Friday, October 3, 2014

Mit Volldampf...

...in den Oktober hineingeprescht, fühle ich mich. Hatte ich den August über noch ein überdimensionales Phlegma zu bekämpfen, so sah es im September schon wieder besser aus und auch wenn es mir nicht gelungen ist, meine to-do-Liste vollständig abzuarbeiten, so überwog jetzt dennoch das Gefühl anständig was geleistet zu haben. Ein paar sehr gute Neuigkeiten komplettierten den Monat ebenso wie eine Handvoll langjähriger Projekte, die endlich zu einem guten Abschluss gebracht werden konnten. Der Oktober konnte also topmotiviert begonnen werden und gleich am ersten Tag habe ich versucht mich selbst zu übertreffen, einen Haufen Bürokratie hinter mich gebracht, mich intensiv in die Bildung geworfen und gleich mehrere Stunden lang konzentriert Englisch gelernt. Als Englischlehrer Englisch lernen? Aber sicher! Man lernt nie aus und ich habe nun schon eine ganze Weile schon nicht mehr auf extrem hohen sprachlichen Niveau unterrichtet. Was man nicht mehr benutzt, das versickert so langsam im Boden und soweit darf es nicht kommen. Zumal ich hier mit Muttersprachlern konkurrieren muss und das ist in jedem Fall eine Herausforderung, egal wie sicher man sich mit der Sprache ist. Kurzum, ich hatte sogar richtig Spaß mit meinen eigenen Materialien zu lernen und sehe nun jeden Monat so eine Phase vor, in der ich um den Erhalt meines C2-Niveaus kämpfe.
Und dann habe ich unfreiwillig eine Stunde an meinem Roman gearbeitet. Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes machen, aber dann bin ich in meine Stichworte hineingeraten und habe nicht mehr hinaus gefunden. Irgendwie absurd, aber vielleicht ein gutes Zeichen: die Geschichte hatte mich so gepackt, dass es kein Entkommen gab. Als ich mich schließlich wieder befreit hatte und mich umsehen konnte, war vom Tag nicht mehr so viel übrig, aber ein überaus befriedigendes Gefühl hatte sich breit gemacht; das Gefühl wirklich etwas geschafft haben.
Um dann nicht gleich wieder nachzulassen, habe ich heute noch etwas völlig Verrücktes getan: ich habe mich für einen Integrationskurs angemeldet! Einen "Integrations- und Sprachkurs für Ausländer" und was soll ich sagen - ja, damit fühlt man sich wirklich wie ein richtiger, echter Ausländer. "Sooo ausländisch bin ich dann ja nun auch wieder nicht", hörte ich mich selbst noch argumentieren, aber der Kurs, der sich ganz romantisch "Unsere Nachbarn von weit weg" nennt, bemüht sich im Grunde um nichts anderes als die Ausländer der Region am örtlichen Leben teilhaben zu lassen und ich sah gleich, dass es noch andere interessante Kurse gibt; ein Bildungsangebot, das man also ruhig mal testen kann, auch wenn ich immer gegen Kurse bin. Meine Vorurteile wurden gleich noch etwas bestätigt, als man mir mitteilte, dass sie noch nie von den Sprachlevels des Europäischen Referenzrahmens gehört hätten, in den ich mich bei meiner Anmeldung eingeordnet hatte, aber ich sollte doch einfach mal vorbeischauen. Ich werden ihnen also eine Chance geben und dabei auch mal üben, den mir immer noch sehr unangenehmen Schritt zu tun in die Öffentlichkeit zu treten und zu sagen: "Jawoll, ich bin Ausländer und das macht nichts!" Wer weiß, wozu es gut sein wird...



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