Friday, August 22, 2014

Der Umzug – Zusammenleben II

Wie berichtet: nicht alles ist schlecht, wenn man mit den Schwiegereltern in einem Haushalt lebt. Da muss ich ja fair sein. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten täte, dass hier alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Zeit vom Leder zu ziehen! Es fing doch ganz nett an – nachdem wir unsere letzte Tour mit dem Auto Anfang Juni absolviert hatten, da sah es hier im Haus zwar aus wie bei ganz harten Messie-Fällen, aber immerhin hatten wir den Umzug hinter uns. Wir waren endlich da. Und mit den Nerven am Ende. Eine Pizza unter Tränen zum Abendessen und zwar draußen vor dem Haus eingenommen, weil drinnen einfach kein Platz war. Mit viel Mühe den Wasserkocher, Teebeutel, Zucker, einen Löffel und zwei Tassen gefunden und als Schlummertrunk noch einen Zimttee geschlürft, einmal tief durchgeatmet und dann einfach das Licht ausgemacht. So sah man das Chaos nicht. Der erste Abend ist der schlimmste und danach geht es immer aufwärts. Das traf auch bei uns zu, und egal wie entnervt und gestresst wir angekommen waren, der nächste Morgen war gepaart mit einer Arbeitswut, die sich gewaschen hatte. Wir mussten uns ans Aufräumen machen, denn Regen hatte sich angekündigt und draußen standen noch Möbel, die nicht ins Haus passten. Nein, ehrlich, sie passten nicht hinein. Mit Mühe hatten wir die Haustür zubekommen und der Hund schlief in einem der wenigen schmalen Fußpfade von nicht mehr als 20cm Breite, die ein Zimmer mit dem nächsten verbanden. Wir fingen also einfach irgendwo an, Kiste um Kiste, Plastiksack um Plastiksack, Tasche um Tasche. Der Erfolg kam erstaunlich schnell, der Platz wurde mehr und der Optimismus stieg mit jedem ausgepackten und verstauten Teil. Es hätte so schön werden können, aber die Freude hatte ein jähes Ende: nur drei Tage später kamen die Schwiegereltern dazu. Meine bessere Hälfte war am Morgen sehr früh losgefahren und nach wenigen Stunden mit vollgepacktem Kombi und zwei weiteren Insassen vor dem Haus vorgefahren. „Oh Gott, da sind sie!“ meinte ich zu Ludwig und wir ahnten, dass unser Umzugsglück jetzt ein jähes Ende gefunden hatte. Nicht nur, dass die Schwiegereltern kiloweise weiteres Gelumps angeschleppt hatten, nein, sie waren jetzt auch einfach da und das hieß, dass sie sich einmischen und ein Chaos veranstalten würden und wir hatten nicht die geringste Chance etwas dagegen zu unternehmen.  Als wär das nicht genug, fuhr meine bessere Hälfte dann auch noch fröhlich zur Arbeit und ließ mich in dieser Situation allein. Povera me! Ich hatte doch alles längst geahnt: in einer Tour beschwerte sich die Schwiegermutter über das Haus, das Chaos, die Nachbarn, den Hund, ihren Sohn, jammerte, dass sie nichts finden würde und beschuldigte ihren Mann zig Dinge weggeworfen zu haben. Nach weniger als einer Stunde hatte ich längst die Schnauze voll. Was hatte mich nur geritten diesem Projekt zuzustimmen??? Ludwig schnappte sich indessen ungesehen eine Salatschleuder und zerkaute diese leidenschaftlich in einer Ecke. Gut gemacht, mein Sohn, jedes Teil, was nicht Einzug in diesen Haushalt fand, war ein Fortschritt…


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