Saturday, June 21, 2014

Umzug auf Italienisch VII - Ich habs doch gewusst

Der erste Umzugssonntag gestaltete sich optimistisch: gutes Wetter, gut geschlafen, gut geparkter LKW, es konnte losgehn. Akkurat nach Zeitplan verließen wir das Haus, fuhren ins Stadtzentrum, parkten am Treffpunkt, ich nahm den Hund mit, brachte ihn mit Geschwindigkeit zur Schwiegermutter, die auf ihn aufpassen wollte und rannte im Eiltempo zurück zum LKW. Hier sollte ich auf die fünf Männer stoßen, die mit uns den Umzugstag absolvieren sollten. Nur war niemand da. Meine bessere Hälfte war bereits angefressen, ehe wir auch nur einen Fuß aus der Stadt gesetzt hatten. Er suchte die ganze Piazza ab und fand schließlich einen von ihnen an einer ganz anderen Stelle warten. So sehr wir auch moserten, aktuell war er der einzige der Gruppe, der überhaupt da war. Wir riefen die Schwiegermutter an: wo um Himmelswillen waren die anderen, inklusive Schwiegervater?! Sie wären in einen Supermarkt gegangen um sich für den Tag einzudecken, hieß es da. Und natürlich besaß keiner der Gruppe ein Handy! Wir warteten weiter, ohne dass sich etwas tat. Nach zwanzig Minuten tauchte ein weiterer Cousin auf. Dieser hatte eigentlich gar nicht mifahren sollen, weil er noch bis vier Uhr nachts gearbeitet hatte, also konnte man schlecht mit ihm böse sein. Ich blieb einfach im LKW sitzen und schaute nach vorne. Das war Organisation in Perfektion hier und nach all den holprigen Tagen zuvor wunderte mich nichts mehr. Ich war ja nicht verantwortlich. Ich wartete bis draußen offensichtlich geschrien wurde und meine bessere Hälfte wutentbrannt die LKW-Tür aufriss. Was war passiert?! Er hatte Nachricht bekommen, dass die anderen bereits vor über einer Stunde gestartet waren und sich schon auf der Höhe von La Spezia befanden. Wie er es herausgefunden hat, weiß ich nicht, aber Tatsache war: sie waren nicht mehr da. Ohne etwas zu sagen und ohne sich abzusprechen. Die wussten ja nicht mal, wie sie fahren mussten. Und sie hatten nicht mal alle mitgenommen! Aber Hauptsache schon mal auf den Weg gemacht. Das Dilemma hatte Folgen, denn jetzt waren wir vier Mann für einen LKW mit drei Sitzen. Die Person, die man am meisten entbehren konnte, musste also dableiben. Schuldbewusst wurde ich am Straßenrand ausgesetzt und hatte einen langen, schönen, heißen, anstrengenden Fußmarsch nach Hause. Bergauf! Und war verdammt wütend! Mal wieder hatte ich das Nachsehen, weil sich keiner organisiert und abgesprochen hatte. Ich hatte meiner besseren Hälfte noch die Schlüssel für die Schlösser am LKW an den Kopf geworfen, die Tür zugeknallt und mich wortlos von dannen gemacht. Nach einer knappen dreiviertel Stunde (ich kann ziemlich ausdauernd schnell gehen!) knallte ich endlich auch die Haustür hinter mir ins Schloss und es dauerte nicht lange bis sich meine bessere Hälfte aus Genua meldete: "Wir sind geliefert, wir bekommen den LKW nicht auf, du hast die Schlüssel zu den Schlössern behalten!" Wie bescheuert konnte man nur sein?! "Nein hab ich nicht! Die Schlüssel hab ich dir gegeben, ehe ich ZU FUSS nach Hause gelaufen bin! Ich bin wohl die Einzige in diesem Saftladen, die überhaupt noch weiß, was sie tut! Du hast die Schlüssel in deine Tasche gesteckt, schau gefälligst genauer nach!" Schweigen. "Dann hab ich sie verloren, in der Tasche sind sie nicht!" - "Ist mir egal! Ist nicht mein Problem! Ich bin hier glücklich zu Hause! Löst das allein!" Ich war von Idioten umgeben! Nach einer viertel Stunde schließlich die sachliche Feststellung "Hab die Schlüssel gefunden - sie lagen auf dem Autositz!"... Nach einer weiteren Stunde eine neue Meldung: "Wir haben alles ins Haus getragen. Aber die Jungs weigern sich irgendetwas an einen festen Platz zu stellen, weil keine Frau anwesend war! Sie sagten, sie wollen keine Verantwortung übernehmen." Aha, also so lief das hier. Frau bestimmt, wo was stehen soll? Ich hatte doch einen Möbelplan aus Papier gemacht, der doch nach unendlich viel Hauen und Stechen abgesegnet worden war. Aber den hatte keiner mitgenommen. War ja auch schon egal; wichtig war am Ende des Tages nur, dass die erste Möbelfuhre - irgendwie - nach Genua gebracht worden war. Und es sollten noch viele folgen...


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