Friday, September 26, 2014

Der Monat neigt sich dem Ende...

...und ich bin weit davon entfernt meine Septemberliste abgearbeitet zu haben. Ganz schlimm: ich bin mit zwei Artikeln im Verzug. Ich brauche mal einen ganzen Tag zur freien Verfügung um die nötige Konzentration aufzubringen ernsthaft daran zu arbeiten. Vor Dienstag wird das nichts und das ist dann auch der letzte Tag des Monats, an dem ich die letzten Kraftreserven ausschlachten muss, getrieben von mehr Ehrgeiz als Hirnkapazität, um schlussendlich noch sagen zu können: jawoll, gut hast du das gemacht!
Immerhin hatte ich es mir zum Ziel gesetzt meine 500 neuen Prints dieses Jahr schon vor Beginn des Oktobers zu komplettieren, damit das Thema auch vom Tisch ist. An zu vielen Schauplätzen kann ich dann auch nicht gleichzeitig wirken. Zehn Prints fehlen mir noch zum Glück, aber sie sind immerhin entworfen und bereit dafür eingereicht zu werden. Auch die Sprachen habe ich wieder ans Monatsende geschoben, dabei war ich mit den besten Vorsätzen gestartet und hatte gleich in den ersten Septembertagen fast 50% meines Niederländischvorhabens absolviert. Gut, ich muss ehrlich sein: das lag auch nur daran, dass ich mich in den Niederlanden herumtrieb und dann automatisch ins Üben kam. Seitdem war damit auch nicht mehr viel und dementsprechend müsste ich noch etwa zwei Stunden auf die Sprache verwenden, wenn ich mir ein grünes Häkchen geben will. Zu Französisch kam ich noch gar nicht; will mich gar nicht herausreden! Englisch habe ich gemacht, eine Handvoll anspruchsvoller Artikel gelesen und gemeint, damit käme ich schon auf mein Soll. Leider war dem nicht so. Im Zug auf dem Weg nach Pisa hatte ich mich gerade überwunden mit einem Lehrbuch etwas zum Thema Umweltschutz zu üben, da fing mein korpulenter Sitznachbar eines der intellektuellsten Gespräche an, die mir im Zug jemals untergekommen sind. Auf Italienisch, ja. Und er graste alles ab, römische Geschichte, englische Literatur, deutsche Philosophen und europäische Architektur, die religiösen Abhandlungen von Ratzinger, typische Kompositionen von Vivaldi und weshalb es nur in Deutschland Prinz-Eugen-Plätze gäbe. Ich war hoffnungslos unterlegen, ja, ich konnte auf keinem der Gebiete auch nur ansatzweise mithalten und habe mich dabei selten so ungebildet wie auf jener Zugfahrt gefühlt. Dabei war die Sprache gar nicht mal das Problem. Ich habe es durchaus geschafft einige phonetischen Besonderheiten des Deutschen auf Italienisch zu beschreiben, natürlich kannte ich Beethoven und Kierkegaard und die Osmanen, aber der Pool, aus dem mein Gesprächsnachbar schöpfte, war ein stattlicher, großer, weiter Ozean, während es bei mir eher so das Nichtschwimmerbecken war. Die anderen Passagiere im Abteil warfen mir schon mitleidige Blicke zu und als Signor Intellektuell dann schließlich in La Spezia ausgestiegen war, wurde allgemein aufgeatmet: "Uff, die armen Menschen, die ihn jeden Tag um sich haben", hieß es da.
Warum ich das jetzt erwähne? Naja, weil ich ja nicht mehr zum Englischlernen kam auf dieser Reise. Und ich hatte es irgendwie befürchtet, als ich mein Buch aus der Tasche genommen hatte und sah, dass vom Nachbarsitz aus mitgelesen wurde. "Sind Sie Engländerin?" - "Nein, tedesca" - "Verstehe! Deutschland hat einige der schönsten Städte, die es überhaupt auf der Welt gibt! Kennen Sie Nürnberg?" Ja, damit ahnte ich schon, dass es mit der Ruhe vorbei war. Zumindest tat ich dann etwas für mein Italienischlevel und hätte allein dafür schon zufrieden sein müssen mit mir. Zu dumm nur, dass meine Monatslisten für Italienisch immer nur bearbeitete Seiten aus dem Grammatikbuch vorsehen. Und da muss ich noch über ein Dutzend Seiten voll staubiger Infos durch, ehe ich meinen Haken setzen kann.
Dann habe ich noch immer nicht meinen neuen Pass beantragt und mir noch keinen Hausarzt besorgt, noch nicht das chilenische Konsulat kontaktiert und die Powerpoint-Präsentation zu meinem Grammatikseminar noch nicht entworfen. Und morgen hat erstmal meine bessere Hälfte Geburtstag, also werde ich jetzt noch eine Torte backen und für eine Freundin ein schon seit langem versprochenes Tiramisu zubereiten, für welches ich eben noch schnell Amaretto besorgen musste. Apropos Amaretto: mit einem kleinen, feinen Gläschen arbeitet es sich gleich doppelt so gut! Die schnöde Recherchearbeit zum Thema Lautwandel habe ich vorgestern überhaupt nur mit einem guten Schuss Sambuca ertragen, aber auch gleich in einem Rutsch fertig bekommen und das auch noch äußerst gut gelaunt! Na, dann will ich mal schauen, ob der Amaretto auch das Gehirn zu Höchstleistungen antreibt. Cin cin...



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