Saturday, August 23, 2014

Der Umzug – Zusammenleben IV

Aber das italienische Feeling mit dem Motorrad entstand nicht nur beim caffè con sambuca holen. Es gab auch weitere ganz simple Situationen, die ihre ganz eigene Magie hatten, immer wenn wir uns aus den engen Umständen zu Hause befreit haben und weggefahren sind. Die Morgenatmosphäre schnuppern, wenn alle ihre Einkäufe erledigen. Mit einem Kilo frischer Sardellen und zwei Baguettes im Gepäck und einer 5-Liter Weinflasche unter dem Arm die Gassen hinauf nach Hause. Und dann im heimischen Innenhof in der Sonne Obst mit Sahne frühstücken. Das waren die Momente, in denen einfach alles nur schön war und man vergaß, dass man sich hier laufend ärgern musste.
Der erste Ärger entstand gleich nach nur zwei Tagen. Damit meine ich die erste richtige Konfrontation. Schwiegermutter gefiel nicht was wir mit dem Wohnzimmer gemacht hatten. Nein, also das ginge überhaupt nicht, das würde man ja schon von Weitem sehen, dass es abgrundtief hässlich sei und das Allerbeste: es sei nicht einmal funktional. Moment, funktional?! Sie kam mir als Deutscher mit „funktional“ an? Wusste sie überhaupt was das war? Nein, das Wohnzimmer könnte so nicht bleiben, alles müsste umgestellt werden. Da war es egal, was meine Grundrisse mit Möbelschablonen ergeben hatten, nein, sie wussten es besser. Und die dicke Ohrfeige gleich noch hinterher: „Euch fehlt einfach der Geschmack!“ Hoppla! Dazu hätte ich SEHR viel sagen können, aber ich tat es nicht. Wenn ich sah, was sie beim Umzug alles ins Haus geschleppt hatten, DA hatte Geschmack gefehlt, ja und Stil! All das kaputte und hässliche Zeugs! Jawohl! Und hatte ich was dazu gesagt? Nein. Aber in Ordnung, das Problem waren also wir. Das sagte sie gleich noch mehreren Personen am Telefon – ein weiteres Objekt das sie vom Tag des Einzugs mit Beschlag belegt hatte. „Denen beiden hier fehlt einfach der nötige Stil, um so ein Haus einzurichten, dafür können sie ja nichts. Aber lass dir das gesagt sein, jetzt bin ich hier und ich bewege mich hier nicht mehr weg. Nee nee!“ Gut, dass wir das mitgehört hatten. Sie wollte nicht mehr wegziehen? Das bedeutete Krieg! Nur weil ich die Situationen nicht eskalieren ließ, hieß es nicht, dass ich nicht längst meinen eigenen Feldzug gestartet hatte. So hörte ich am nächsten Morgen schon ab 7 Uhr, wie unter uns im Wohnzimmer Möbel gerückt wurden. Als ich hinunterging, um in die Küche zu gelangen, ignorierte ich die Szene ganz bewusst. Da wurde geächzt und geflucht, es gingen sogar Teller zu Bruch, weil eine große Vitrine mitsamt ihrem kompletten Inhalt verschoben worden war. Ja, mein schadenfrohes Grinsen folgte sogleich. Ach ja…erstmal einen Kaffee!

Als meine bessere Hälfte schließlich vor Ort ankam, fand er seine Eltern vor dem Fernseher sitzend. Die Möbel einmal rund herum an den Wänden aufgereiht, das Fenster ging nicht mehr auf, weil das Sofa davorstand, und die Vitrinentüren ließen sich nicht öffnen, weil der Esstisch sie blockierte. Dafür konnte man von den 8 Plätzen am Tisch überhaupt nur 3 nutzen. An die anderen Stühle kam man nicht mehr heran, weil sie hinter anderen Möbeln standen. Was zum Teufel…?! „DAS ist eure ultimative Lösung?! SO soll das alles stehen hier?!“ Oh ja, die liebe Funktionalität. Was hatte man sie hier geschlagen und getreten, hier, wo jetzt nichts mehr funktionierte und alles um eine große, leere Fläche in der Mitte herum aufgereiht war. In der Tat, mussten die Schwiegereltern zugeben, das, was sie vorgehabt hatten, das hatte nicht geklappt. "Wie ich bereits vorher berechnet hatte“, warf ich beiläufig ein. „So wie alles stand, war es die einzige sinnvolle Lösung für dieses Zimmer“. Nein, das konnte nicht sein, noch immer wurde meine Variante hartnäckig bekämpft und so ging das Räumen weiter. Ja, was soll ich sagen, am Ende des Tages stand alles wieder so, wie ich es ursprünglich gestaltet hatte und das einfach deswegen, weil es die einzige und beste und schönste, ach ja, einfach die perfekteste Lösung für das Wohnzimmer gewesen war. Und funktional noch dazu…


2 comments:

  1. You made my day!! Die besten Geschichten schreibt echt das Leben! Ich kann mir das bildlich soo gut vorstellen...
    Ich muss zugeben ich musste wirklich lachen, bitte entschuldige, denn für Dich ist es sicherlich nicht so lustig, wie es sich für Außenstehende anhört, vor allem, wenn man die Italiener kennt.
    Halt durch!!
    Herzliche Grüße
    Joevlin

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  2. Danke dir :D Ja, drüber zu lachen ist sogar die beste Möglichkeit damit umzugehen. Wenn man den Humor rauslässt, dann käme es noch viel leichter zum Blutbad :D

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