Saturday, May 10, 2014

Umzug auf Italienisch I - Italienische Front

Welche Reaktion folgt auf den Begriff "Italienische Großsippe"? Rette sich, wer kann? So richtig viel kann ich zu dem Thema Gott sei Dank nicht beitragen, denn so groß ist die aktive Sippe hier nicht, und gleichzeitig ist meine bessere Hälfte kein Mammone, also bin ich vor vielem verschont, was anderen reihenweise blüht, wenn sie nach Italien kommen. Allerdings - jetzt wird für einige Zeit in den kommenden Wochen (Monaten?) ein anderer Gang eingelegt: die Schwiegereltern werden bei uns wohnen! Jetzt müsste der Sound aus der Duschszene bei "Psycho" folgen...ja, glücklicherweise nur vorübergehend, denn die Schwiegereltern werden uns nach Genua folgen. Was ich sehr gut finde. Grundsätzlich. Aber eben nicht so nahe. Die Suche nach unserem neuen Haus hat mich rund vier Monate gekostet und war wirklich relativ mühsam. Umso mehr Glück hatten wir schließlich mit dem Fund, den wir dann auch genommen haben. Die Stecknadel im Heuhaufen wäre nicht leichter zu finden. Und nun beginnt die Suche noch einmal für die Schwiegereltern. Wir haben schon einige Objekte in der Nachbarschaft kennen gelernt, denn vieles wird vor Ort unter der Hand vergeben. Jetzt heißt es ausströmen, Bekanntschaften machen und so schnell wie möglich ein zweites Objekt finden, in das die Schwiegereltern einziehen können. In Laufnähe zu uns. Wie lange das dauern wird? Keine Ahnung, aber wir bleiben optimistisch. Nichtsdestotrotz ziehen sie erstmal bei uns mit ein, werden das Arbeitszimmer bevölkern und man wird sich wahnsinnig auf den Keks gehen auf so engem Raum. Aber es gibt auch Vorteile: man ist nicht alleine, man teilt die Strapazen eines Umzugs, man kennt schon mal jemanden, hat immer einen da, der auf den Hund aufpassen kann und teilt sich die Kosten. Nach den letzten anstrengenden Monaten denke ich, dass das unter dem Strich erstmal eine gute Sache sein wird. Aber wie lange wird der erste Streit auf sich warten lassen? Nun - der war schon da, noch ehe wir überhaupt vor Ort waren. Denn bei der zweiten Besichtigung, die meine erste war, kam auch die Schwiegermutter mit. Bei der Größe des Hauses kam ich nicht im Traum auf die Idee, dass sie wirklich noch bei uns Unterschlupf suchen wollen. Zugegeben, unsere bisherigen Behausungen waren alle sehr großzügig, aber alles hat seine Grenzen, wenn man zusammenschrumpfen muss. Und als Schwiegermamma dann am Ende der Führung zu mir sagte, ich sei ja die Padrona des Hauses (oha?) und wie ich das denn fände, wenn sie bei uns einziehen, da stand ich regelrecht unter Schock. Wieso mit einziehen?? In dieses kleine Haus?? Wie denn?? Naja und da antwortete ich sehr deutsch neutral: "Das Haus ist sehr klein" und mehr nicht. Oje, was ich damit lostrat. Eisiges Schweigen auf der Rückfahrt und nach der Ankunft die volle Breitseite der italienischen Großsippe. Ich würde sie hassen, ich würde mit ihnen nichts zu tun haben wollen, was ich denn gegen sie hätte und ich müsste keine Angst haben, sie würden nicht mit nach Genua kommen. Hoppla? Was hatte ich denn gesagt? Lediglich, dass das Haus klein ist. Und das stimmt nun mal. Wer mit der Wahrheit nicht leben kann, die sich jedem da vor Ort präsentiert hat, ja, der soll sich halt was vormachen. Verwandte riefen an, was denn vorgefallen sei, wollten etwas über den "Skandal" hören, den dritten brüllte meine bessere Hälfte am Telefon an, er solle sich gefälligst um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Und gleichzeitig war er sauer auf mich, weil ich so brutal gewesen wäre...Wie?? Wo und wann war ich denn brutal gewesen?! Als ich sagte, das Haus sei klein? Es gab da einige Momente, in denen ich dem Impuls folgen wollte zu packen und das Land zu verlassen. Sollten die doch alle sehen, wo sie bleiben, dieser Irrenhaufen, der meine Intelligenz beleidigte. Ohne meine Organisation wären sie doch völlig aufgeschmissen. "In Ordnung", meinte ich schließlich. "Weißt du was, dann zieh du mit deinen Eltern zusammen, ich gehe wieder nach Deutschland!" Das machte es nicht besser. "Ich will nicht mit meinen Eltern zusammenziehen, ich kann sie nicht ausstehen!" war die Antwort. Aha! Und wieso dann war er sauer auf mich, bitte sehr? "Na, das war einfach zu krass ausgedrückt, was du gesagt hast. Jetzt sind sie zutiefst beleidigt. Aber warte ab, das renkt sich wieder ein." Ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, was sich da wieder einrenken wollte, aber dafür war ich vielleicht einfach zu deutsch. Drei Tage lang wurden wir ignoriert von den Eltern, dann auf einmal ein Anruf: Sie hätten nachgedacht, das Haus sei ja wirklich schön, aber ehrlich gesagt sei es doch etwas klein und ob wir nicht derselben Meinung wären." Meine bessere Hälfte nickte. Ja, das würden wir auch so sehen, es sei dann doch etwas klein.
Das war dann endgültig zu viel für mich. "War das nicht 1:1 das gewesen, was ich von Anfang an gesagt hatte, weshalb man mir fast den Krieg erklärt hätte??" - "In der Tat, das war jetzt so eine Art Entschuldigung auf Italienisch sozusagen. Sie haben noch etwas Angst vor dir, aber meine Mutter hat gesagt, man würde eine Lösung schon finden. Ach, und sie hat uns einen Braten gemacht, den wir abholen können..." Tsssss, Italiener...


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