Thursday, October 9, 2014

Die Apokalypse ist nah...

Zumindest könnte man das bei dem momentanen Wetter vermuten! Von einem Tag auf den nächsten mussten wir uns von einem langen und herrlichen Sommer verabschieden, der tatsächlich bis in den Oktober hinein gedauert hat. Noch am Montag saß ich im dünnen Pullover in der warmen Sonne im Garten und bin ziemlich ins Schwitzen gekommen, wenn ich mit Ludwig meine Runden gedreht habe. Dienstag war all das von einem Moment auf den anderen vorbei. Dauerregen prägte den Tag, konstanter, mäßiger Dauerregen und Gummistiefel und Regenmantel waren plötzlich angesagt und auch das Hunderegencape kam wieder zum Einsatz. Das machte noch nichts, ich genieße die Gassitouren im Regen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass uns andere Fußgänger oder Hunde begegnen, ganz gering wird. Aus zwanzig Minuten werden dann schnell vierzig und dementsprechend glücklich und ausgepowert kommen Ludwig und ich dann nach Hause. Der Mittwoch meinte dann noch eins drauflegen zu müssen: plötzlicher Platzregen und tief grauer Himmel. Die Straße verwandelte sich in einen Fluss, von einer Wand auf der anderen Seite der Straße kam das Wasser wie ein Wasserfall geschossen und platschte laut auf den Bürgersteig. Zur Mittagszeit wurde ich zum Einkaufen geschickt. Wenigstens hatte der Regen für den Moment aufgehört und ich hoffte alle Erledigungen schnell hinter mich bringen zu können. Ich fuhr zum Einkaufszentrum und parkte auf dem Parkdeck. In Windeseile lief ich in den Supermarkt und kehrte mit vier großen Taschen wieder zurück. In der guten Viertelstunde, die ich im Innern verbracht hatte, hatte sich die Umgebung in ein Inferno verwandelt. Die Luft war eine einzige Nebelwand und Wassermassen knallten in einer Lautstärke auf den Asphalt, dass das Einkaufszentrum in ein einziges Rauschen gehüllt war. Wie sollte ich bloß zum Auto kommen?! Im Treppenhaus nach oben kam das Wasser die Stufen hinuntergelaufen, oben trommelte es laut auf ein Metalldach; die Regenrinnen war hoffnungslos überfüllt. Als es einen kleinen Moment lang nur noch mäßig regnete, rannte ich los, einmal quer über das Parkdeck und fummelte dann endlos lange nach dem Schlüssel in der Tasche. Prompt legte der nächste Platzregen los und völlig durchweicht warf ich mich schließlich mitsamt der Einkäufe auf den Vordersitz. Und da blieb ich erstmal. Eingeschlossen vom Wolkenbruch kam ich mir dort im Nebel vor wie in der Waschanlage. Es fehlten nur noch die Bürsten zur perfekten Imitation. Gute zehn Minuten saß ich im Wagen fest und fragte mich ab welcher Menge Regen hier die Autos wohl vom Dach getragen werden. Kaum war das Schlimmste vorbei, lief ich noch einmal das überschwemmte Treppenhaus hinunter, um noch meine Erledigungen im Baumarkt, in der Reinigung und im Tabakladen abzuhaken. Das Allerbeste war jedoch, dass - kaum dass ich völlig durchnässt zu Hause ankam - der Regen spontan stoppte und nicht nur die Sonne hervorkam, sondern auch noch der Himmel von einem schönsten Blau war, dass ich mir den Wolkenbruch grad zurückgewünscht habe. Das konnte doch jetzt nicht wirklich sein! Gute zwei Stunden hielt das schönste Wetter an, dann kam das Unheil wieder über uns.
Und seit Mitternacht ist es noch schlimmer geworden: es gibt Unwetterwarnungen für die gesamte Region und seit heute Morgen gibt es einen Regen, wie ich ihn so noch nicht erlebt habe. Man bereitet sich im Zentrum darauf vor, dass der Fluss Bisagno, der sich hier großflächig durchs Tal schlängelt und im Sommer eigentlich komplett ausgetrocknet ist, im Laufe dieses Unwetters über die Ufer treten kann. Alle fürchten sich vor einem Hochwasser wie es das vor drei Jahren gegeben hat. Ein Gewitter hat sich ebenfalls zum Regen gesellt und nach einem sehr lauten Einschlag in der Nähe gingen im Umkreis einige Sirenen los. Die Lokalnachrichten berichten bislang von einem Toten und mehreren vollgelaufenen Unterführungen. Wer es vermeiden kann, sollte das Auto stehen lassen und sich von den Flüssen fernhalten. Und bis zum Wochenende ist wohl keine Besserung in Sicht...


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