Friday, August 1, 2014

Projektinterview "Decisioni" III

(Copyright: Chiara Mazzini)

...

CM: Ich mag deinen Ansatz ehrlich gesagt. Wie soll ich sagen, er klingt irgendwie entspannt. Und irgendwie so sachlich. Das hört sich jetzt sicher auswendig gelernt an, aber ich meine das wirklich. Es klingt so machbar, falls du verstehst, was ich meine...

Wow! Das ist...

CM: Ja, das soll jetzt - nee, sag ruhig!

Nein, ich wollte dich jetzt nicht unterbrechen! Ich freu mich nur total über das Kompliment!

CM: Sehr gerne! Mich würde dann noch interessieren, wie du deine Ansichten im Alltag umsetzt. Also du sagtest du isst kaum Fleisch. Was gibt es da noch, also welches Fleisch isst du, wenn du welches isst und was gibt es da noch?

Ja, kaum Fleisch. Ich selbst kaufe auch kein Fleisch, weil ich mich damit nicht auskenne. Wenn es irgendwo Fleisch gibt, esse ich das auch mit, es sei denn es ist Fleisch, gegen das ich komplett bin. Dazu gehören jegliche Kinder, also Kälber, Lämmer etc. Das halte ich tatsächlich für eine Sünde - ganz unreligiös gemacht - Kinder hat man einfach nicht zu essen, basta! Radikal bin ich da auch mit meiner - sagen wir mal - Mission, wenn Ostern kommt. Diese Lammnummer da, die ist ganz schlimm! Seit zwei Jahren nutze ich zu Ostern alle Möglichkeiten um das Lammessen zu boykottieren. Ich esse aber auch nach Möglichkeit keine kleinen Tiere, keine Hasen etc. Auch keine Schnecken etc. Lasch halte ich es da beim Thema Meeresfrüchte, das sind ja leider auch kleine Tiere. Oder dasselbe mit Fischen. Aber ich esse Meeresfrüchte vielleicht 4 bis 6mal im Jahr. Überhaupt denke ich, dass den Tieren bereits geholfen wäre, wenn der Fleischkonsum insgesamt einfach mal halbiert oder gedrittelt würde.
Ich kaufe ausschließlich Bio-Freilandeier und das ist in Italien gar nicht so einfach! Das Gros der Supermarkteier sind tatsächlich Eier aus Käfighaltung! Da muss noch viel passieren!

CM: Wie stehst du zur Mülltrennung?

Als Deutsche bin ich da natürlich schon lange dran gewöhnt (lacht), aber es macht mir auch keine Mühe. Meine Schwiegereltern kannten das bislang noch nicht und stellen sich da noch quer, auch wenn sie sich etwas Mühe geben. Immerhin bauen wir eigenes Gemüse und Obst an, das ist eine sehr schöne Sache, auch wenn ich immer verhindern muss, dass da mit Gift gespritzt wird!

CM: Stichwort Schwiegereltern. Du lebst ja jetzt mit deinen in einem Haushalt zusammen und machst auch keinen Hehl daraus, dass das alles andere als ideal ist. Glaubst du, dass es ein italienisches Thema ist oder vielmehr ein individuelles bzw ein globales?

(überlegt) Sowohl als auch. Ich denke, dass "La Mamma" in Italien natürlich eine ganz spezielle Rolle ist, ich glaube aber, dass es in Deutschland und an anderen Orten ein ganz ähnliches Problem gibt, auch wenn es nicht überall ein so bekannter Klassiker ist. Ich kenne auch deutsche Muttersöhnchen, bei denen die Mamma ein ebenso großes Problem ist wie in Italien. Und nicht jeder Italiener hebt seine eigene Mutter in den Himmel. Mein Partner tut dies nicht, und da habe ich wohl Glück gehabt. Ich glaube aber, dass ganz allgemein gesprochen niemand wirklich gerne mit den Schwiegereltern zusammen lebt. Ebenso wenig wie mit den eigenen Eltern. Das geht alles gut bis zu einem gewissen Grad, aber Stress und Streit sind vorprogrammiert, wenn man zu eng aufeinander hockt. Ich persönlich kann es nicht erwarten, dass meine ausziehen, denn zwei Frauen in einem Haushalt sind ganz klar eine zu viel! (lacht)

CM: Habt ihr euch den Haushalt aufgeteilt?

Nein, das ist ja das Problem. Es wurde gar nichts aufgeteilt und absolut nichts besprochen. So chaotisch kann das ja dann auch nichts werden. Jeder tut jetzt alles und nichts, aber ich tendiere zum "nichts", denn auch das könnte sie ermutigen das Weite zu suchen und zu finden. (lacht)

CM: Du ruhst dich also aus?

Ja, und ich benehme mich auch immer wieder bewusst wie Rotz am Ärmel (lacht)

CM: Wie ein Teenager?

Ja, ich hoffe, dass ich den Wunsch auslösen kann, dass sie endlich wieder packen und dann abziehen.

CM: Da drücke ich die Daumen! So eine italienische Schwiegermutter kann ein harter Brocken sein!

Das weiß ich, aber ich glaube meine weiß auch, dass sie mich besser nicht unterschätzt. Ich bin im Alltag weniger temperamentvoll als eine italienische Schwiegertochter, aber man kann auch passiv aufmüpfig sein. Oder leise. Und leider bin ich auch so gar nicht manipulierbar (lacht)

CM: Die Schwiegermutter wollte dich manipulieren?

Ja, sie glaubte sie könnte mich für ihre Belange einspannen. Aber daraus wurd nichts! Ich glaube sie wundert sich noch heute darüber! (lacht)

CM: Ich glaube darum beneidet dich wirklich keiner! Aber ein Neidpunkt könnte da noch sein und damit bin ich auch bei der letzten Frage angelangt: wie lebt es sich so mit einem Rockgitarristen zusammen? Ich glaube die Leute stellen sich das wahnsinnig abenteuerlich vor!

Ja, manche Fans haben da wirklich ganz abenteuerliche Ideen. Ich glaube sie wären enttäuscht, wenn sie mal hinter die Kulissen sehen würden. Die meisten dieser Ideen sind Traumschlösser, sie idealisieren stinknormale Personen. Da werden komplizierte on/off-Beziehungen zu Traumpaaren hoch fantasiert, da werden Mensche verehrt, die im Alltag höchst unsicher und unüberzeugend sind, da werden Leute für Millionäre gehalten, die sich bei mir schon Geld leihen mussten. Wenn die Leute wüssten, wer alles an "Rockstars" noch bei ihren Eltern im Kinderzimmer wohnen, weil das Geld nie reicht und was da alles hinter den Kulissen an Streit, Problemen und Katastrophen vor sich geht, ich glaube dem ganzen Business wäre seine Faszination genommen! (lacht)

CM: Also alles mal wieder viel normaler als man denkt! (lacht)

Aber hallo! (lacht)

(das Interview führte Chiara Mazzini)

2 comments:

  1. Wow schönes Interview! weiter so! :)
    Liebe Grüsse aus dem Bergischen Land
    Brigitta

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