Thursday, August 21, 2014

Der Umzug – Zusammenleben I

Viele haben mich gefragt, wie sich der Alltag nun verändert hat, seitdem wir mit den Schwiegereltern nach Genua gezogen sind. Der Hauptaspekt für mich ist im Negativen, dass ich keinen Haushalt mehr habe und der Hauptaspekt im Positiven ist ebenfalls, dass ich keinen Haushalt mehr habe. Okay, der negative Teil hiervon wiegt schwerer, dazu gleich noch mehr, aber ich darf nicht vergessen, dass ich durch den fehlenden Haushalt auch mehr Zeit zum Arbeiten habe. Das ist im Grunde ein Luxus. Ich kann mich voll und ganz auf meine Projekte stürzen, meine Fortbildungen und aufs Geldverdienen. Ich kann sogar das Land verlassen und weiß, dass hier nicht alles den Bach herunter gehen wird. Ludwig ist versorgt und nie allein, er hat mehr Ansprechpartner und schaut mich nicht den ganzen Tag genervt an, wenn ich am Schreibtisch sitze und irgendetwas arbeite. Und meine bessere Hälfte und ich haben wieder Möglichkeiten auch mal etwas zu unternehmen. Seitdem wir ein Motorrad haben, fahren wir oft nach dem Abendessen noch mal den Berg hoch in den Ort und trinken etwas in der Bar. Oder wir erkunden unbekannte Straßen und lassen uns den Fahrtwind um die Nase ziehen. Das ist ein ganz anderes Gefühl von Lebendigkeit als wir es aus der Toskana kannten. Dort stand mehr die Pflicht im Vordergrund, Arbeiten, Haushalt, Hund und das Privatleben war seit dem Vollzeitjob meiner besseren Hälfte auf ein Minimum zurückgeschraubt worden. Dieses Aufblühen in Genua ist natürlich auch den Schwiegereltern zu verdanken. Würden sie sich in der Zwischenzeit nicht um Haus und Hund kümmern, könnten wir unsere neue Freiheit gar nicht wirklich genießen. Arbeit abgenommen zu bekommen, ist auch in den anderen Bereichen durchaus ein Vorteil. Ich muss mir keine Gedanken mehr darum machen, was eingekauft oder zubereitet werden soll, ich verbringe nicht mehr viele Stunden die Woche mit Spülen oder Putzen und darüber hinaus kann man sich nicht über Einsamkeit beklagen. Es ist immer jemand da, sei es für Smalltalk oder für profunderen Austausch. Hier muss man aber zugeben, dass diese theoretische Möglichkeit allen schon genug ist. Größtenteils geht man sich im Haus aus dem Weg, und gerade das macht es so angenehm und das Leben auf engstem Raum auch erst möglich…


No comments:

Post a Comment