Monday, June 30, 2014

Umzug auf Italienisch VIII - Der lange Weg nach Westen...

Ist es stressfrei, wenn man zum Umzug einfach eine Firma beauftragt, ihnen rund 5000€ in den Rachen wirft und sie einfach mal machen lässt? Hat man dann keine Probleme mehr außer dem Loch im Bankkonto? Keine Ahnung, so viel Erfahrung hab ich mit Umzügen nicht, aber egal wem ich erzählt hatte, dass wir umziehen, jeder schlug die Hände überm Kopf zusammen und seufzte "Alptraum! Ich erinnere mich noch zu schmerzlich an meinen letzten..." Irgendetwas geht IMMER schief, irgendetwas läuft IMMER anders als geplant. Wir hatten am Ende dreimal die Telefonfirma da, um den Anschluss endlich legen zu lassen und noch einen Elektriker ein viertes Mal, um das Telefon mit Internet aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss verlegen zu lassen. Das hat im Übrigen noch nicht geklappt, er kommt demnächst noch ein weiteres Mal vorbei.
Gas, Wasser und Strom lief problemlos (erstaunlich!), dafür aber musste noch einmal eine andere Küche bestellt werden, weil unsere ursprüngliche auf einmal nicht mehr geliefert werden konnte und dann auf einmal auch nicht mehr übers Internet, sondern nur noch per Telefon und am Ende bekamen wir irgendein letztes Exemplar der Reihe gefertigt, das dann aus Rom geliefert wurde (und das, obwohl hier in Genua auch ein Lager ist...). Der Liefertermin wurde zweimal verschoben und am Ende hatten wir endlich ein Datum, zu dem wir dann vor Ort sein konnten. Um 11 wollten die Jungs hier sein, Punkt 8 Uhr allerdings klingelten sie bereits. (Ein Segen, dass wir wenigstens um 7 schon aufgestanden waren und nicht wie eigentlich geplant erst um 8!) Es ging halbwegs ruckzuck mit dem Aufbau, anschließen konnten sie allerdings nicht, dazu sollte ein Installateur her. Drei verschiedene haben wir kontaktiert, kein einziger kam tatsächlich. Am Ende haben wir alles mit viel Gefluche in Eigenregie gemacht und feierten jedes neue funktionierende Gerät mit viel Jubel! Erst ging der Kühlschrank (toll!), dann der Backofen (toll!), dann der Gasherd (toll!), schließlich die Waschmaschine (hurra!) und ganz am Ende noch der Geschirrspüler (Freude!). Zwei Wochen vergingen darüber.
Wir erledigten auch Umzugsfuhre zwei und drei, ehe wir erkannten, dass wir damit einfach nicht hinkamen. Es war zu viel Zeugs. Zu allem Übel ging dann auch noch der geliehene Lieferwagen kaputt, glücklicherweise aber nicht, während wir ihn verwendeten und auch nicht durch uns verursacht. Dennoch musste jetzt auch noch ein anderer Lieferwagen besorgt werden und es dauerte zwei ganze Tage, bis wir alle Adressen abgeklappert hatten und endlich einen fanden! Die meisten waren entweder bereits lange ausgeliehen oder aber die Stationen hatten am Wochenende geschlossen. Oder die Wagen waren zu klein. Es war zum aus der Haut fahren! Inzwischen zog sich der Umzug bereits über einen ganzen Monat und wir wollten dieses Kapitel endlich abschließen.
Das letzte Wochenende dann war die Krönung. Wir erledigten Fuhre drei, vier und fünf am Stück, allesamt am Sonntag, an dem wir den Lieferwagen bekommen hatten. Es gab keine Pause. Es wurde getragen, gestapelt, gestritten und geflucht. Die letzte Fuhre gab es Sonntag nachts um 3 und sie wurde allein von meiner besseren Hälfte bestritten. Ich blieb daheim und schlief ein letztes Mal im alten Haus, wobei ich erst um 5 Uhr morgens ins Bett kam, weil ich noch wie ein Derwisch durch alle Räume putzte. Es war bereits hell, als ich den Tag endlich für beendet erklärte. Eigentlich hatten wir am letzten Abend noch schön essen gehen wollen, aber das war vom Gedanken her so weit weg von Möglichen, wie es nur hätte sein können.
Die Nacht war nichts, der letzte Morgen hatte dann ebenfalls nichts als Ermattung zu bieten. Wir gaben den Lieferwagen gegen 10 zurück und packten die letzten Dinge ins Auto. Am Ende passte nicht einmal alles hinein. Wir mussten uns von drei Kronleuchtern trennen, einem Fahrrad, dem Grill und einigen anderen Dingen. Das Auto war bis auf den letzten Zentimeter voll und die Nerven lagen blank. Ludwig saß unglaublich eingeklemmt auf der Rückbank und hielt den Kopf starr aus dem Fenster. Ich bekam auf dem Vordersitz nicht mal meine Füße auf den Boden, weil dort drei Taschen standen, außerdem hatte ich eine Kiste voller Dokumente, eine Handtasche, eine Flasche Cola und einen Maßanzug im Kleidersack auf dem Schoß. So einen Trip hatte ich auch noch nicht gemacht. Als wär das nicht genug, gerieten wir auch noch prompt in einen Stau und saßen anstelle von rund einer Stunde ganze drei Stunden auf der Strecke fest. Es war fast 22 Uhr, als wir schließlich in Genua ankamen. Wir räumten mit der letzten Kraft alles aus dem Auto ins Haus und bestellten etwas Essbares beim Pizzaservice. Weil das Haus bis unter die Decke voll war mit Umzugskisten, Säcken und gestapelten Möbeln jeglicher Art, mussten wir draußen im Hof essen. Auf Klappstühlen mit der fettigen Pizza auf dem Schoß. Es war frustrierend und so wurde erst mal ausgiebig geheult. Aus Müdigkeit und tausend anderen Gründen...


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