Monday, September 8, 2014

Projektinterview "Aupairs - viele Jahre später"

(Copyright: Daniela Recco)

DR: "Wann warst du als Aupair unterwegs und in welchem Land hast du gearbeitet?"

Ich war im Jahr 2000 in London Aupair.

DR: "Wie ist deine Gesamtbewertung des Aufenthalts jetzt im Nachhinein?"

Im Nachhinein wie auch unmittelbar während und nach der Zeit war der Aufenthalt damals wirklich toll. Ich habe zu keinster Zeit bereut diesen Schritt unternommen zu haben und würde ihn immer wieder machen.

DR: "Was waren deine Aufgaben und wie viele Stunden die Woche hast du als Aupair gearbeitet?"

Ich habe klassische Tätigkeiten im Haushalt übernommen, hatte einen festen Tagesplan, damit also immer die gleichen Aufgaben über die Woche verteilt. Darunter fielen Bügeln, Putzen, Aufräumen, Essen für die Kinder zubereiten, Babysitten und Baden. Insgesamt habe ich 30 Stunden die Woche gearbeitet, bis zu zweimal Babysitten die Woche konnten noch extra dazu kommen.

DR: "Was hast du verdient?"

Ich bekam 50 britische Pfund die Woche, das waren damals ca 150DM. Damit kam man im Grunde prima zurecht, auch wenn London natürlich immer schon sehr teuer war. Ein Wochenendticket kostete 8 Pfund - wenn man nicht etwas aufpasste, war das Geld nach einem Wochenende komplett ausgegeben.

DR: "Warst du in die Familie integriert?"

Ja, auch wenn ich mich nicht als Teil der Familie fühlte. Die Kinder haben mich gleich adoptiert, das lief wirklich sehr herzlich. Mit den Eltern hatte ich mehr ein professionelles Verhältnis. Sie waren nett, aber blieben auf Abstand. Das machte es am Ende des Tages einfacher. Eine zu enge Bindung erschwert oft eine Abgrenzung von privat und Arbeit. Ich hingegen wusste immer, wann meine Arbeitszeiten waren, was ich zu tun hatte und wann ich in Ruhe gelassen wurde. Hingegen fand ich immer, dass andere Menschen Aupairs nicht wahrgenommen haben. Für manche Besucher des Hauses war man eine Art unsichtbarer Hausdiener, nicht wert auch nur begrüßt zu werden. Die Gesellschaft in London schien Aupairs teils mit Prostituierten gleichzusetzen. Das lag daran, dass die meisten Aupairs aus den östlichen Ländern im Land bleiben wollten und deswegen auch ziemlich direkt auf Männerfang gingen. Dass ich in mein Land zurück gehen wollte um zu studieren, hat viele verblüfft. Für Personen aus privilegiertem Haus ist so ein Aufenthalt mal eine gute Erfahrung, um zu sehen, was der eigene Lebensstandard eigentlich wert ist.

DR: "Wie lief es mit Freundschaften?"

Die Freundschaften wurden von meiner Agentur gleich gefördert. Jedes Aupair bekam eine fette Willkommensmappe, darunter eine lange Liste an Aupairs in der Region mit Adressen und Telefonnummern. An dem Tag, an dem ich ankam, hatten sich bereits zwei Aupairs gemeldet um mich kennen zu lernen. Dazu muss ich sagen, dass das natürlich prä-Internetzeiten waren und wir keine Chance hatten uns vorher über Facebook etc. kennen zu lernen. Ich habe auf diesem Wege einige andere Aupairs getroffen und auch zwei wirklich gute Freundinnen gewonnen. Allerdings waren wir alle deutschsprachig, so dass wir uns eigentlich nicht wirklich unter die Einheimischen gemischt haben - außerhalb der Arbeit, meine ich.

DR: "Und Männer?"

Kein gelungener Auslandsaufenthalt ohne Flirt! Ich habe mich einige Wochen lang mit einem Einheimischen getroffen, was ziemlich abenteuerlich war. Gleich beim ersten Date wurde er verhaftet.

DR: "Kannst du den neuen Generationen zu einem Aufenthalt als Aupair raten?"

Ja, unbedingt!

DR: "Worauf sollte man achten?"

Dass man klare Vorgaben erhält und dass einem die Familie sympathisch ist. Nicht gleich die erstbeste Familie nehmen, nur weil sie als erste Interesse angemeldet hat. Genau hinsehen, wie viele Stunden es zu arbeiten gibt und welche Aufgaben dazu gehören. Und sollte es nicht klappen, dann auf jeden Fall versuchen zu wechseln. Nicht gleich aufgeben und nach Hause flüchten. Und dazu wichtig: mit einer Agentur ins Ausland gehen. Damit hat man immer einen Ansprechpartner und Möglichkeiten zum Wechsel. Und schauen, dass man andere Aupairs vor Ort kennen lernt. Das hilft einem im Alltag enorm. Und für alle Fälle: die Nummer des eigenen Konsulats im Handy gespeichert haben. Man weiß nie, ob man sie brauchen könnte.

DR: "Können dich interessierte Aupairs kontaktieren?"

Sicher! Ich bin eine Weile auch Ansprechpartner für meine Agentur gewesen bis ihnen meine Erfahrung zu weit zurück lag und sie mich aus der Liste gestrichen haben. Immerhin liegen bereits 14 Jahre dazwischen.

DR: "Vielen Dank für das Interview!"

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