Friday, May 16, 2014

Umzug auf Italienisch II - Achtung, Schwiegereltern

Also das Haus war dann nun zu klein für die Großsippe und die Emotionen mehrfach übergeschwappt. Mal wollten die Eltern daheim bleiben, mal sich was Eigenes in Genua suchen; alles änderte sich täglich und so oft, bis ich irgendwann einmal mit der Faust auf den Tisch schlug: Bastaaaaaaaaaaaa! Jetzt wäre endlich Schluss mit diesen Kindereien und jetzt würde sich ein für alle Mal entschieden und zwar endgültig! Etwas schockiert waren alle Beteiligten, aber sie schienen es ohne Gegenwehr einzusehen. Schock und Einsicht gab es gleich mehrfach an jenem Tag, denn wir waren zum Mittagessen bei den Schwiegereltern eingeladen und hatten ausgiebig Zeit uns in ihren vier Wänden umzusehen. Das Stadthaus aus dem Spätmittelalter hatte zwar schon allerhand erlebt und weggesteckt, die Erdbeben im letzten Jahr hatten aber offenbar doch größere Spuren hinterlassen als es zunächst den Anschein gehabt hatte. In allen Zimmern hatten sich feine Risse in den Mauern gebildet, die über die letzten Wochen immer größer geworden waren. Und diese hatten inzwischen unheimliche Ausmaße angenommen! Sie waren so groß, dass man gar nicht daran denken will, was wäre, wenn es jetzt ein Erdbeben gäbe. Ich bin kein Experte für Statik, aber ich würde für die Sicherheit in diesem Gebäude mit seinen meterdicken Wänden nicht mehr garantieren wollen. Irgendetwas an dem Haus zerfällt langsam aber sicher, und die Schwiegereltern berichten nun schon länger von nächtlichem Knirschen im Mauerwerk. Ich glaube das sofort, denn die Risse werden eindeutig laufend größer. Bei meinen letzten Aufenthalten vor Ort habe ich mich allen Ernstes nicht mehr getraut mich zu schnell durch die Räume zu bewegen. Am schlimmsten sieht es im Schlafzimmer aus, denn hier läuft nun schon seit einigen Wochen Feuchtigkeit durch die Decke und die Wände hinunter und dicke Querrisse machen den Raum eindeutig nicht gemütlicher. Wir hatten schon geraten ins Gästezimmer umzuziehen, aber inzwischen sind die Risse dort übler als im Schlafzimmer und noch dazu ziehen sie sich zusätzlich quer durchs Fenster und die Außenmauer. Hier traut man sich nicht mal mehr zu husten aus Angst die Bude könnte wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. So gerne die Schwiegereltern hier geblieben wären, die Situation hatte sich gründlich verändert und hatte nicht mehr viel mit Abwägen zu tun: hier konnte ohne Komplettrenovierung keiner mehr wohnen! Wir konnten also nicht anders als zum Packen zu drängeln und vereinbarten nun aus der Not heraus Folgendes: Die Schwiegereltern würden übergangsweise bei uns Unterschlupf finden und wir würden vor Ort gleich anfangen nach einem neuen Zuhause für sie zu suchen. Der Plan fand Zustimmung von allen Seiten, auch meiner. Wir würden also gemeinsam umziehen und mehrstufig vorgehen. Das war jetzt für alle Beteiligten die beste Lösung...


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