Sunday, May 18, 2014

Umzug auf Italienisch III - Ausgemessen und ausgewertet

Es war also entschieden, wie es nun laufen würde und die Wogen wieder geglättet. Kaum, dass wir die Schlüssel zum Haus bekommen hatten, ging es diesmal mit dem Schwiegervater zur Ortsbesichtigung, um die Arbeiten zu besprechen und das Haus zu vermessen. Bei letzterem verließ man sich voll auf mich, denn als Deutsche würde ich das schon precisa precisa machen und besser als alle anderen. Einen Grundrissplan zu erstellen, finde ich jetzt keine große Aktion, aber bereits im Vorfeld war man sich in die Haare geraten darüber, wie das Haus so aufgeteilt war. Meine Schwiegermutter und ich bestanden darauf, dass die Küche ziemlich quadratisch gewesen war, während meine bessere Hälfte uns weismachen wollte, dass die eine Mauer viel kürzer gewesen sei als die andere. Noch dazu gab es Unstimmigkeiten über die vielen Türen im Haus. Einer der ersten Punkte bei der Ankunft mit dem Schwiegervater war also die Küche und sie war - man stelle sich einen Tusch vor - quadratisch! Jawohl! Mit einer Abweichung von sage und schreibe 3cm. Nichts da mit kürzerer Wand und so. Und auch die Türen waren genau dort, wo sie auch in unserer Erinnerung gewesen waren. Ja, und das Haus war auch so klein, wie es in meiner Erinnerung gewesen war. Aber nein, diesmal sagte ich nichts. Bis dann mein Schwiegervater das Zimmer sah, in dem sie im ersten Schritt Unterschlupf finden würden. "Dio cane, è piccola!" Triumphierend sah ich meine bessere Hälfte an! Genau wie ich von Anfang an gesagt hatte! Das Haus ist verdammt klein! Und mein Schwiegervater stimmte mir zu. Hatte ich ihn von allen in der Familie nicht immer schon am liebsten gemocht?? Er grummelte weiter in sich hinein. Ob man überhaupt das Bett stellen könnte und wie das mit einem Kleiderschrank wäre. Wir machten uns also ans Messen. Das sah so aus, dass ich alles auf Papier festhielt und von jedem Winkel ein Foto machte, während meine bessere Hälfte und sein Vater mit dem Zollstock jede Wand vermaßen. Es dauerte viel zu lange, am besten hätte ich alles selbst gemacht! Sie waren umständlich und standen viel in der Gegend herum. Und dann musste ich sie auch zwingen kleine Nischen und Winkel ebenfalls auszumessen. "Ha ragione lei!" stimmte mein Schwiegervater mir wieder zu. Wir würden das Haus einmal von Kopf bis Fuß in Zahlen festhalten und dann das ganze in richtigem Verhältnis auf Papier bringen. Dann könnte man auch die Möbel akkurat ausmessen und im Puzzle-Verfahren die Einrichtung arrangieren. Sie sollten mich ruhig machen lassen. Das Zimmer der Schwiegereltern war in der Tat das Hauptproblem. Das würde hier verdammt knapp werden. Das Bett konnte man stellen, aber mit dem Schrank wurde es schwierig. Gut, dass sie gleich mehrere riesen Schränke daheim zur Verfügung hatten. Irgendwie musste man eine Lösung finden, auch wenn es ohne Frage eng werden würde. Wir hatten auch Wandfarbe mitgebracht, Arbeitskleidung und weitere Renovierungsmaterialien. "Wirklich streichen muss man hier aber nicht", meinte dann meine bessere Hälfte im Wohnzimmer. "Das sieht doch wirklich ganz passabel aus". Passabel? Wer auch immer hier gestrichen hatte, hatte die Farbe einfach lieblos auf die Flächen geklatscht. Alles war ungleichmäßig und dann gab es im ganzen Haus schwarze Sockel, die mit irgendeinem Lack beschmiert waren, der sich teilweise auch an der Wand und auf den Bodenfliesen fand. "Schaut euch diese Ecken hier mal an!" wies ich die Familie an und konnte ohne Probleme ein Dutzend Stellen zeigen, in denen miserabel gearbeitet worden war. Und dann fehlten zig Steckdosenrahmen oder sie waren kaputt oder standen von der Wand ab. Passabel? Hier musste noch viel Arbeit hineingesteckt werden oder ich würde in dieses Haus nicht einziehen. Wir brauchten also nicht nur die Wandfarbe, wir brauchten auch schwarzen Smalto für die Sockel und weißen Smalto für die Treppe, die jemand aus unerfindlichen Gründen auch ganz miserabel schwarz gestrichen hatte. Und dann noch Stucco zum Ausbessern hier und da. "Ja, aber nicht heute, das machen wir nächstes Mal", waren sich die Männer einig. Denn die paar Arbeiten seien ja schnell getan und man hatte heute schon viel erledigt. Wie bitte? Wir hatten lediglich das ganze Haus einmal ausgemessen und damit waren drei Personen und ein Hund fast zwei Stunden lang beschäftigt gewesen. Ich schwöre es, alleine hätte ich alles in einer Stunde erledigt gehabt! Immerhin wollten wir jetzt noch die Küche kaufen gehen und damit war ich dann wieder besänftigt. Zuvor noch ein großes panino am Meer verdrückt und dazu ein Glas Rotwein - der Tag hatte auch noch sein Gutes. Zu Hause war dann Detailarbeit angesagt...



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