Saturday, October 11, 2014

Steht das Zentrum noch...?

Als das Wetter am Nachmittag schließlich stabil zu bleiben schien, hielten wir es für angebracht zumindest einen Blick auf das Geschäft zu werfen, falls wir denn bis zum Meer durchkämen. Mit gemischten Gefühlen setzten wir uns ins Auto und fuhren denn los. Als wir den Fluss Bisagno erreicht hatten, sahen wir zunächst, dass er nicht mehr über die Ufer trat. Vielmehr noch: er war stark abgeschwollen und nur noch etwa zur Hälfte, genauer gesagt bis zur gelben Warnmarkierung, mit Wasser gefüllt. Das bedeutete eine Verbesserung der Lage und dass der Regen ringsum aufgehört haben musste. Meter um Meter fuhren wir gen Meer und waren überrascht wie viele Autos und Fußgänger unterwegs waren. Sogar einzelne Busse fuhren. Man hätte fast denken können, es sei ein ganz normaler Freitag Nachmittag - nur mit etwas weniger Verkehr. Kurz vor der Stazione Brignole, die am Tag zuvor noch fast zwei Meter unter Wasser gestanden hatte, war die Straße jedoch gesperrt und wurde großflächig umgeleitet. Dennoch war enorm, wenn man die Bilder vor Ort mit den Fotos der vergangenen Nacht verglich, dass der Schaden auf dem ersten Blick kaum sichtbar war. Die meisten Ecken waren sauber oder geringfügig mit Matsch und Ästen bedeckt. Dass hier nur wenige Stunden zuvor Autos und Müllcontainer vorbei getrieben waren, konnte man sich kaum vorstellen! Als wir schließlich Corso Torino, eine der am meisten betroffenen Alleen erreichten, sah man letzten Endes doch noch das Ausmaß der Zerstörung: überall lagen umgekippte Motorroller, zerdellte Wagen, Äste, Steine und Müll jeder Art hatte sich an den unmöglichsten Ecken zu Bergen zusammengetürmt. Der Boden war großflächig mit Schlamm bedeckt. Aber was noch wichtiger war: überall wurde ohne Ende gearbeitet. Als ich schließlich zu Fuß eine Runde durch das Viertel drehte, sah ich unzählige Pumpen im Einsatz, aufgerollte, braune Teppichböden lagen vor fast jedem Gebäude. Eine Bar hatte sämtliches Mobiliar auf die Straße gestellt, während aus langen Schläuchen eine hellbraune Brühe aus dem Souterrain lief. Überall wurde gewischt, geschleppt und geschwitzt; es war ein Durcheinander wie auf einem Filmset. Dennoch schien alles unglaublich koordiniert zu laufen; es lag keinerlei Aggressivität in der Luft. Dabei bedeutete das Unwetter das Aus für eine ganze Reihe an Geschäften und Händlern, denen keine Versicherung den Verlust der Ware oder die zerstörten Räumlichkeiten ersetzt. Es bleibt abzuwarten, ob sie am Ende noch irgendwelche Entschädigungen enthalten oder sonstwie weitermachen können; die Wahrscheinlichkeit ist wohl dennoch gering, denn erst vor drei Jahren hatten viele bei einer ähnlichen Flut erst alles verloren. Auch damals mussten sich die Genuesen wohl ausschließlich selbst helfen, und wie man gestern sehen konnte, mangelt es ihnen nicht an Tatkraft.
Freiwillige Helfer können sich den "Angeli del Fango" anschließen, die in den betroffenen Regionen helfen den Schlamm zu beseitigen. Einige Bars und Restaurants unterstützen diese Helfer mit kostenlosen Getränken und Snacks.
Die Unwetterwarnung ist bis einschließlich Montag verlängert worden...











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