Ich scheuche mich ins Bad und lege dann sofort mit der Arbeit los. Und das Ergebnis lege ich mir selbst schließlich zur Bewertung vor und muss diese dann abnicken oder erwarte von mir, dass noch mal nachgebessert wird. Und bin regelrecht stolz, wenn ich mich dann selbst loben muss. Und ich sehe auch gleich ein, falls ich mich selbst dann kritisiere und gelobe sofort Besserung! Seitdem das so läuft, hat jeder Tag 24 Punkte, die es zu erledigen gilt, für jede Stunde des Tages einen. Und 20 davon müssen erledigt sein, ehe der Tag vorbei ist, ich bin ja kein Unmensch und erwarte nicht gleich 100%. Aber darunter gibt es keine Diskussionen. Klingt schizophren? Nun ja, psychologisch betrachtet spaltet es sich in "Über-Ich" und "Es" auf, die strenge Erwartungsseite und die faule Triebseite und ja, das sind wirklich so grundverschiedene Seiten einer Persönlichkeit, dass man kaum glauben kann, dass sie irgendwie vereint werden können. Aber wer am Ende des Tages stolz sein kann, ist das "Ich", das endlich richtige Leistungen vollbracht hat und merkt, was Disziplin und Ordnung für einen Unterschied machen können. Das Dumme nur: meiner italienischen Umgebung fällt das gar nicht auf...für die bin ich halt typisch Deutsch und die fanden mich schon vorher unnatürlich strukturiert, denn Disziplin und Ordnung hätte ich eben in den Genen. Nein, hab ich nicht, sogar im Gegenteil, ich muss ganz, ganz hart dafür arbeiten!!...ach was, solls...dann glaubt's mir halt keiner...aber es fühlt sich verdammt gut an! ;O)


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