Sunday, August 24, 2014

Der Umzug – Zusammenleben VI

Dabei habe ich ja noch gar nichts von den Küchenschränken erzählt! Okay, ich bin tendenziell ein chaotischer Mensch, ich habe auch keinen Putzfimmel, ich bin auch keine 150%ige, aber – auch ich habe meine Grenzen. Beispielsweise brauche ich auf jeden Fall Ordnung in der Küche. Ich habe feste Plätze für Tassen und Schalen, Teller sind bei mir nach Größe sortiert und Besteck nach Funktion. Und Vorräte müssen gegen Ungeziefer geschützt sein, also gut verschlossen und sortiert. Ich verabscheue klebrige Honiggläser ebenso wie offene Tüten, aus denen das Mehl in den Schrank rieselt. Wenn ich eine Zutat einkaufe, dann fülle ich sie meistens in ein Gefäß, ein Glas oder eine Dose, schneide den Namen der Zutat aus und klebe ihn mitsamt Verfallsdatum und eventueller Kochanleitung vorne sichtbar drauf. Ja, ja, ich weiß, das klingt extrem deutsch, aber das System läuft halt auch gut, alles bleibt sauber und übersichtlich. Wenn schon das Leben ein einziges Chaos ist, dann weiß ich zumindest, dass meine Vorräte perfekt organisiert sind und das ist schon mal was. Jetzt war da aber auch die Schwiegermutter und die Küche ihr Allerheiligstes. Stress war also vorprogrammiert. Zunächst einmal fand ich einige meiner schönen Vorratsgefäße draußen bei den Müllsäcken stehen! Dann kam sie mit meinem neuen Bambusschneidebrett an und fragte ob das olle Ding noch benötigt würde. Ich nahm es ihr demonstrativ aus der Hand und stellte es zentral neben den Herd. In einer ungestörten Minute hatte ich die wenigen Schränke, die die neue Küchenzeile zu bieten hatte, sinnvoll eingerichtet: Gläser, Tassen, Untertassen, Müslischalen in das eine Fach, darüber Schalen, Reiben und ähnliche Gegenstände, die man oft, aber nicht täglich braucht. In das Fach über den Herd alle Lebensmittel von Öl über Zwieback bis hin zur Tomatensauce. Alles schön ordentlich und funktional, man wusste immer, wo man zu suchen hatte. Meine Schwiegermutter hingegen ist es gewöhnt jegliche Küchenobjekte, seien es Lebensmittel, Geschirr oder Gerätschaften, einfach wahllos und durcheinander in die Schränke und Schubladen zu stopfen. „Ich verstehe das System in der Küche nicht“, habe ich es mal diplomatisch meiner besseren Hälfte gegenüber ausgedrückt, als ich ihm die schmutzige und überquellenden Schränke zeigte – „Da gibt es kein System“, meinte er dazu, woraufhin ich nickte: „Genau das meine ich!“ Über Tage erstreckte sich der der Krieg: abends brachte ich die Küchenschränke wieder in Ordnung und bis zum nächsten Mittag hatte meine Schwiegermutter alles wieder verstellt. Irgendwann fand ich kein einziges Glas mehr vor, stattdessen zwei angeschmutzte Müslischalen, auf die eine benutzte Küchenreibe mit Parmesanresten gelegt war. Daneben eine ebenso staubige Mühle für Kaffeebohnen und zwei Pakete Fertigtomatensauce. Obendrauf drei kleine Teller und eine angefressene Packung Butterkekse. Die anderen Fächer sahen genauso aus, ein wilder Mix aus Dreck, sauberem und schmutzigem Geschirr, offenen und geschlossenen Vorräten; die Türen konnte man nur mit äußerster Vorsicht öffnen. Dann stand auch das Bügelbrett an exponierter Stelle mitten an der Küchenwand, während meine Körbe mit Zwiebeln und Kartoffeln nicht mehr zu sehen waren. Ich fand sie im Übrigen draußen im Regen stehen! Wutentbrannt nahm ich das Bügelbrett aus der Küche, öffnete die Tür des Haushaltsräumchens, nahm eine x-beliebige Tasche voller Schund heraus, stellte diese draußen in den Regen und verstaute das Bügelbrett an dem nun freigewordenen Platz. Meine Schwiegermutter schüttete das neue Mehl weg, was in meinem Vorratsgefäß gewesen war („Da kam ein Schmetterling raus!“), ich warf dafür zwei kaputte Figurine weg („Nein, keine Ahnung, ich habe sie auch nicht gesehen!“), meine Schwiegermutter stellte meinen Mülleimer mit getrennten Fächern in den Garten („bah, wie der stinkt“) und hängte stattdessen Plastiktüten in der Küche auf und ich stellte ihre Tassen in ihr Schlafzimmer („Dafür ist in der Küche kein Platz mehr!“). Als ich einige Zeit lang nicht da war, hatte sie ein riesen Kruzifix in die Küche gehängt (…der besagte Cristo, den wir nicht im Schlafzimmer haben wollten!...) und hatte demonstrativ das Brot in meinem Brotkasten verschimmeln lassen („Der ist einfach nicht geeignet für Brot, siehst ja selbst wie das geschimmelt hat!“ – Ja, aber nur wenn man den Deckel fünf Wochen lang verschlossen hält oder wie erkläre ich mir die drei Zentimeter hohe, flockige Schimmelschicht in allen Farbschattierungen zwischen weiß und lila?!) Ausnahmezustand? Nein, eher der ganz gewöhnliche Alltagskrieg zwischen suocera und nuora…


No comments:

Post a Comment