Friday, May 30, 2014

Umzug auf Italienisch V - Fai da te

Die wichtigsten Entscheidungen waren getroffen, der Vertrag unterschrieben, die Schlüssel erhalten, die Adresse auswendig gelernt, das Gas beantragt, das Wasser beantragt, der Strom beantragt, Telefon und Internet bestellt, das Haus vermessen und auf Papier bemöbelt - jetzt wurd es ernst. Im Grunde hatte ich Ende März mit dem Packen begonnen. Erst im Keller, denn dort tat es am wenigsten weh. Ich hatte die Bilder von den Wänden genommen, das Musikequipment zusammengetragen, die Bar abmontiert und sämtliche Gärtnereiutensilien ins Haus geholt. Die ersten Taschen und Kisten wurden gefüllt, das Holz nach und nach im Kamin verbrannt und jegliche alte Zeitungen, die eigentlich als Feuermaterial gehortet worden waren, dienten nun als Pack- und Füllpapier. Dass das ganze nun schon beinahe zwei Monate her ist, kann ich kaum glauben, aber so zäh gestaltete sich unser Umzug im "Do it yourself"-Stil. Erst einen Monat nach dem ersten Packen im Keller fuhren wir die erste richtige Fuhre gen Westen und das Unternehmen blieb streng in Familienhand. Der Umzugswagen wurde vom Ex-Schwager geliehen, gepackt wurde auf der anderen Seite bei den Schwiegereltern mit täglicher Hilfe einiger Nichten, diverse Möbel wurden in der Familie verteilt, teils gegen Geld, teils geschenkt, aber es war ein Gruppenprojekt der besonderen Art. Ich hingegen habe hier im Haus alles alleine gemeistert. Glücklicherweise aber handelte es sich bei weitem um nicht so viel Zeug wie das, was die Schwiegereltern in ihrem 60 Jahre alten Haushalt angesammelt hatten. Da uns nur die Sonntage zum Fahren blieben, begann das Umzugswochenende immer am Samstag Abend. Meine bessere Hälfte holte nach der Arbeit den Lieferwagen vom Ex-Schwager und brachte ihn zu uns, wo wir die ersten großen Möbel zu zweit hinaufhievten. Für den ersten Sonntag war im historischen Stadtzentrum eine Ausstellung angekündigt und damit jegliche Gasse ab 7 Uhr morgens für Autos gesperrt. Also musste am Samstag Abend geladen werden. Diverse Cousins und Brüder hatten sich angekündigt um zu helfen. Ich wollte eigentlich daheim bleiben, denn einer musste eh auf den Hund aufpassen. Aber nein, meine bessere Hälfte wirkte auf mich ein, dass ich doch mitkommen sollte. Seine Mutter hätte bereits gesagt, dass sie Ludwig oben bei sich in der Wohnung behalten würde und dann könnte ich das Einladen mitorganisieren. Ich erinnerte mich noch vage daran, dass irgendein anwesender Cousin Angst hatte vor Hunden und überhaupt hatte ich ganz dumpf das Gefühl, dass das irgendwie vom Gedanken her nicht ganz ausgereift war, aber was soll ich sagen - ich war so aufgeregt in einem großen LKW mitzufahren, dass ich die Zweifel gar nicht erst aufkommen lassen wollte. Kurz nach 22 Uhr machte Ludwig einen kühnen Sprung in die Fahrerkabine, was ihm anfangs etwas Mühe bereitete und ungewohnt weit oben sitzend tuckerten wir Richtung Stadtzentrum. Bei den Schwiegereltern war bereits ein wildes Treiben. Diverse Möbel standen entweder auf der Straße oder im Haus auf der Treppe oder im Korridor oder wurden gerade herunter getragen. Wenn irgendwer hier Angst vor Hunden hatte, dann konnte ich unmöglich im Geschehen bleiben. "Bring ihn rauf zu meiner Mutter", rief meine bessere Hälfte und etwas missmutig machte ich mich auf den Weg in den zweiten Stock. Natürlich stand hier die Wohnungstür weit auf, sogar beide Flügel davon. Und natürlich liefen hier die Männer hin und her und dachten logischerweise nicht daran die Tür geschlossen zu halten. Wieso hatte meine Schwiegermutter um Himmelswillen diese bescheuerte Idee geäußert, auf Ludwig aufpassen zu wollen? Wie denn?! Sie stand fröhlich redend mit einer Schwägerin im halbleeren Wohnzimmer. "Ach, da seid ihr ja!" Ja, da waren wir, aber völlig grundlos. Ich musste Ludwig an der Leine behalten bei der offenen Tür und dieser wusste genau, dass unten irgendetwas Aufregendes vonstatten ging und quietschte in den höchsten Tönen. Niemand außer mir konnte ihn halten, also machte ich mich innerhalb von wenigen Sekunden wieder auf den Weg nach unten und hatte bereits einen Hals. Die nächste Stunde stand ich dann sinnlos mit Hund an der Leine neben dem LKW und tat rein gar nichts außer bei Ankunft eines anderen Hundes im Hauseingang zu verschwinden. Ludwig war unendlich langweilig, er wäre gerne herumgelaufen, aber die Stadt war einfach zu voll. Hin und wieder warf ich einen wütenden Blick auf meine bessere Hälfte und als die Gelegenheit da war, zischte ich ihm zu: "Kannst du mir mal erklären, wieso Ludwig und ich hier sind?! Immerhin hatten wir zu Hause bleiben wollen und da wären wir jetzt SEHR gut aufgehoben gewesen!" Ich hätte ihm wirklich nicht vertrauen dürfen; einmal mehr sagte ich mir, dass ich das ganze besser selbst organisiert hätte. Aber es gab auch gute Dinge zu beobachten: die Familie arbeitete im Akkord und war sehr effizient darin, die Möbel zügig sinnvoll zu stapeln und zu verstauen. Als der LKW endlich voll war, konnte ich es nicht erwarten endlich nach Hause zu kommen...


No comments:

Post a Comment