Thursday, September 18, 2014

Ein Todesfall und seine Folgen...

Eigentlich warten meine bessere Hälfte, Ludwig und ich schon seit knapp einem Monat, dass die Schwiegereltern endlich wie angekündigt zu einer Cousine ziehen, die für mindestens vier Wochen Hilfe in ihrem Haushalt benötigt. Auch wenn es keine endgültige Lösung unseres Wohnproblems wäre, so ist eine temporäre Trennung bereits eine Verbesserung unserer Umstände. Aber wir warten und warten und warten. Erst hieß es, dass es Anfang September soweit wäre, dann auf einmal wurde auf Mitte September verschoben und aktuell ist schon der 18. und wir warten noch immer. Passend zum Thema hatte die Schwiegermutter letzten Sonntag im Auto verkündet, dass sie uns dann immerhin einen ganzen Monat nicht auf die Nerven gehen würden und ob wir darüber froh seien. Oho, ganz glattes Eis! Ich saß zum Glück hinten im Auto und tat so, als hätte ich nichts gehört. Vielleicht meinte sie ja, dass wir jetzt zum Ausdrück brächten, dass sie uns natürlich ganz und gar nicht auf die Nerven gehen, aber zu derartigen Lügen bin ich nicht in der Lage. Nach peinlichem Schweigen stellte sie die Frage dann glatt noch einmal: "Kommt ihr denn alleine klar? Freut ihr euch, dass wir weg sind?", was mich schnell dazu trieb Ludwig neben mir auf der Rückbank ausgiebig zu kraulen und zu rufen "Schaut mal, was der Hund macht!" Nichts machte er, aber das war mir lieber als die ehrliche Antwort, die meine bessere Hälfte jetzt vorne vom Fahrersitz gab: "Wir können es gar nicht erwarten!" Uff, jetzt war es raus. Hatte es einen Effekt? Nö. Ich glaube, die Antwort wurde einfach ausgefiltert, denn meine Schwiegermutter zuckte nicht einmal. Ich hätte ja gerne dann auch gewusst, wann sie denn nun packen würden, aber noch immer fehlte diese Information und das Warten ging weiter.
Dann auf einmal kam am Montag ein Anruf, der für sehr viele Emotionen sorgte. Die Schwester der Schwiegermutter war spontan gestorben! Noch nie habe ich jemanden derartig schreien hören wie in jenem Moment. Regelrecht schockiert sah ich zu, wie meine Schwiegermutter durch das Wohnzimmer lief, auf die Möbel einschlug und dann mit Gegenständen werfen wollte. Sohn und Mann versuchten sie zu beruhigen, was aber kaum möglich war. Ich hielt mich im Hintergrund, bis sie noch ebenso hysterisch nach mir rief. Ziemlich verstört trat ich aus meiner Ecke hervor und wartete ab, was sie von mir wollte. Sie drückte mich an sich, hat mich dabei fast zerquetscht, so fest griff sie nach mir und weinte dann wie ein kleines Kind. Oh je, jetzt lag es an mir. Ich grübelte noch, was ich sagen sollte, da stieß sie mich schon wieder weg und schrie jemand solle sie nach Hause fahren. Ich solle es tun. Oder einen Zug buchen. Oder jemand anderes würde sie fahren. Ludwig gefiel die Szene ganz und gar nicht. Er bellte in einer Tour, weil er mit der Atmosphäre im Haus nicht umgehen konnte. Ich konnte es aber ehrlich gesagt auch nicht. Nach einer Dosis Valium ging es ihr etwas besser. Es wurde sich tendenziell beruhigt und dann die überstürzte Abfahrt organisiert. Alle außer mir und Hund würden in die Heimat fahren, Schwiegereltern würden dort bleiben bis nach der Beerdigung, meine bessere Hälfte würde am Abend noch zurück kommen, weil die Arbeit wieder rief. Im heillosen Durcheinander wurden ein paar Dinge in eine Reisetasche geworfen, und ich sah noch, dass es überhaupt nicht lief. "Soll ich packen helfen?" fragte ich meine bessere Hälfte, aber er meinte ich sollte sie mal machen lassen. "Sie haben aber nicht mal Zahnbürsten eingepackt!" In Ordnung, ich hielt mich besser raus. Ich sah nur zu, dass zumindest alle Medikamente mitkamen, und dann waren sie auch schon aus der Tür. Ich rief noch ein ernst gemeintes "Coraggio!", dann waren sie um die Ecke verschwunden. Gut fünf Minuten später kam meine bessere Hälfte noch einmal an, denn die Mutter hatte ihr Portemonnaie nicht eingepackt. Ich hatte ja angeboten zu helfen! Fehlte sonst noch was? Anscheinend nichts, was ihnen wichtig gewesen wäre; Zahnbürste hin oder her. Die Tür fiel ins Schloss. Sie waren weg. Jetzt atmete ich erst einmal ganz tief durch. Die letzte Stunde war heftig gewesen...


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