Tuesday, August 26, 2014

Projektinterview "Autodidakten" I

(Copyright: Gerd Hoffmann)

GH: "Beginnen wir mit dem Umstand, dass du dich gar nicht als Autodidakt gesehen hast im Vorgespräch. Hast du etwas gegen das Image der Selbstschulung oder siehst du im Autodidaktendasein mehr ein Konzept, das größer ist als du selbst?"

Nein, ganz unwissenschaftlich gesehen war mir einfach der Umstand neu, mich als Autodidakt zu sehen. Ich meine, ich habe ja meine Ausbildungen, Abschlüsse, Lehrgänge etc absolviert und kam damit nicht aus dem völligen Nichts mit dem, was ich dann tat. Deswegen hatte mich diese Zuordnung tatsächlich überrascht. Nichtsdestotrotz muss ich dann zugeben, dass es eigentlich wahr ist. Die wie auch immer gearteten Ausbildungen sind nur Anschein, oder fast nur Anschein in meinem Fall. Tatsächlich muss ich zugeben Inhalte mir fast immer selbst angeeignet zu haben.

GH: "Und nicht nur Inhalte des schon Vorhandenen, sondern auch ganz neue Themen und Bereiche, wie es aussieht."

Ja, das ist richtig.

GH: "Wie kam es zu der Entscheidung alles Neue im Selbststudium anzueignen?"

Es gab nie eine wirkliche Situation, in der ich mich entschied ab jetzt nur noch selbst für meine Bildung und Fähigkeiten zuständig zu sein. Ich würde sagen es kam schleichend nach diversen enttäuschenden Erfahrungen mit gebuchten Kursen und bezahlten Lehrern.

GH: "Kann man ganz ohne Lehrer?"

Das kommt darauf an. Natürlich gibt es Themenbereiche, da ist man ohne persönliche Anleitung durch einen Lehrer oder Coach aufgeschmissen. Oder aber es ist zu riskant sich aufs Selbststudium zu verlassen. Ich weiß nicht, beispielsweise im Umgang mit gefährlichen Substanzen oder Gerätschaften oder wenn man eine große Verantwortung für eine Situation hat, wenn das Wohl von anderen von einem abhängt. Man sollte immer in Erwägung ziehen sich etwas beibringen zu lassen, und natürlich gibt es da draußen sehr kompetente Experten, die nicht nur absolute Fachleute sind für ihre Themenbereiche, sondern auch noch gute Lehrer. Von solchen Menschen kann man immer lernen und sollte auch immer lernen. Und dann darf man nicht vergessen, dass man zum Selbststudium immerhin wissen muss, wie man lernt, was man wissen will und wo man die Informationen herbekommt. Und dann muss man auch die Selbstdisziplin aufbringen sich wirklich hinzusetzen, ohne dass ein anderer Druck ausübt und ohne dass ein anderer Hilfestellung gibt. Nicht jeder kann sich auf diesem Weg selbst organisieren. Und nicht jeder traut es sich zu. Auf Lehrer zu verzichten, wäre in diesen Fällen fatal.

GH: "Welchen Vorteil hat das Selbststudium?"

Man ist selbst Herr oder Frau über den Prozess. Wenn es einem gelingt wirklich Fortschritte zu machen, dann lebt man ein großes Stück Freiheit. Man ist natürlich auch aktiver eingebunden, hinterfragt oft auch mehr. In einem Kurs oder mit einem Lehrer gerät man schnell in eine konsumierende Haltung, lässt sich berieseln, verarbeitet aber nicht automatisch. Wenn man nur diese eine Lehrerquelle hat, muss man sich zudem auf diese eine Quelle verlassen. Die meisten tun das ja auch, wenngleich heute sicherlich weniger als einige Jahrzehnte vor uns, wo ein Lehrer oft ja schon fast als Wissensgott verehrt und von vielen auch gar nicht in Frage gestellt wurde. Dabei gibt es ja leider so viele Unqualifizierte, die sich irgendwie als Lehrer betätigen.

GH: "Hört sich nach vielen negativen Erfahrungen an..."

Was Lehrer angeht, ja. Leider, muss ich sagen. In der Tat kann ich mich an gute Lehrer so vereinzelt erinnern, weil es eben nicht viele in meinem Erfahrungsbereich gab. Und gerade in den letzten Jahren reihte sich da eine Frustration an die nächste.

GH: "...weil du selbst Lehrerin bist und weiß, was man von einem Lehrer erwarten sollte?"

Nicht unbedingt das. Sicherlich vergleiche ich oft Kursleiter mit den Ansprüchen, die ich an mich selbst an Lehrer habe, aber einiges ist einfach mehr universell. Ansprüche, denen ich im Übrigen auch nicht automatisch entspreche.

(Ende Teil I)


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