Monday, October 13, 2014

Hamsterkäufe...

Nachdem der Freitag mit großflächigem Aufräumen in den betroffenen Regionen von Genua zu Ende gegangen war, blieben Uni und Schulen auch am Samstag noch geschlossen. Der Rest der Einwohner versuchte sich an alter Normalität. Das bedeutete: alle Mann auf in die Supermärkte - Hamsterkäufe! Ich weiß nicht, wieso dieses Phänomen immer um sich greift, sobald etwas halbwegs Außergewöhnliches passiert ist. Lediglich für einen halben Tag waren die Läden geschlossen gewesen; das hieß nicht, dass jetzt alle zu Hause verhungern würden. Und dennoch konnte man annehmen, die Genuesen hätten seit Wochen keinen Bissen mehr zwischen die Kiemen bekommen. Als Teil dieses Wahnsinns wurde ich von meiner Schwiegermutter dazu genötigt mich ebenfalls ins Getümmel zu werfen. Schon bei der Anfahrt zum Supermarkt des Vertrauens sahen wir, dass in zweiter und dritter Reihe geparkt wurde. Das konnte heiter werden! Ich kurvte dreimal um den gesamten Block, ehe ich eine Lücke ergattern konnte. Und dann sah ich durch eine Glastür, was innen drin los war. Die Massen schoben sich durch die vollen Gänge, man griff, was man greifen konnte und ich ahnte, dass das der längste Einkauf meines Lebens werden konnte. Natürlich waren auch alle Wagenhäuschen leer und ich musste bis zum Ende des Parkplatzes laufen um noch einen carrello zu ergattern. Mehrfach wurde ich auf dem Weg nach drinnen angehalten, weil man versuchte mir den Wagen abzukaufen, und ich verwies mit zunehmendem Kampfgeist auf das letzte Häuschen, wo ich meinen ja her hatte. Mit dem Schlimmsten rechnend betrat ich den Ort des Konsumwahnsinns - und wurde überrascht! Ja, es war voll wie nie hier. Und ja, die Leute griffen, was sie greifen konnten (und dann war auch noch das ganze Gemüse im Sonderangebot!). Und ja, die Regale leerten sich in Echtzeit. Aber Chaos? Selten habe ich in so einem Trubel soviel Disziplin und Ruhe erlebt! Ohne zu murren stellten sich die Genuesen an eine der drei Kassen an. Die Schlange, in die ich mich schließlich einreihte, zog sich einmal quer durch die Gemüseabteilung, machte mehrere Kurven und begann am Ende knapp hinter der Eingangstür! Fünfzig, sechzig Mann oder noch mehr. Bei den anderen Schlangen sah es nicht besser aus; sie liefen parallel zueinander und reichten von der Tiefkühlware bis zur Fleischtheke, an der meine Schwiegermutter lange angestanden hatte, ehe sie es aufgab. Und was soll ich sagen - ich habe keinen einzigen erlebt, der versucht hat sich nach vorne zu schmuggeln, die anderen zu überholen oder sich aufzuregen. Man unterhielt sich nett mit Vorder- oder Hinterkunden oder denen, die mit dem Gesicht zu einem standen, weil die Schlange so ihre erzwungenen Kurven machte. "Meine Frau hat mich schon mal in die Schlange gestellt, während sie noch weiter einkauft. Deswegen musste ich heute mit." - "Könnten Sie die Bananen grad für mich wiegen? Ich komme an die Waage hinter Ihnen nicht ran!" - "Oh nein, nein, Sie müssen mich nicht vorlassen, weil ich nur einen Korb habe. Ci mancherebbe!" - "Oh, signora, wo haben Sie die Mozzarella gefunden? War die etwa auch im Sonderangebot?"  - So viele entspannte Menschen auf einem Haufen - und das bei einem Hamsterkauf! Im Übrigen glaubte vor Ort niemand, dass es noch einen Nachschlag an miesem Wetter geben würde. Immerhin war die allgemeine Katastrophenwarnung erst nach dem eigentlichen Übel veröffentlicht und nun bis einschließlich Montag verlängert worden und das sah man durch die Bank an Zeichen, dass es nun vorbei war. Es gab aber auch noch üble Nachrichten: offenbar hatte es in der Nacht noch einen Wirbelsturm gegeben, der den Schlamm in den betroffenen Regionen erneut in die Häuser getrieben hatte. Das Aufräumen musste also wieder von vorne anfangen. Zumindest waren aber die Vorratsregale wieder gefüllt daheim...falls man doch noch von der Außenwelt abgeschnitten würde...man weiß ja nie...



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