Friday, April 25, 2014

Gemischtes...

Ganz seltsam diese Apriltage. Morgen ist Befreiungstag und damit kann auch meine bessere Hälfte zu Hause bleiben. Wir haben den Abend also ruhig angehen lassen und beim spätabendlichen Gang durch den Ort auch endlich eine Methode gefunden, wie Ludwig nicht wie ein Verrückter die Straße hinunter schießen will. Das muss jetzt weiter verfolgt werden; hat uns aber schon mal enorm erstaunt. Die hiesige Festung ist endlich abends wieder lange beleuchtet und nach einer Handvoll regnerischen Tagen war der Abend frühsommerlich mild. Und es roch nach etwas, die Luft war nicht mehr neutral. Wenn man sich die Luft im Winter transparent vorstellen will, dann war sie jetzt leicht rosa angereichert, ein Gemisch aus Sonnenduft, Blumen und Leben, das nun wieder draußen stattfinden kann. Ganz seltsam war das, aber ich fühlte mich gleich wieder lebendig, als wir da mit Hund um die Kurven bogen. Vorbei an hysterisch bellenden pelosi hinter jedem zweiten Zaun und unserem, der sich einen Dreck um das akustische Chaos scherte. Er setzte mit betont unbeteiligter Miene noch einen Haufen direkt vor den Eingang der Bar, in der einige Herrschaften ein Feierabendbier genossen. Die Carabinieri fuhren vorbei und hielten in der Kurve, wo einer aus dem Auto sprang und mit einer großen Taschenlampe in verschiedene Fenster eines Nachbarhauses leuchtete. "Arrivo" schrie irgendwo eine Stimme und wir waren ja zu neugierig zu erfahren, was sich da zugetragen hatte. Als wir jedoch wieder daheim angekommen waren, hatte sich die Szene längst aufgelöst und der Blick aus dem Fenster bot wieder den üblichen Anblick. Ludwig nahm sofort seinen Posten ein und erinnerte mich auf unangenehme Weise an die letzte Nacht, als er gegen 3 Uhr am Morgen auf einmal wütend zu bellen anfing und im Haus hin und her lief. Wie von der Tarantel gestochen war ich aus dem Bett gesprungen (ich bin bei sowas unglaublich schnell...andere müssen immer erstmal am Bettrand sitzen und zu sich kommen) und ins Wohnzimmer gerannt, wo Ludwig als aufgescheuchtes Wiesel einen Veitstanz aufführte. Als er mich sah, hetzte er zu seinem Fenster und wollte es geöffnet haben. So wütend wie er gebellt hatte, war ich auf alles gefasst. Drei- viermal kläffte er auf die nächtliche Straße, dann blieb er ruhig auf sein Fensterbrett gestützt stehen und betrachtete schwanzwedelnd die schlafende Nachbarschaft. Ich dachte ich spinne! Ich spring doch nicht in wilder Panik nachts um 3 aus den Federn, nur damit ich das Fenster öffne und mein Hundesohn die frische Nachtluft genießen kann. Nach einer Minute, ohne dass irgendetwas passiert war, zerrte ich ihn schließlich wieder zurück ins Wohnzimmer und sagte etwas angefressen auf Deutsch, dass das jetzt nicht hier zur Angewohnheit werden würde. Zurück im Schlafzimmer fand ich dann meine bessere Hälfte auf meinem Kissen liegend. Nachtruhe sieht anders aus!
Apropos Carabinieri. Wir schauten dann eine unserer verhassten Lieblingssendungen auf DMAX (mit italienischer Aussprache Dimaxeeee), Airport Security, Geschichten von verschiedenen australischen Flughäfen und Zollstellen und sahen diesmal eine Chinesin, die keinerlei Kleidung gepackt hatte, dafür aber kiloweise Lebensmittel. Unser Lästern war mal wieder im vollen Gange, da ertönte "C'è un pollo intero!", als einer der Angestellten des Zolls ein ganzes Brathähnchen im Gepäck der Frau fanden. Das Brathuhn wurde natürlich gleich wieder als unendliche gesundheitliche Gefahr für den gesamten australischen Kontinent empfunden und die Frau angemessen bestraft. Währenddessen hielten wir ein Brathähnchen, eben ein pollo intero, für die perfekte Waffe schlechthin. Wir malten uns aus, wie wir mit vorgehaltenem Brathuhn morgen die nächste Bank stürmen und die Herausgabe von allem Baren fordern. Da ein entsichertes Brathuhn mehr als überzeugend ist, wird sich keiner uns entziehen können, es sei denn irgendwann heißt es von draußen "Hier ist die Polizei! Legen Sie das Brathuhn weg! Legen Sie es langsam auf den Boden und kommen Sie mit erhobenen Händen aus dem Gebäude!" Dann wär es natürlich gelaufen...es sei denn wir würden unseren nächsten Joker à la Airport Security ziehen: chinesischen Tee! Haaaa, und ich hatte noch einen ganzen Vorrat davon. Richtiger, echter, chinesischer Tee in kleinen goldenen Tütchen vakuumverpackt in chinesischen Geschenkboxen. Ich öffnete ein Tütchen zischend und hörte schon den üblichen übersteigerten Kommentar von dem "alto rischio sanitario" in meiner Vorstellung. Ja, auch mit chinesischem Tee könnte man hier ganze Völker ausrotten. Eine einzige fehlgeleitete Tüte Tee hat ja mindestens eine Zerstörungskraft wie eine handelsübliche Atombombe...jedenfalls wenn man dem australischen Zoll glauben will. Meine bessere Hälfte erinnerte sich dann noch an eine Folge, in der ein ganz Schlauer noch etwas viel viel Schlimmeres versuchte nach Australien zu schmuggeln! Eine italienische Salami! Godzilla hätte nicht für mehr Geschrei sorgen können als die Wurstware! Bei all diesen Szenen von Brathähnchen und Salamis  bekamen wir schließlich Hunger und das weit nach Mitternacht. Während meine bessere Hälfte also aufstand um Salsiccia zu braten und mit Mayonnaise, und Tomatenscheiben in Sandwiches zu legen, kochte ich mir einen der chinesischen Tees und fragte die Schenkerin gleich noch bei Facebook, was das eigentlich für ein Tee sei, deren Schriftzeichen ich auch nach 3 Jahren (so lange habe ich den Tee schon, ähem!) nicht lesen kann. "Oolong" sei das, hieß es nur wenige Minuten später, als ich wie in den alten Zeiten den Mitternachtssnack genüsslich kauend verdrückte.
Und jetzt muss dringend Schlaf nachgeholt werden, wenn morgen mal wieder die italienische Befreiung ansteht...solange man uns nicht vom Brathuhn befreit, ist ja alles gut...



2 comments:

  1. looooooooooooooooooooool

    ReplyDelete
  2. AHAHAH :D Hört sich echt lustig an!

    ReplyDelete