Saturday, August 23, 2014

Der Umzug – Zusammenleben V

Wäre es ja nur das Wohnzimmer gewesen, das hätte ich ja noch verschmerzen können! Aber nein, der Einfluss der Schwiegereltern fand sich in jedem – einzelnen – Zimmer – des – Hauses! Am harmlosesten ging es noch in unserem Schlafzimmer zu. Wer sich fragt, was die Schwiegereltern im Schlafzimmer zu suchen haben – falls ihr eine Antwort findet, lasst es mich bitte wissen, denn ich weiß es auch noch nicht! Meine bessere Hälfte hatte schon angekündigt, dass seine Mutter wohl alle unsere Schränke durchwühlen wird, wenn wir nicht da sind. Das würde sie immer so machen. Blöder Scherz? Mitnichten. Ich fand sogar schon meine Schubladen aufgeräumt vor und das Bett neu bezogen. Das hörte dann schlagartig auf, als ich sichtbar Kondome und Dessous in den Schubladen verteilte.  Nur noch ein Versuch wurde gestartet, als meine Schwiegermutter in der Einräumphase ankam und mit süßlicher Stimme fragte: „Würdet ihr es schön finden, wenn im Schlafzimmer einige meiner Gemälde hängen?“ Sicher, sie hatte so viele, dass sie nicht mehr wusste wohin damit, immerhin hatten sie zuvor auf gut 120qm gelebt. Aber auch wir hatten uns dramatisch verkleinert und kämpften mit dem gleichen Problem. Und überhaupt – das Schlafzimmer war unser Hoheitsgebiet. Da würde nichts, aber auch gar nichts von den Schwiegereltern an den Wänden landen. „Nein,“ sagte dann auch meine bessere Hälfte bestimmt „wir haben auch noch viele Bilder“. „Wollt ihr wenigstens einen Cristo?“  - „No! Veramente no!!“  Gott sei Dank war der Kelch an uns vorüber gegangen. Dafür verunstalteten die Schwiegereltern jetzt unsere Küche. Hell und frisch war sie, mit neuer, weißer Küchenzeile und großem Fenster. Mit fast diabolischem Grinsen hieß es bald „Die Küche wird bella rustica!“ Ja, vor allen Dingen bella und rustica in einem Satz! Das konnte nur schlimm enden! Entsetzt sah ich, wie Schwiegermamma und Schwiegerpapa mit vollem Körpereinsatz eine wuchtige Lampe aus einem Umzugskarton zogen, deren Hauptbestandteile aus Kupfer und Gusseisen bestanden. Sie wollten doch nicht etwa…doch wollten sie! Sie hängten mit vereinten Kräften dieses Monster von einer rustikalen Lampe an die Küchendecke, viel zu groß für den Raum und damit so niedrig hängend, dass meine bessere Hälfte mit seinen 1,92 mindestens einmal am Tag den Kopf dagegen schlägt. Ich hatte ja immer gehofft, das wäre Grund genug es wieder zu entfernen, aber bella rustica setzte sich am Ende durch. Es blieb nicht bei der Lampe – zu ihr gesellte sich bald eine widerlich umfangreiche Sammlung an völlig sinnlosen Kupfergefäßen. Verbeult und schief, teils schmutzig und vor allen Dingen ohne Funktion. Dafür wurden einige meiner Küchengeräte, sowie mein Müslispender und Sandwichtoaster einfach vom Regal entfernt und in ein Staufach unter der Treppe gepackt. Ich dachte, ich spinn! Schließlich blieben die Kupfergefäße nicht alleine, zu ihnen gesellte sich eine stattliche Anzahl an Kupferobjekten, die an Haken an die Wände gehängt wurden: Kupfergabeln, Kupferlöffel, Kupfersiebe, Kupferreiben, Kupfertöpfchen. Als dann auch noch auf die Anrichte der Küchenvitrine ein langes Set gelegt und dann wahllos hässliche und kaputte (!) Porzellanfigürchen und Teller auf Ständern darauf verteilt wurden, da gab ich auf. Sollten sie doch jetzt unsere schöne neue Küche ganz verschandeln wie sie wollten; den längeren Atem hätte ich…


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