Monday, September 15, 2014

Der Grusel kommt nicht nur um Mitternacht...

In der Toskana hatten wir schon einige seltsame Dinge erlebt: Gewitter, die durchs Gebirge rumpeln, von Erdbeben ganz zu schweigen, seltsame Geräusche vom Dach und was es nicht alles gab (nachzulesen auch in "Gruselnächte I und II" - November 2013 und in "Geräusche, Gerüche und Visionen I und II" - Mai 2013). Kurzum: das Haus in der Toskana bot mit seiner Größe, seiner Lage und seinen vielen leerstehenden Räumen, Dachboden, Gewölbekeller und Tante-Emma-Laden natürlich auch schon viel mehr Stoff für unerklärliche Ereignisse. Dachte ich wirklich, in Genua sei das alles Vergangenheit?! Ja, dachte ich wirklich! Zugegeben: ein kleineres Haus ist kuscheliger, weniger unheimlich, irgendwie sicherer. Hier kann man sogar Gruselfilme schauen und danach noch locker durchs Haus gehen. So weit, so gut. Aber wie erkläre ich mir, dass eines Nachts nur wenige Wochen nach dem Einzug wir auf einmal Schritte vom Stockwerk über uns hörten? Nein, nein, Sekunde - über uns ist kein Stockwerk! Das ist ja das Problem an der Geschichte. Über uns ist nur Dach, und das ist flach. Wer oder was war da gelaufen?! Und wie und warum?! Ich überlegte noch vielleicht besser das Fenster zu schließen; einfach um sicherzugehen. Doch dann war ich schließlich doch zu faul dazu und bin einfach liegengeblieben. Ich wurde irgendwann wach, weil ich ein neues Geräusch hörte. Diesmal im Zimmer selbst. Ich sah hoch an die Decke und voller Entsetzen, wie etwas um den Kronleuchter seine Runden zog. Ein Vogel? Nein, eine Fledermaus! Ich weckte sofort meine bessere Hälfte aus dem Tiefschlaf (der war begeistert!): "Wach auf, wir haben eine Fledermaus im Zimmer!" - "Was?" - "Eine Fledermaus! Bat! Wie Batman!!" In Windeseile hatten wir uns wie Kinder unter dem Oberbett versteckt. Aber was sollte das bringen?! "Wie bekommen wir sie wieder raus??" Wir stellten den Fernseher aus, der noch lief und warteten eine ganze Weile ab, ehe wir uns wieder an die Luft trauten. Als wir feststellten, dass die Fledermaus uns wieder verlassen hatte, sprang ich wie gestochen aus dem Bett und schloss schnell die Fenster. Seitdem schlafen wir nur noch mit geschlossenen Läden!
Nicht wirklich gruselig? Was haltet ihr von folgendem Ereignis: seitdem wir mit geschlossenen Fensterläden schlafen, ist es etwas dunkler als vorher, aber durch eine Straßenlaterne in nur wenigen Metern Entfernung kann man sich auch ohne weitere Beleuchtung noch halbwegs problemlos durchs Zimmer bewegen. Zu meinem absoluten Entsetzen sah ich eines Nachts im August, wie sich ohne weitere Vorankündigung auf einmal eine unserer zehn Schranktüren geräuschlos öffnete. Ich glaub, so lange wie in dem Moment habe ich die Luft schon lange nicht mehr angehalten. Ich wartete ab, was passierte, aber es passierte nichts, Sie stand einfach nur offen. Ich habe sie auch nicht geschlossen, ich habe sie nicht angefasst, ich habe mich einfach in die Bettdecke eingerollt und versucht den Vorfall zu ignorieren.
Es war in der gleichen Woche, in der ich eines Morgens an mir herunter sah und mindestens sechs sehr große blau-schwarze Flecke an mir entdeckte, darunter ein Fleck von gut fünf Zentimenter Breite und zwanzig Zentimeter Länge, den einen Oberschenkel entlang. Andere waren an den Waden und am Rücken. "Ich hab damit nichts zu tun!" stellte meine bessere Hälfte gleich fest. Erklären konnten wir uns den Vorfall dennoch nicht, haben aber eine Theorie, dass womöglich Ludwig sehr wüst mit mir gespielt hat und beim Anspringen diese Flecke verursacht hat. Eine Möglichkeit zumindest. Habt ihr "The Conjuring" gesehen???
Und kaum hatten wir all die Vorfälle verdaut, da bricht nachts draußen das Chaos aus. Seltsame Tiere verbringen die Nacht damit in sonderbarsten Tönen zu kreischen. Ich tippte auf Katzen, aber es waren nicht nur Katzen. Jemand meinte, dass könnten Käuzchen sein. Es klingt wie Schreie von jemandem, der halb Tier und halb Mensch sein könnte. Selbst Ludwig hing mit mir schon investigierend am Fenster um zu schauen, ob wir die Quelle ausfindig machen können. Immerhin hatte er es auch gehört und er ist ein überaus vernünftiger Hund. Seinem Urteil vertraue ich vollkommen.
Sollte es bei diesen Vorkommnissen bleiben, können wir ja beruhigt sein, dass sich der Spuk hier im Rahmen hält, nach all dem, was wir diesbezüglich schon erlebt haben. Andererseits: mich inspirieren diese Ereignisse immer gleich so enorm, dass ich jedesmal mindestens drei Stichworte für meinen Roman notiere, kaum, dass etwas vorgefallen ist. So gesehen sollte es vielleicht doch noch mehr davon geben...


1 comment: